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BOrTOS,

Zeitschrift für Natur-Wissenschaften

herausgegeben

‚naturhistorischen Vereine „L,otos“ in Prag.

Zweiter Jahrgang.

- Prag, 1852. Druck von Kath. Jeiäbek, Ursulinergasse, Nr. 140—2.

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PRAG. JÄNNER. 1852.

Yon der Zeitschrift „Lotos“ erscheint zu Ende jedes Monates ein Heft in’ der Regel

zu 1'/, Bogen. Der Pränumerationspreis für den ganzen Jahrgang beträgt ohne Post-

versendung 2 fl., mit freier Postversendung 2 fl. 30 kr. und kann unmittelbar bei

dem Vereine „Lotos“ oder in der J. G. Calve’schen Buchhandlung in Prag: entriehtet

werden, welche letztere auch Inserate übernimmt und mit 3 kr. die Petitzeile berechnet.

Da eine länger dauernde Abwesenheit von Prag die Lei- tung der Redaction dem Herrn Friedrich Grafen von Berchtold ‚unmöglich macht; so hat der Gefertigte die Weiterführung derselben übernommen, was er allen Freunden der „Lotos‘ mit dem Ersuchen hiemit zur Kenntniss bringt, ihre eifrige -Theilnahme und Unterstützung dem Blatte auch ferner zu- zuwenden. ‚. Dr. Franz Nickerl.

‚Vereinsangelegenheiten.

Versammlung am 9. Jänner 1852.

Die Versammlung, in welcher Herr Ministerialrath v. Sacher-Masoch den Vorsitz führte, wurde mit Verlesung des Protokolls der letzten Sitzung *) eröffnet, Hierauf wurde ein Schreiben vom correspondirenden Mitgliede Herrn Oberinspector Leonhard Liebener in Inuspruck mitgelheilt, welcher dem Vereine ein Exemplar der auf Kosten des montanistisch-geognostischen Vereines in Tirol herausgegebenen und unter seiner Mitwirkung zu Staude gebrachten geognoslischen Karte Tirols zum Geschenke macht, und zugleich den Text und 3 Profil - Blätter nachzuserden verspricht.

Mit derselben Sendung übermittelte Hr. Liebener dem Vereine auch einige im Jahre 1851 in Tirol neu entdeckte Mineralien.

b An Geschenken für den Verein waren eingelaufen : x I. Für die Bibliothek:

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N Von Hrn. Oberinspeetor Leonhard Liebener die eben erwähnte geogno- ‚stische Karte Tirols in. 10 ‚grossen Btältern,

e *) Siehe „Lotos‘ I, Jahrgarg. S. 265.

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Von Prof. F. X. M. Zippe: Uibersicht der Krystallgestalten des rhomboedri- schen Kalkhaloids ‚verfasst‘ von demselben). Wien 1851.

I. Für die mineralogische Sammlung:

Von Hrn. L. Liebener: 3 Stück en (Serpealin pseudomorph nach Feldspalh und Gymnit). ®

Der Custos der zoologischen Sammlung, Ierr Wot&ra, theilte mit, dass er aus den im Vereine vorhandenen Doublelten eine Insectensamlung von 105 Species in 154 Exemplaren für eine öffentliche Anstalt zusammen- gestellt habe, Auf Antrag des Actuars wurde dieselbe ars Kleinseitner Musterhauptschule zugewiesen,

Hierauf folgte der Vortrag des Herrn Med. Dr Nowäk über die An- sichten der Quellenentstehung :

Nach einer kurzen Einleitung, in welcher Dr. N. die Schwierigkeit her- vorhob, einen alten, bereits festgewurzelten Irrthum zu bekämpfen, gleich- sam andeutend, dass er sich, gegenüber der-modernen Quellentheorie in dem- selben Falle befinde, eitirte derselbe einige Seiten aus Prof. Berghaus Allgem, Länder- und Völkerkunde (Bd. I. S. 4—11) zu dem Belnfe, um der Versammlung die dermal über den Ursprung der Quellen herrschenden An- sichten kurz ins Gedächtniss zu rufen. >

Er besprach sofort die aligemeine Möglichkeit des Quellenur- sprungs aus der Durchsickerung meteorischer Niederschläge, und suchte zu zeigen, dass die seit jeher gegen diese Möglichkeit vorgebrachten Einwürfe durchaus noch nicht so gründlich beseitigt seien, wie die meisten Nalur- forscher unserer Zeit anzunehmen belieben. Wenn: äber auch zugegeben würde, dass das meteorische Wasser in zureichender Menge und zu der über- all erforderlichen Tiefe in die Erdrinde einsickern könne, so wäre doch nicht wohl einzusehen, wie sich das fadschmeckende Schnee- und Regenwasser wäh- rend dieser “einfachen Durchsickerung in erfrischendes, erquickendes Quell- wasser umwandeln (Unterschied zwischen „weichem“ uud „hartem“ Wasser), und wie es dabei auch noch von den vielen mechanisch fortgerissenen Bo- denbestandtheilen befreit werde. Dr. N. bemerkte, dass die mancherlei zur Erklärung dieser beiden Umstände ersonnenen Hilfshypothesen der Nalur- forscher durchgehends nur mehr weniger geistreiche, leider aber nicht bewie- sene Phrasen seien, die eine strenge Prüfung nicht aushalten.

Die Behauptung, „dass die quellführenden Schichten in ihrem Wasser- reichthum durchaus abhängig seien von der Menge des gefallenen Regen- wassers“ (Berghaus a. a. O. S, 9) sei eine willkürliche, weil es genug Quellen gebe, die bei jeder Witterung in gleicher Ergiebigkeit fliessen, so namentlich die meisten Mineralquellen. (Beispiel von Franzensbad, mit Berufung auf das Constit, Blatt aus Böhmen vom 4, und 29. April v. J,) Auch die „berg- männischen“ Erfahrungen eines Trebra beweisen nicht, was sie nach Prof

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Berghaus beweisen sollen, weil denselben die bergmännischen Erfahrungen Anderer z.B. Blonds und. Heawoods (vergl. Gehler’s physik, Wörterbuch, Ar- tikel Quellen) gegenüberstehen, und, weil sich dieselben auch mit andern Quellentheorien recht wohl in Einklang bringen lassen. Was insbesondere die „Grubenwässer“ anbelangt, so meint Dr, N., dass allerdiugs manche Grubenwässer, zumal der obern Baue, meteorischen Ursprungs und dann auch in Uibereinstimmung mit der Witterung sein werden, dagegen dürften andere Grubenwässer, besonders in tieferen. Bauen, von der Witterung wenig oder gar nicht affieirt werden, und diese wenigstens seien eines anderweitigen, bis jetzt unerkannten Ursprungs. Einigen Beweis für diese seine Ansicht findet Dr. N. in den „Höhlenbrunnen* von Yucatan in Centralamerika. (Vergl. Dr. S. W. Hoffmann’s Grundzüge der allg. Erdkunde. 1750. S. 330.)

| Am Schlusse der Versammlung wurden die Herren:

Gregor Zeithammer, k. k. Schulrath, zum Ehrenmitgliede,

Dr. Nowäk zum wirklichen,

Ladislaus Leonhart, k. k. Berghauptmann zu Kuttenberg,

P. Anton Matauschek, Gymnasial-Director zu Braunau,

P. Amandus Watzke, k k. Gymnasiallehrer zu Braunau zu cor- respondirenden Milgliedern und

F. J. Lang, Mediziner, zum ausserordentlichen Nitgliede gewählt.

Versammlung am 16. Jänner 1852.

Nach Verlesung des Protokolls der letzten Sitzung theilte der Vor- sitzende dem Vereine mit, dass das correspondirende Mitglied, Herr Franz V5eteöka, Apotheker zu Nimburg, einen ausserordentlichen Beitrag von 411. C.M, für die Vereinskasse eingesendet habe,

Als Geschenk für die Vereinsbibliothek war eingegangen vom Ehrenmitgliede H. Director Carl Kreil:

Magnctische und geographische Ortsbestimmungen im österreichischen Kaiserstaate, ausgeführt von Karl Kreil, 4, Jahrgang, 1850.

‚Herr Dr.Nowak setzte seinen in der letzten Sitzung begonnenen Vortrag fort:

Nachdem er daran erinnert halte, wie es nach seiner Ansicht schon im Allgemeinen schwer sei, die Speisung unserer wahren Quellen aus der ein- fachen Durchsickerung meteorischer Wässer zu begreifen, suchte er zu zeigen, dass ein solcher Quellenursprung in manchen speciellen Fällen geradezu unmöglich sei. Die Ausflüchte der modernen Quellentheorie bei solchen Ge- legenheiten seien durchaus seicht und unstichhaltig. Dr. N. unterzog hiebei zunächst die von Munke (im Gehlers physik, Wörterbuche a. a, 0.) und von Berghaus (a. a. 0.) vorgebrachten Erklärungen des sogenannten Hexenbrun- nens am ‚Gipfel des Brockens seiner Kritik x

Gegen „jenen zeigte er insbesondere auf den Widerspruch hin, in den man bei einer solchen Erklärung gerathe, zumal wenn auf die bedeutende

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Verdunstung jener Bergkuppe und auf das seit 1780 bis jetzt nur zweimal ge- störte conlinuirliche Fliessen, selbst während,.des langen Winters jener Höhe die gebührende Rücksicht genommen werde. In Folge der fortwährenden Luftströmungen daselbst könne an und für sich die Summe des jährlichen Niederschlags die Menge des eben dort wieder verdunsteten Wassers gar nicht bedeutend überwiegen; das continvirliche Fliessen der Brockenquelle während des langen Winters aber setze einen Wasservorrath von mindestens 250,000 K. F., hiemit also auch ein grosses Reservoir in der flachen Bergkuppe vor- aus, und dieses lasse sich ohne feste Construction der Decke nicht denken, während doch Behufs der zureicherden Durchsickerung eine sehr lockere, po- röse Beschaffenheit derselben angenommen werde. Gegen Prof. Berghaus An-

nahme, die Brockenquelle könne nur nach Halley’s -Theorie erklärt werden,

bemerkt D. N., dass man wohl mit demselben, wenn nicht noch mit grösse- rem Rechte behaupten könne, der um die Kuppe des Brockens bemerkbare häufige Nebel und Wolkenschleier entstehe durch Verdichtung der mit und aus der Brockenquelle aufsteigenden Wasserdünste, als umgekehrt, dass diese Quelle aus jenen Nebeln entstehe. In ähnlicker Weise liess sich Dr. Now. über die Quelle des im Fichtelgebirge unter dem Namen des „Uchsenkopfes* befindlichen Berges und deren durch Parrot (Grundriss der Physik der Erde u. s. w. Riga u. Leipzig 1815 S. 297 ff.) gebrachte Erklärung, so wie über die Elbe- und Iserquellen des Riesengebirges und deren von Hoser (das Rie- sengebirge und seine Bewohner, Prag 1841) versuchte Deutung aus, und schloss für diessmal mit einem neuen vom Seekapit. Gosselmann gemeldeten Beispiele, den Ertholmen der Ostsee, drei kleinen Feiseninseln aus Granit, die einen auffallenden Ueberflus;s an süssen Wasser haben, so dass selbst. im trockensten Sommer mehrere natürliche Bassins damit erfüllt bleiben. (Vergl. Augsb. Allg. Ztg. 1845. 2. Juni, Beilage.) |

Am Schlusse der Versammluzg wurde Er. Wilhelm Wolfner, prac- tischer Arzt zu Vosov auf Antrag des Herrn P. M. Opiz zum correspon- direnden Mitgliede gewählt.

Versammlung am 23. Jänner 1852.

Nach Eröffnung der Sitzung und Verlesung des Protokolls der letzten Sitzung, theilte der Vorsitzende, Herr Ministerialratı v. Sacher - Masoch, dem Vereine ein Schreben des correspondirenden Mitgliedes, Hrn. Carl

Feistmantel mit, welcher dem Vereine ein neuerliches Geschenk an-Pe-

trefacten übersendete.

Von Hrn. Rittmeister Ludvig. v. Rössler war ein ausserordentlicher Beitrag von 20 fl., von Hrn. Joseph Lumbe, Director des polytechnischen Institutes ein ausserordentlicher Beitrag von 10 fl. C. M. für die Vereins- kasse eingegangen.

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Als Geschenke für die Ve reinssam mlungen wurden durch

die H. Custoden gemeldet: ; Von Hrn. Carl Feistmantel: 20 Stück Trilobiten,

Von Hrn. Dr. Leopold Forster: 185 Exemplare getrockneler Pflanzen aus; der Opiz’schen Tauschanstalt.

Hierauf folgte der Vortrag des Hrn. Professor. Dr. Reuss über Pseudomorphosen, welcher weiter uuten ausführlicher gegeben wird,

Herr Dr. Wittelshöfer wurde zum ausserordentlichen Mit- gliede gewählt.

Da endlich einem früheren Vereinsbeschlusse zu Folge im Locale des Vereines Vorträge über einzelne besonders interessante Par- tien der Naturwissenschaften gehalten werden sollen, welche in

ihrer Form jedem allgemein Gebildeten zugänglich und auf ein grösseres Publikum als die Mitglieder der Lotos berechnet wären, so wurde vom Herrn Vorsitzen- den angekündigt, dass diese Vorträge zunächst an Freitagen, als an den gewöhnlichen Versammlungstagen, jedoch um eine Stunde früher als die Ver- sammlung der Lotos selbst, daher von 6—7 Uhr gehalten, und den nächsten Freitag den 31. Jänner mit dem von Ierrn Dr. Johann Czermak ange- meldeten Cyclus von Vorträgen über „vergleichende Knochenlehre* begonnen werden würde.

Wissenschaftliche Mittheilungen.

Pseudomorphosen in Böhmen. Von Prof. Dr. Reuss. »

Im Vergleiche zu dem grossen Mineralreichthum Böhmens ist die Zahl

der in diesem Lande bisher nachgewiesenen Pseudomorphosen nicht bedeu- tend. Es dürfte jedoch diese Thatsache nicht sowohl in einer wirklichen- Armuth an denselben ihren Grund haben, als vielmehr in dem Umstande, ‚dass ihnen ‚bisher nur von wenigen Seiten die gebührende Aufinerksamkeit geschenkt worden ist. ‚Einen Theil der wichtigsten böhmischen Pseudo- ‚morphosen hat ‚Prof. Zippe schon im Jahre 1832 in den “Verhandlungen des böhmischen Museums mit gewohnter Gründlichkeit. beschrieben. ; Seit dieser, Zeit hat sich. jedoch ‘diese Anzahl bedeutend vermehrt, wie ‚schon eine flüchtige Durchsicht etwas grösserer ‘böhmischer Mineraliensammlungen lehrt. Obwohl ein grosser Theil derselben in. dem Blum’schen Werke über Pseudomorphosen und. in dem dazu erschienenem Nachtrage erwähnt ist, icht ınan „darin "doch. mehrere der erst in der jüngsten Zeit bekannt ge- tdenen vergebens, Ein möglichst vollständiges Verzeichniss derselben dürfte daher ‚vielleicht nicht: ganz. ohne Interesse sein. Ich stelle sie nach nein Lokalitäten ihres ‚Vorkommens zusammen. An

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Am mannigfaltigsten sind die Pseudomorphosen, welche die verschie- denen Erzgänge und Lager Böhmens darbieten.

1. Blei- und Silbererzführende Gänge von Piübram. Die dort vor- kommenden Pseudomorphosen sind fast durchgehends Verdrängungspseudo-

morphosen und vorzugsweise haben Schwerspalh und Kalkspath die For-

men dazu geliefert. Man kennt bisher Afterkrystalle:

3) Von Quarz nach Schwerspath (Pr. Pr--oo). b) Von Quarz nach Kalkspath (meistens R—1. R+o).

c) Schwefelkies nach Schwerspath (Pr. Pr-+ Pr, (Pr o)”).

d) Schwefelkies nach Kalkspath (A—1 Rt+ o).

e) Brauneisenstein nach Schwerspath.

f) Braunspalh nach ‚Schwerspath..

g) Braunspath nach Kalkspath ((P)?).

Letztere zwei sind gewöhnlich blosse Ueberrindungspseudomorphosen mit- zuweilen sehr glatilächigen Krystalleindrücken ei der untern Fläche.

2. Bleierzgänge von Mies.

a) Umwandlungspseudomorphosen von Pyromorphit. nach Bleiglanzhe- xaedern,

b) Verdrängungspseudomorphosen von Quarz nach Kalkspath, von Quarz nach Bleiglanzwürfeln und von demselben Minerale nach Barytokalzit.

3. Erzgänge von’ Joachimsthal.

Sie haben trotz ihres grossen Reichthums an schönen Mineralien nur sehr wenige Pseudomorphosen dargeboten, und zwar:

a) Von Braunspath nach Kalkspath..

b) Von Eiserktes nach Rothgiltigerz.

e) Von Strahlkies. nach Sprödglaserz,

4, Erzgänge, von Weipert. Nebst andern schönen Mineralien wie; Silberglaserz.: (H. O.), gediegen Kupfer, . Schwerspalh.. in. . graulichweissen

zollgrossen Krystallen von der Form: P—oo. Pr. Pr. Pr-koo. P-H-co und weingelben : Flussspathhexaedern hat sich auch in der jüngsten Zeit eine schöne Pseudomorphose vorgefunden. Auf einer 2'/, Zoll grossen‘ Stufe '— einem Gemenge von weingelbem Flussspath, Bleiglanz und Schwefelkies sitzen ausser einigen Würfeln des genannten Flussspalhes und sehr kleinen gehäuften Schwefelkieskryställchen an und über einander gedrängt die 3 —4 grossen Afterkrystalle.. Sie sind niedrig, ‚tafelförmig und stellen die Kom- bination eines sehr stumpfen Rhomboeders (wahrscheinlich R—?2) und des Prismas R+-co dar. Die Rhomboederflächen sind durch Abrundung in eine einzige konvexe Fläche zusammengeflössen und dabei "malt, sehr fein- drusig; die Flächen des Prismas dagegen glatt und glänzend. Die Form

slimmt ganz mit jener mancher 'Rotheiltigerzkrystalle_ von ' Joachimsthal -

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überein, Die sie’ zusammensetzende Masse ist aber Silberglaserz von der gewöhnlichen Farbe; stellenweise erscheint die Oberfläche jedoch. theils stahlfarbig , tleils taubenhälsig bunt angelaufen. Es muss hier durch Ver- lust von Arsensitber eine Umwandlung des Rethgilligerzes in Silberglanz Statt gefunden: haben. ‘Die interessante Stufe. befindet sich in der schönen Sammlung des Herrn Ilofrathes Ritters v. Sacher,

5. Auf den bleierzführenden Gängen von Bleistadt ‚sind Verdrängungs- pseudomorphosen von Quarz‘ und von Brauneisenstein nach Pyromorplit vorgekommen.

6. Von den Eisenerzlagern ‘von Presnitz sind die Umwzndlungspseu- domorphosen von Rotheisenstein nach. Eisenspath schon seit längerer Zeit bekannt. In der jüngsten Zeit wurden aber auch grosse und interessante . Umbildungen von Kalkspath in Braunspath gefunden, Das von mir unter- suchte . Exemplar verdanke ich ebenfalls der. gütigen Mitikeilang des Hrn. Hofrathes v. Sacher. Es ist 4'/,“ lang und hat ‚zur Unterlage ein, grün- liebgraues, ‚feinkörniges Hornblendegestein. Dasselbe wird von einer 1 bis °/,“ dicken Rinde blasslleischrothen , feinkörnigen Braunspathes , überdeckt, die zahlreiche mit kleinen Braunspathrhomboedern ausgekleidete_ unregel- mässige Höhlungen wahrnehmen lässt. Nach ‚oben endigt sie in 0,5— 0,75” ‚grosse Krystalle, welche Kombinationen ErieÄer Rhomboeder, zweier Skalenoe- übereinstimmen. Eine; genauere Bestimmung. der ‚Krystaliform ist nicht möglich, weil sie , grossentheils durch die gleich näher zu, beschreibende Rinde ver- deckt sind. Der Masse nach bestehn sie, wie man sich auf dem, Querbruche überzeugen kann, aus demselben feinkörnigen, drusigen, blassrothen Braun-

spathe. An der Oberfläche sind sie mit einem sehr dünnen Häutchen. äusserst ‚feintraubigen Manganoxydhydrates überzogen. , Wo dieselbe. weggesprengt ist, was ‚ohne Schwierigkeit geschieht, zeigt es sich, dass die. Flächen der ‚Pseu- en. eben, die Kanten ziemlich scharf sind, ;

‚Das Ganze wird wieder von einer, bis 0,75 dicken Rinde desselben eehroihen Braunspathes verhüllt, die sich von ihrer Unterlage leicht ab- en "Jässt. In der unmittelbaren Nähe der Pseudomorphosen ist die Braunspathhülle fest und von elwas gröberem Korne. Der Oberfläche näher stellt sie aber eine ganz lockere, beinahe schwammige Zusammenhäufung sehr

y iner. Braunspathrhomboeder. dar.

x Auf der ‚Oberfläche der, eben ‘beschriebenen Braunspalhrinde ‚entdeckt 1 mittelst der Loupe endlich- noch zerstreute, sehr ‚kleine Kalkspathkryställ- ) R—1. R-+-co) und winzige Häufchen mikroskopischer Schwefelkies-

eh, Erwägt man ‚die chemischen . Prozesse, welche hier vorgegangen. sein müssen, etwas näher, so ergibt es sich, dass die unterste, die grossen Kry-

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stalle bildende Schichte früher unzweifelhaft aus Kalkspath bestanden habe welcher durch -Aufnahme von kohlensaurer Magnesia sich allmälig in. Braun- spath umwandelte. Und zwar betraf diese Umbildung nicht nur die Kry- stalle des Kalkspathes, unter deren täuschenden Form man jetzt den Braunspath verhüllt sieht, sondern auch die sie tragende derbe Masse. Die bei diesem Prozesse nothwendig ausgeschiedene kohlensaure Kalkerde dürfte in Verbindung mit dem noch fortwährend zugeführten Magnesiakarbonat Gelegenheit zur Bil- dung der die Pseudomorphosen bedeckenden Braunspathrinde gegeben haben, so wie auch die auf ihr zerstreuten Kalkspathkryställchen gewiss aus dieser Quelle ihre Entstehung ableiten. Der gleichzeitigen Ausscheidung eines Man- gangehaltes verdankt der dünne Ueberzug von Manganoxydhydrat seinen Ur- sprung. :

7. Bei Merklin im Pilsner Kreise wurden vor Kurzem Pseudomor- phosen von kohlensaurem Zinkoxyd nach Kalkspath entdeckt, Auf einer Unter- lage von grosskörnig zusammengesetzter Zinkblende beobachtet man eine 0,75—1,0‘ dicke sehr poröse, beinahe schwammige, erbsengelbe Galmeimasse, die nach öben in zahlreiche auf- und nebeneinander gehäufte 0,25 bis 0,34 grosse Krystalle von der Form: R—1 endigt. Sie sind auf ihren beinahe ebenen Flächen, welche sich in vollkommen scharfen Kanten schneiden, äusserst feindrusig. Im Innern sind sie theils ganz hohl, theils mit derselben schwammigen, in den grösseren Höhlungen feintraubigen Masse ausgefüllt. Einzelne derselben bestehn"“nur aus einer kaum mehr als papierdicken Schale,

8. Weit reicher an Pseudomorphosen, als die bisher betrachteten Loka- litäten, sind die böhmischen Zinnerzlagerslätten, besonders jene von Zinnwald. , Hier tritt vorzugsweise der in so reicher Fülle vorhandene Quarz vielfach als verdrängende Substanz auf, und zwar nach Flussspath, Spatheisenstein, Tungstein, Weissbleierz und Glimmer. Der Speckstein erscheint als Pseudo- morphose nach Pyknit, das Steinmark nach Flussspath., Als Umwandlungs- pseudomorphose zeigt sich nur Tungstein nach Wolfram in 1—2'’ grossen, ziemlich glattlächigen und scharfkantigen, im Innern sehr porösen Krystallen

von der bekannten, Form: Pr—1. Pr—1. Pr. Pro. P-+oo., aufge- 7 2 2 |

ferten bisher Afterkrystalle von Braunspath nach Kalkspath, von Steinmark nach Topas, und von feinkörnigem, bläulich- oder gelblichgrauem Apalit nachl einem noch unbekannten Minerale, dessen Formen dem hemiorthotypen Kry- stallsysteme angehören. Sie sind an dem oben angeführten 'Orle von Hrn. Prof, Zippe schon ausführlich beschrieben worden.

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F B R die orale‘ betrifft. Sie dürfte von um so grösserem Interesse sein, als sie eines

- der seltenen‘ Beispiele bietet, wo die Zerstörung nicht unregelmässig vor sich

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Endlich muss noch eines weissen steinmarkähnlichen Minerales Erwähnung geschehn, das gan& nach Art des begleitenden Karpholithes in feinfaserigen sternförmig auseinander laufenden Partien vorkömmt und wohl als eine Pseu- domorphose nach dem genannten Minerale betrachtet werden muss.

10. Aber nicht nur in den Drusenräumen der verschiedenen Erzgänge hat man Pseudomorphosen angetroffen, sondern auch eingewachsen in mannig- fachen Gebirgsgesteinen,

Der im Glimmerschiefer des Dillenbergs vorkommende Andalusit hat stellenweise eine mehr weniger tief eindringende Umbildung in Glimmer er- litten, Die im Granite von Karlsbad, Elbogen, Marienbad u. a. O., so wie im Porphyre von Teplitz eingewachsenen Feldspathkrystalle sind häufig mit Beibehaltung ihrer regelmässigen Gestalt in Kaolin umgewandelt. Bei Karls- bad kann man an ihnen mitunter auch eine Metamorphose in Speckstein be- obachten.

Die hexaedrischen und prismatischen Eisenkiese verschiedener Formatio- nen, besonders der Kreide- und Braunkohlenformation sind sehr oft ganz oder theilweise in Brauneisenstein verwandelt.

In den Braunkohlengebilden des nordwestlichen Böhmens kann man alle Umwandlungsstufen des Sphärosiderites in braunen Thoneisenstein verfölgen und der grösste Theil der dort so häufigen schaligen Eisennieren verdankt einer solchen Pseudomorphose seine Entstehung. Ebenso dürften die in den Erdbränden der Umgegend von Bilin, Teplitz und Karlsbad so verbreiteten ro- ihen stenglichen Thoneisensteine, ja selbst die hier und da darin vorfindigen

Magneteisensteine aus Sphärosiderit hervorgegangen sein; nur war das ein-

wirkende Agens und der Umbildungsprozess von anderer Art. “Auch den Eruplivgesteinen , besonders den Basalten fehlen die Psetdomorphosen nicht ganz, Es sind vorzüglich die in diesen Gesteinen so heimischen Augite, Amphibole, Olivine und Glimmer, welche solchen Umbildungen unterlegen sind. Am Wolfsberge bei Cernosin findet man Hornblendekrystalle in Jaspis ver- wandelt, an vielen Punkten des Mittelgebirges aber in eine hyacinthrothe,

specksteinartige Masse. In einem Basaltgange am Hradist bei Bilin ist der

Augit in Cimolit, der Olivin in ölgrünen Speckstein übergegangen. Der bei kannte Rubellan von Schima lässt nicht selten OR DA FRRIN eine Veränderung in Speckstein wahrnehmen.

Im Anhange muss ich hier noch einer eigenthümlichen Erscheinung Er- wähnung thun, welche zwar keine vollkommene Pseudomorphose, wohl aber der Bildung derselben vorangehende Zerstörung eines krystallisirten Mine-

‚geht, sondern mit der -Bildung krystallographisch regelmässiger Gesellen ver- ER ist,

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Lange bekannt sind die meist nur auf einer Seite mit einem mehrere Linien dicken Ueberzuge körnig zusammengeselzten, auf der Oberfläche drusi- gen, gelblichen oder röthlichen Braunspathes‘ bedecklen Schwerspathkrystalle. In der jüngsten Zeit sind sie in der Annagrube auf dem Franeiseigange in besonderer Schönheit vorgekommen. Sie erreichen mitunter eine Länge von 3— 4‘ bei verhältnissmässiger Breite, und zeigen gewöhnlich‘die Krystallform :

Pr. Pr--o. P-+-o2, wobei die Flächen der makrodiagonalen Zone vor- wiegend entwickelt sind. Nicht selten sind die gelblich-, graulich- oder röth-

lichweissen Krystalle noch vollkommen erhalten, und wenn man sie mit Gewalt - entfernt, findet man die untere Fläche des Braunspathmantels, welche mit ihnen .

in unmittelbarer Berührung steht, ganz ‚eben und ziemlich glatt,

Aber nicht immer befinden sich die Schwerspathkrystalle in einem so vollkommenen Erhaltungszustande. Oft ist ein grösserer oder kleinerer Theil derselben durch irgend einen chemischen Zerslörungsprozess, dessen. Erklä- rung freilich schwierig sein dürfte, verschwunden. Wie gross der verloren gegangene Theil sei, lässt sich sehr leicht nach dem leeren Raume, ‚den nun der Hohlabdruck des Krystalles in der Braunspalhrinde darbietet, bemessen. Betrachtet man die Flächen des Krystalles, an denen der Substanzverlust Statt gefunden hat, genauer, so findet man dieselben ‚nicht mehr vollkommen, eben, sondern mit, sehr verschiedenartigen Erhöhungen und Vertiefungen bedeckt. Zuweilen sind dieselben nur sehr gering und die Krystallflächen erscheinen dann mit breiten, sehr niedrigen, äusserst. fein wellenförmig gestreiften läng- lichen, :narbenähnlichen Erhöhungen bedeckt, welche sich alle nicht nur unter sich, sondern auch mit der Fläche des Krystalles in paralleler Stellung. befin- den und einen fettigen Glanz besitzen, so dass die ganze Fläche dem freien Auge wie gewässert erscheint. Die zwischen diesen Erhöhungen befindlichen sehr seichten Vertiefungen bieten aber schmale, ganz glatte spiegelnde Flächen dar, welche ebenfalls alle einer und derselben Richtung folgen. Derselbe Pa- rallelismus iritt noch deutlicher hervor, wenn die ‚Zerstörung tiefer einge- drungen ist, die Erhabenheiten daher weit bedeutender sind. Sie sind auch in diesem Falle von regelmässigen Krystalllächen begrenzt und stellen daher an einem Ende mit dem grossen Krystalle zusammenhängende kleine Krystalle dar, welche alle eine parallele Richtung beobachten. Nur -einzelne der Flächen erscheinen mehr weniger zugerundet und dann. ebenfalls eigenthümlich, fetlig glänzend,

Mitunter ist die. Zerstörung so- weit vorgeschrilten,, dass von ‚dem ganzen grossen Krystalle an dem einen Ende nur ein kleiner Theil übrig geblieben ist.

Wie gesetzmässig das Fortschreiten dieses Zerslörungsprozesses sei, lehrt noch eine andere Erscheinung, welche man an diesen Krystallen wahrnimmt. Zuweilen ist nämlich eine Schichte des Krystalles noch theilweise erhalten, während die darunter liegende ganz verschwunden ist, Sie ist nun brücken-

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_ arlig über den noch unversehrten Theil, mit dem sie an einem Ende fest zusammenhängt, gespannt, überdiess äber noch von Löchern vielfach durch- brochen und am freien Rande mit vielen Zacken und Spitzen besetzt, gerade wie man es nach eingetretenem Thauwetter an der dünnen, theilweise schon durchfressenen und zerstörten Eisdecke eines Wassergrabens bemerkt. Aber alle die erwähnten Spitzen und Zacken sind von Krystalllächen begrenzt, de- ren entsprechende sowohl unter sich, als auch denen des Hauptkrystalls pa-. rallel sind. Es unterliegt also keinem Zweifel, dass die Zerstörung hier nach krystallographisch regelmässigen Linien, Flächen und Winkeln vor sich gegan- gen ist und daher zur Bildung neuer, regelmässiger Gestalten geführt hat, eine Erscheinung, die in weit grossartigerem Massstabe dasselbe darbietet, wäs man zuweilen an in feuchter Luftlangsam abfliessenden Steinsalzhexaedern im Kleinen bemerkt, an derer Kanten nemlich durch das Abfliessen die Flächen ‚eines hexaedrischen Trigonalikositetraeders (Tetrakishexaeders) zum Vorschein 'konimen.

Der erwähnte Zerstörungsprozess scheint übrigens auch auf die Braun- spathhülle der Schwerspathkrystalle nicht ganz ohne Einfluss geblieben zu sein, Denn da wo durch das Verschwinden des Schwerspathes die untere Fläche der Ersteren entblösst worden ist, sehen wir sie nicht mehr glatt, sondern von zahllosen schmalen, dicht an einander gedrängten Furchen durchzogen, Aber ‘auch’ diese 'haben alle eine unter einander und den’ Erosionsverliefungen des 'Schwerspathkrystalles parallele Richtung.

Das natürliche Pflanzensystem als Stuffen- und Kreissystem nach Linneischer Methode; dargestellt

von Prof. Ign. Ferd. Tausch *)

ern: Mitgetheilt von P. M. Opiz. - ik +

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Das natürliche Pflanzensystem, wie es bis jelzt besteht, hat noch. im- mer; nicht die allgemeine Brauchbarkeit des Linneischen Systems, und steht i in-dieser Hinsicht demselben noch weit nach, und. der einzige,, Grund -.hievon scheint darin zu liegen, dass man die Klassen und Ordnungen desselben. noch „nicht genau ausgemittelt hat. Diess zu bezwecken, ist die Absicht dieses

Aufsalzes, es ist aber nölhig erst einige, allgemeine Betrachtungen über. das

aetürliche System vorauszuschicken, Unter natürlicher Klassifikation hat. man nicht allein die Zusammenstellung der in einzelnen Haupteharakteren der Fruktifika- ‚ion, und wo pöglich im Habitus übereinstiimmenden Formen zu yersichen, wie

en Ua Bi = v . ee Eine SRRGE erschien von M, D. Jos, Opiz im „Casopis a en

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bisher allgemein angenommen, und aus den bisher erschienenen naturklassli- chen Werken a facto zu ersehen ist, sondern sie muss zugleich zeigen, wie sich alle diese Formen zu einem identisch Ganzen alsshliessen, -oder ver- binden, und in ihrer Mehrheit zugleich als Einheit sich darstellen, Da dieses aber nur allein durch eine kreisförmige Entfaltung, oder Stellung der einzel- nen Formen bezweckt werden kann, so muss der Kreis für. die. wichtigste Grundstütze aller natürlichen Klassifikation angenommen werden, und. der Kreis allein ist auch der einzige und richtigste Probierstein. derselben. Ein ‘System, das seine Abtheilungen in. Kreisen darstellt, kann ein Kreissystem, genannt werden, und das erste dieser Art, wenn es in seinem Entstehen auch noch so unvollkommen wäre, muss für diese Zeit als das vollständigste gelten. Die Sy- steme, die wir bisher erhielten, sind alle Stufensysteme, die entweder mit dem Niedersten beginnen, und bis zu dem Höchsten hinaufsteigen, oder ein umgekehrtes Verfahren zeigen, und dass ein solches Stufensystem möglich. sei, unterliegt keinem Zweifel, jedoch kann es nur richtig sein, wenn es zugleich von e'nem Kreissysteme, welches gleichsam die Kontrolle desselben ist, bestätigt wird ; denn ohne Kreissystem ist alle natürliche Klassifikation nur ein Herumtappen im Finstern ein blindes Rathen und darin allein liegt der Grund des vewigen Schwankens und Rührens mit den Gattungen und Familien. Bei dem Kreissy- steme entwickelt die Natur schrittweise - das Niederste bis zu dem Höchsten, und kehrt schrittweise wieder bis zu dem Niedersten zurück, und. schliesst ‘sich dadurch zu einem vollkommenen Ganzen ab, wobei sie ihr Höchstes stets in den Mittelpunkt stellt, und diess findet nicht nur im Verlaufe des ganzen Sy- stemes, sondern auch in jeder Klasse, in jeder Familie, und in jeder grösseren Gattung slatt, was uns um so naturgemässer erscheinen muss, da man augen- scheinlich sieht, dass die Natur- hier in ihrem Schaffen überall nach gleichen Gesetzen obwaltet, Jeder Kreis hat demnach sein Vollkommeneres und Un- vollkommenes, und so z.B, gehören Farrenkraut und Moos, obgleich schon viele Systematiker. dagegen geeifert haben, einer und derselben Klasse an, aber man würde schr irren, wenn man das Höchste einer tiefern Stufe oder Ab- theilung an das Niederste der höheren Stufe anreihen wollte, da es im Pflanzen- eben so wie im gemeinen Leben ergeht, dass sich nur ‘Gleiches an Gleiches ‚anschliesst. Wird das Kreissystem angenommen, so wird die jetzt an der Ta- -gesordnung stehende Gattung- und Familienfegerei bald aufhören, wenigstens nicht ohne hinreichenden Grund vorgenommen werden;, indem durch den Kreis allein bestimmt dargethan werden kann, was Gattung, was Familie ist.

Jede grössere Gattung muss sich durch ihre Unterabtheilungen als Kreis bewähren, und nur das, was im Kreise nicht zu unterbringen ist, muss davon getrennt werden. In diesem Sinne habe ich schon die Gattung Galium

und Erica dargestellt, und ich hoffe, dass man mich erst jetzt verstehen wird.

So muss auch jede Familie sich in ilren Abtheilungen als Kreis beweisen,

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auch das habe ich bereits bei den Umbelliferis dargelhan. Wie wichtig der Kreis hier ist, und wie erst durch ihn die Selbstständigkeit der Familien erwie- sen werden kann, könnte ieh durch vielfache Beispiele erläutern, wovon ich nur "folgendes anführen will. Jus ieu begreift unter seinen Coniferis und Amen- taceis verschiedene Pflanzen, die aber unter einem allgemeineren Charakter, wie in Jussieu gegeben, auch füglich beisammen bleiben können. Die neueren Systematiker haben diese beiden Familien in mehrere zerfällt, führen diesel- ben aber hinter oder nebeneinander auf, in welchem Falle es aber wirklich gleichgültig ist, ob man selbe zertrennt, oder unzertrennt unter ihrem allge- meinerem Charakter beisammen gelassen hätte; tritt nun aber das Kreissy- stem auf, und zeigt, dass diese abgetrennten Familien nicht neben einander, sondern in ganz verschiedenen Abtheilungen einer und derselben Klasse, stehen müssen, so müssen sie abgetrennt werden, und erscheinen erst jetzt als wirklich begründete Familien. So wie jede Familie, muss sich jede Klasse, und alle Klas- sen zusammen als Kreis bewähren, und bei einem einst vollkommen erlangten Kreissysiene wird man ausrufen können: Eece circulum, et cireulos in circulo, hine et unitaten in multitudine, et veritatem! Das Kreissystem hat noch den höchst wichtigen Vorzug, dass es die vielfachsten Berührungspunkte darbietet, woraus sich die vielfachen Verwandschaften der Familien erkennen und er- klären lassen, so z. B. wird man sehen, wie eine Chara einerseits mit einer Conferva, anderseits mit einem Equisetum , wie ein Equisetum einerseits mit einer Casuarina, anderseits mit einer Proteacea in Berührung treten können, ohne dass man nöthig hätte dieselben mit Reichenbach in eine Klasse zusam- menzustecken. ‘Der höchste Gewinn aber, den uns das Kreissystem gewährt, besteht darin, dass es uns einen bestimmten Weg vorschreibt, den wir bei der Klassifikation jeder Art einzuschlagen haben, auf welchem, wenn er richtig betreten wird, wir nie fehlen können, und uns zugleich zeigt, was und wie viel trotz der vielen Leistungen der neueren Zeit noch zu leisten übrig ist, und dass diess wirklich sehr bedeutsam sei, geht daraus hervor, dass man alle Familien neuerlich überarbeiten muss, indem die bisherigen Darstellungen derselben der Tendenz eines Kreissystemes nicht entsprechen: Das Eintheilungsprincip, worauf ein System zu’ gründen ist, kann ver- schiedenartig sein, und es lässt sich sogar annehmen, dass, da die Natur ewig, und daher auch unerforschlich ist, es eben so- viele Systeme geben könne, als es Charaktere an den Pflanzen gibt, und dass’ die bereits versuchten Sy- - steme,. die. nicht vollkommen ihrer Tendenz entsprechen, doch möglich seien, iR und dass selbe nur noch nicht erschöpfend ergründet wurden. ' Dass aber alle Systeme nicht von gleichem Werthe sein können, versteht sich von selbst, dardie ‚Charaktere selbst unter einander von verschiedenem Werthe sind ; über- _ haupt aber verdient dasjenige den Vorzug, welches auf einem der wichtigten, und zugleich leicht sichtbaren Theile der Pflanze gebaut ist, wodurch es

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allein allgemein brauchbar werden kann; so ist das Jussieuische System schon

mit grossen Schwierigkeiten verbunden, die Samenlappen in den oft so klei-

nen Samen aufzusuchen, so ist das Schultzische System nach der innern Struk- tur der Pflanzen, obwohl an und für sich gar nicht zu bezweifeln, nicht leicht anwendbar, weil dieselbe nicht immer leicht und genau zu erkennen ist, und sich immer nur deutlich in vollkommeneren holzarligen Gewächsen unterschei- den lässt, und weil man bei der Möglichkeit eines andern Systemes, welches auf einen leicht sichtbaren und wichtigen Theil der Pflanze gebaut ist, auch annehmen kann, dass die Natur als Allmeisterin gewiss auch als die weise- ste Baumeisterin gleichwichtige Organe auf gleichwichtigen Untergrund ge- baut habe. Wer auf alle Charaktere der Pflanze zugleich ein System gründen wollte, der würde einen Unsinn hervorbringen, denn zu was hätte die Natur so verschiedenarlige Charaktere gegehen, wenn sie durch alle nur ein und dasselbe hätte bezwecken wollen.

Das System muss bestimmte und deutlich zu unterscheidende Klassen haben worin uns Jussieu bei seinem : Systeme mit einem herrlichen Vorbilde vorging, ‘welches De Candolle, der als Heros aller Pflauzenmonographen un- streitig berühmteste Mann ausser Acht gelassen, indem er die Klassen dieses Sy- stemes beinahe nur auf die Grundabtheilungen des Systemes selbst restringirte, wodurch es geschah, dass seine Klassen beinahe unübersehbaren Massen gleichen, welche man: staffenweise oder mit systemalischem Auge zu über- blicken nicht im Stande ist, und wodurch das Aufsuchen einer Pflanze äusserst erschwert wurde, Eben so auffallend ist es, dass im Reichenba- chischen - Systeme die Schwämme, Flechten und Algen isolirte Klassen bil- den, da diese Familien doch so nahe verwandt sind, dass es Noth thut eine‘ Definition zu finden, selbe von einander zu nnterscheiden, während in dessen Klasse der Synchlamydeae wieder die in ihrer ganzen Natur verschieden- artigsten Pflanzen zusammengestellt wurden.

Jede Klasse muss wo nothwendig in bestimmte Ordnungen getrennt werden, da aber Jussieu als Begründer des natürlichen Systems unter Ord- nungen die sogenannten natürlichen Familien begreift, so bin ich der. Mei- nung, dass man hiedurch Jussieus Andenken ehren, und dabei bleiben müsse, und dass man die sogenannten Linneischen Ordnungen Unterklassen, subeclasses, nennen könne. Diese Unterklassen sind nicht immer absolut nothwendig, aber zur leichteren Uebersicht der einzelnen Klassen sind -sie sehr dienlich.

Die abweichenden Formen, die in jedem Systeme vorkommen, sind in «der Natur selbst. begründet, und diess lässt sich schon daraus entneh- men, dass die Natur bei ihrer unendlichen Grösse und Mannigfaltigkeit nicht nach einem, sondern nach vielen Systemen klassifizirt, und erkannt werden will, und dass ‚daher oft das, was in einem Systeme als abweichende Form erscheint, bei einem andern nothwendig sein kann; übrigens sind diese Ab-

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weichungen gerade für ‚den Systematiker höchst wichtig, und sie können ihm über das Woher und Wohin der Natur manchen Aufschluss geben, und man konn sie auch oft je nach der Stellung des Systems als ein Wieder- holen, gleichsam Anheben, oder als ein Vorgreifen erkennen.

Da uns der unsterbliche Linne schon die herrlichste Metamorphose der Pflanzen kennen lehrte, und die Blume für einen Schmetteriing erklärte, die also demnach so wie dieser als der entwickeltste und vollkommenste Theil der Pflanze angesehen werden muss; so halte ich dafür, dass sich auch die höchste Klassifikation der Pflanzen auf diesen Theil gründen könne und müsse, und. dass dieselbe, da überhaupt keine Klassifikation ohne Zuziehung der Blume stalt finden kann, dadurch ungemein erleichtert werde, indem sich das Eintheilungsprincip zugleich schon in der Blume ‚mit repräsentirt, und doch zu den: leichter sehbaren Charakleren ‘gehört. Abgesehen von der Metamor- phose. Linue’s kann uns selbst die Analogie des Thierreiches dahin führen,

- Da sich nämlich grosse Aelinlichkeiten zwischen dem Thierreiche und Pflanzen- reiche vorfinden, so lässt sich muthmassen, dass die Thiere als weit vollkom-

- mener organisirte Wesen erst den Pflanzen. nachgebildet ‘wurden, und dass sie demnach als solche, da man immer sicherer von dem Vollkommenen auf das Unvollkommene, als umgekehrt schliessen kann, auch einen sicheren Auf- Schluss über die Pflanzen selbst geben dürften. Geht: man von diesem Gesichts- punkte aus, so ergibt sich auch, dass man-die Klassen des Thierreichs mit denen des Pflanzenreichs vergleichen kann. Da sich das Thier durch seine Reizbarkeit vorzüglich auszeichnet, so verdieneu auch die Organe, vermöge welchen selbe das Thier am auffallendsten -äussert, eine besondere Würdi- gung, und zwar sind diess die Gliedmassen desselben. Bei der Pflanze ver- treten die Stelle dieser Gliedniassen einzig die reizbaren Staubgelässe der Blume , und es können demnach die Pflanzen nach ihren Staubgefässen eben so natürlich. .klassifizirt werden, wie die Thiere nach ihren Gliedmassen. Man hat zwar bei dem Thierreiche diese ältere Klassifikation bei Seite gesetzt, ‚oder vielmehr nur einer andern, der von der innern Struktur des Körpers unter- - geordnet; indessen lassen sich auch die Thiere darnach vollkommen klassiliziren _ und es gilt auch bei dem Thierreiche, ‘wie im Pflanzenreiche, dass es mehrere Systeme geben könne, was nur von der Grösse und Manuigfaltigkeit der Natur, sich auf verschiedene Art erkennen zu lassen zeugt. ‘Nun dürfte mancher meinen, ä wie es möglich sei, diese alte Methode, die Thiere nach ihren Gliedmassen zu klas- siliziren, wieder in Anregung zu bringen, da es doclhı viele unter den vollkommene- pniBhicren, z. B. Reptilien gibt, die keine Gliedmassen ‚haben; aber bei näherer suchung wird man finden, dass die Natur gerade diesen Thieren gelenkig ein-

selzte Zähne gab, die hier. offenbar die Stelle ‘der! Gliedmassen vertreten. mer Tbiere entweder mit vollkommen artieulirten Gliedmassen versehen sind, oder ihnen dieselben gänzlich mangeln, oder nur undeutlich ausgebildet

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oder blos angedeutet sind, haben die Pflanzen auch entweder deutlich ausge- bildete Stau bgefässe, Eustemones, oder höchst zweifelhafte, oder keitie, . Amphisbetostemones, oder Astemones, und die ersteren sind die Phaeno- game, die letzteren die Cryptogamae Linn. und es gibt duch wirklich im Pflanzenrei- che keinen sichereren und leichteren Eintheilungsgrund, als diesen Linneischen, was schon De Candolle selbst dadurch zugestanden hat, dass er dieses Linne’sche Eintheiluagsprincip wenigstens dem Jussieuischen unterordnete. Zwar hat Hedwig sich sehr bemüht, die Staubgefässe dieser Cryptogamae aufzusuchen, und dar- zuthun, worin er wieder mehrere neue Anhänger gefunden hat; indessen kann man ‘diese aufgefundenen saftigen Kolben einiger, kaum mit den Antheren der- ‘vollkommenen Pflanzen vergleichen, vielweniger denselben eine gleiche unmittelbär befruchtende Verrichtung zugestehen, obwohl sie vielleicht durch eine polarisirende Absonderung der Säfte zur Entwickelung der Früchte bei- tragen können, und man kann sie daher mit Sprengel höchstens nur Schein- antheren nennen; indessen lässt das gleichförmige Vorkommen derselben zwi- schen gegliederten Saftfäden, wie‘.das der wahren Fruchtknöten, und. selbst die kolbige Gestalt wenigstens müthmassen, dass sie auch aborlirte Frucht- knöten vorstellen dürften. Die staubartigen oder körnigten Absonderungen anderer hat man für Keimkörner erkannt. Dass man die zweifachen Frucht- behältnisse einiger wie bei Lycopodium, Isoetes zum Theil für Staubbeutel er- klären will, davon soll später an seinem Orte die Rede sein,

Die Amphisbetostemones entsprechen vollkommen den Acotyledonen - Juss. und ihr Hauptcharakter ist, dass sie keine wahren Staubgefässe, keine Blumen besitzen, und dass sie innerhalb Öder ausserhalb ihrer Substanz ver- schiedenartige Behältnisse hervorbringen, in welchen sie Samen, die man zum Unterschied von den vollkommeneren durch zweifache Befruchtung hervorge- gangenen Samen der Eustemones Sporen genannt hat, tragen, und noch über- diess öfters Keimpulver hervorbringen, Da es die Haupttendenz dieser Pflan- zen ist, Samen zu erzeugen, kann man sie auch Samenpflanzen nennen. Sie entsprechen der Klasse der Würmer Linn., mit denen man sie füglich ver- gleichen kann.

Die Eustemones zerfallen in 2 Abtheilungen, und zwar sind ihre Staub- gefässe untergeordnet, Hypotactostemones, oder sie sind selbstständig, Idiostemones, die ersteren entsprechen den Monocotyledonen Juss, die letzteren den Dicotyledonen. |

Die Hypotactostemones haben ihre Staubgefässe an die Grundzahl 3, und eine bestimmte Stellung und Blumendecke gebunden, und die mit einer wahren Blumendecke versehenen stimmen auch mit der im Pistille vorherrschenden Grundzahl 3 überein. Die Grundzahl 3 wird nur durch sich selbst durch Zu- gabe oder Wegnalhme verändert, als 3, oder häufig 34-36, oder selten 6-+3—9 oder 9-4+3—12, selten bis 18 und dann auch bis viele, oder

17 3-1, —2, 6—Y,—4, 12—/,—8, oder endlich 3—°/,—1. Sind die Blu- men nackt oder mit einer kleinen undeutlichen Scheide versehen, so sind sie meistens 1-männrig, und stehen von den Q Blumen entfernt in den Blatt- achseln zarter Wasserpflanzen, oder es stehen viele nackte, 1-männrige Blu- men zusammengehäuft auf Kolben, und zwar von den @ entfernt, oder um dieselben herumgestellt. Ist eine Blumendecke zugegen, so besteht dieselbe entweder aus 1 oder mehreren 2—4—6 Schuppen, die meistens trocken spelzartig, und oft in ährenförmige Kätzchen und Kolben angereihet sind, oder die Blumendecke ist symetrisch, 6- selten 3—4—8 theilig, oder —blättrig, selten kelchartig, meistens in allen Abtheilungen, oder in den 3 inneren korollinisch, und trägt 3, meistens 6, selten 9—12— co Staubgefässe auf ihren Abtheilungen, oder am Blumenboden, die 4- oder 8-theilige hat stets gleichzählige Staubgefässe, oder die Blumendecke ist unsymetrisch 6-theilig, kelchlos, oder mit einem 3-theiligen, oder 2-lippigen Kelch versehen, von den Lappen der Blumen- decke bilden 2, häufiger nur ein Lappen eine den übrigen entgegengesetzte höchst ausgezeichnete Lippe, und die Staubgefässe derselben 2 oder 3 oder, 6, wovon manchmäl einer verkümmert, am häufigsten aber nur 1 stehen am Grilfel, oder hängen mit den innern Biumenlappen zusammen, Bei den mit wahren Blumendecken versehenen ist der Fruchtknoten in jener Anlage 3-lappig, oder mit 3 Griffeln, oder 3 Narben oder 3-lappiger Narbe versehen, oder wo das Pistill von der Dreizahl abweicht, stimmt es mit den Staubgefässen oder Lappen der Blumendecke überein. Man kann die Hypotactostemones im Gegensalze zu den Amphisbetostemonen oder Samenpflanzen auch füglich Blumenpflanzen nennen, da die Blumen derselben vor allen anderen in ihrer Bildung so besonders ausgezeichnet sind, dass sie darnach in ihre 2 Hauptabtheilungen ohne Beiziehung der Frucht sich äusserst leiehbt unterscheiden K lassen, und es scheint sogar, dass die Natur diese Pflanzen nicht nach ihren ft Früchten und Samen unterschieden haben wollte, wenigstens keinen hohen "Werth darein setzte, da sie gegen die übrigen Pflanzen wenig Unterschiede . darein legte, und viele gar keine Samen, und statt denen nur Bulbillos her- Prerliringen, und hierin allein Penn auch Ir. Grund zu liegen,dass man hei den

B: Die EN entsprechen der Klasse der Insekten Linn. und an n kann es Adi für bipssen Zufall ‚halten dass die Lilie durch ihre

1e 6 Füsse,

HEN ii > - . Die Idiostemones haben freie nicht untergeordnete Staubgefässe, die an

ine bestimmte Zahl, und darnach an keine bestimmte Stellung, und Blumen-

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decke gebunden sind, und verschiedenarlige Früchte hervorbringen, Die Zahl ihrer Staubgefässe ist sehr verschieden, doch ist die Grundzahl 5 vorherr- schend. Da die Blumendecke derselben höchst verschieden ist, so können sie. darnach allein nicht in ihre Hauptabtheilungen zerfällt werden, sondern man muss ihre Frucht oder Samen hiezu zur Hilfe nehmen, und in dieser Hinsicht kann man sie auch Blumen- und Samenpflanzen nennen, und sie bilden das verbindende Glied, welches Reichenbach Synthese nenn!, zwischen den Samen- und Blumenpflanzen. Sie entsprechen den vollkommen rück- gradigen Thieren, bei denen auch die artikulirten Gliedmassen nicht gebunden sind, sondern bei jeder Klasse unter anderer und verschiedener Form. er- scheinen. So wären nun die 3 Grundabtheilungen des Pflanzenreiches durch die Blume gefunden, und die Amphisbetostemones bilden die niederste, die Idiostemones die höchste Stufe im Stufensysteme, und obwohl es bei dem Kreissysteme im Allgemeinen derselbe Fall ist, erscheint es nur dahin abge- ändert, dass sich die höchste Stufe (die Idiostemones), so wie sie. sich auf- wärts von ihrem niedersten Punkte bis in ihren Mittelpunkt zum Vollkommen- sten entwickelt, eben so wieder rückschreitend abnimmt, dsss sie sich an ihrem Endpunkte an die niederste Stufe, die Amphisbetostemones an-

schliessen kann, (Fortsetzung folgt.)

Ueber den Durchzug der Wandervögel durch Oberägypten. Von Brehm.

Ein Aufsatz der Naumannia, „Der Winter in Aegypten in ornitholo-

gischer Hinsicht“ von Alfr. Brehm (Sohn) gibt hierüber folgende lebendige ;

Schilderung: „Die Seen am Rande des Meeres im Delta, deren grösster der See _ Mimzaleh ist, sind selbst im höchsten . Sommer an Vögeln unendlich reich, Von grosser Ausdehnung ist dieser See nur in der Nähe des Meeres, von einer Tiefe von ungefähr 8 Fuss, im übrigen aber so seicht, dass er fast, überall durchwatet werden kaun. Nach dem Lande zu .endigt er in eine Menge Buchten von selten mehr als 1'/, Fuss Tiefe, die sehr schlammig sind und eine unzählbare Menge Fische beherbergen. Die neben ihnen lie- genden Reissfelder sind überschwemmt und bilden ausgedehnte Sümpfe, denen, es auch an Bewohnern nicht fehlt. Die herrlichsten Dattelwaidungen ‚schlies- sen das Ganze ein, das so für sich eine eigene Welt, ein wahres Paradies für die ankommenden Wanderer bildet. Ende September beginnt der Zug. _ Die Pirole sind nebst den Fliegenfängern die ersten Flüchtlinge aus Europa.

Sie halten sich jedoch nicht lange hier auf, sondern gehen weit ins Innere

des Landes, den Nil entlang, ich bemerkte sie bis el Muscheineff „gegen den ° 18° der Breite südlich gehend. Ihnen folgen die Schwalben u. Wach- teln, die ebenfalls nicht hier- bleiben. Von erstern sah ich H, rustica,

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und N, urbica am 20. September in Handak in Nubien, (18°, 40° der nördl, Breite) und letztere häufig in Kordofan unter dem 14° und 15° der Breite, Hier kommen sie in solchen Heerden an, dass man in einer Stunde bis 40 . Stück erlegen kann, indem man buchstäblich fast nicht schnell genug laden kann. Jetzt folgen Lerchen, Pieper, Blaukehlchen, Nachtigallen, Rothkehlchen, Steinschmätzer und eine Menge Sänger, die fast alle in Aegypien bleiben,' oder höchstens bis Wadi-Halsa in Nubien (22 nördl.) vordringen. Der See bekömmt jetzt zahlreiche Bewohner. Carbo cormo- ranusfindet sich zu Tausenden ein, Anas acuta, penelope, strepera, boschas, querquedula und crecca bedecken im wahren Sinne des Wortes Flächen von beiläufig '/, Stunde im Umfange; Platypus (Anas) fuligola, ferina und leucophthalmus vertheilt sich in Gesellschaften von 300—400 Stück, und wird in unendlicher Anzahl täglich nach Damiat zu Markte gebracht. Die Adler haben sich jetzt auch in grosser Anzahl einge- funden. Mit leichter Mühe fangen sie sich ihre tägliche Nahrung, und es ist vorzüglich Aquila imperialis der Schrecken des Flaminges und der ‘Gänse, die er mit unermüdlicher Ausdauer verfolgt, und in kurzer Zeit be- wältigt. Ruhig sitzt dagegen Aquila albieilla hier und da am Strande, und Klein und Gross, selbst Pandion haliaötos scheut die Nähe des ge- ‚fürchteten Räubers. Dieser sitzt oft ruhig unter den Enten, die keine Furcht vor ihm kennend, nicht auffliegen, selbst wenn er fusshoch über ihnen hin- _ streicht, Ihre grössten Feinde sind jedoch Falco peregrinus und lana- rius. Mit weit schauendem Auge erspäht schon von weitem der kühne Räuber die im seichtem Wasser ruhig schnatternden und Nahrung suchender Enten. Wie der Blitz aus heiterem Himmel stürzt er unter sie, und eine von ihnen ist ‘stets seine Beute. Die andern fliegen höchstens 100 Schritte weiter. ‘Kaum hat der Räuber seine Beute erhoben, als auch schon der überall gegen- wärtige und lauernde Mitvus parasiticus erscheint und ihn schreiend ver- folgt. Dieser überlässt augenblicklich seinem Verfolger den Raub, kehrt um, "und hat sich im nächsten Augenblicke eines andern bemächtigt. Ich sah dem _ Faleo peregrinus in einem Zeitraume von 5 Minuten dreimal seine Beute nehmen, mit der 4. flog er davon. Die seichten Stellen wimmeln von Recur- virostra avocetta, die sich auf den Kopf stellend, kleine Fische und Wasserinsecten fängt; weiter hinein steht Platalea leucorodia in grossen Heerden, emsig hin und her laufend, und hinter ihr sieht man, einem Regi- ‚mente gleich, eine lange Feuerlinie, 1000 und abermal 1000 Phoenicopte- rus antiquorum, scheinbar eine ungeheure Fronte bildend.. Die Araber fangen ihn in Netzen, und bringen ihn auf den Markt. Ihre Fangarten sind sehr sonderbar. So erzählte man mir unter andern folgende: Nachdem man " schon am Tage vorher ganz genau den Schlafplatz der Vögel ausgekund- schaftet hat, nähert man sich am Abende behutsam auf einem aus Rohrsten- een zusammengebundenen Boote, und sucht von weitem den Tschausch (Unter- ieier, Wachhabenden) zu entdecken. Dieser steht aufrecht da, während Fi ‚andern den Kopf ruhig unter die Flügel verborgen haben hd schlafen. nackender Araber kriecht unter dem Wasser zu dem Vogel heran, der > Wache hält und mit einem geschickten Griffe dreht er demselben den Hals " dem Wasser um. Hierauf werden von allen Gehülfen so viele Flamingos

< gelesselt, 'als man in der Eile kann. Die Schlingen dazu sind präparirt, und dem Vogel wird sogleich nach dem Fange geräuschlos das Genivk gebrochen.

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Man fäugt auf diese Art oft 60 in einer Nacht und gebraucht ausserdem noch alle möglichen Fangmethoden, um diesen herrlich schmeckenden Vogel zu bekommen. Ich begreife daher auch nicht, dass sich manche Gelehrte wun- dern können, wie man zu den Gelagen des Lucuilus, ohne dass man Feuer- . gewehre hatte, eine solche Menge Flamingos erhalten konnte, deren Zungen die leckerhaftesten Gerichte bildeten. Gerade mit Schiessgewehren wäre dieses unmöglich gewesen.

Jetzt kommt auch Carbo pygmaeus an, und’ bezieht die Rohrwälder in grossen Gesellschaften. Pelecanus crispus, onoerotalus und mi- nor ist in ungeheurer Anzahl vorhanden. Gemeinsam, jeaoch nur mit seiner Art zusammen fischend, durchzieht er endlose Strecken, und man kann sich einen Begriff machen, wie reich der See an Fischen sein muss, um allein die Tausende von Pelikanen zu erhalten, Nie sah ich-in Aegypten so viele Peli- kane, als hier; denn obgleich in Oberägypten öfters 800—1000 Stück zu- sammen waren, konnte man ihre Anzahl doch nicht mit den Haufen verglei- chen, die halbe Stunden weit den See bedecken, und ihn an solchen Orten wirklich rein ausfischen. Schiesst man unter sie, so fliegen sie mit einem Geräusche auf, dass man ungefähr einem Wirbel vergleichen könnte, der von den Trommlern eines Regimentes geschlagen wird. Man hört es oft 20 Mi- nuten weit. Die Araber fangen sie in Netzen, und essen. sie, was jedoch nach mohamedanischen Grundsätzen eigentlich verboten ist. Denn als man die Kaaba in Mekka bauete, und das Wasser weit hergeholt werden musste, ge- brach es an den Sakas (Wasserträgern), da schickte. Allah Tausende von Pelikanen, die ihre Kehlsäcke mit Wasser füliten und es den Bauenden brach- ten. Gefangen werden diesen unglücklichen Thieren sogleich die Ohren fest verstofft und die Augen mit: Fäden durchstochen, die man dann oben auf dem Kopfe zusammenbindet. Natürlich kommen bald. furchtbare Entzündungen dazu und der arme Vogel muss schrecklich leiden. Jung eingefangen wird der Pelikan so zahm, dass er aus- und eingeht, und sich sein Futter selbst fischt.

Carbo cormoranus wird von den Arabern für einen ganz besondern Leckerbissen gehalten, was wohl daher kömmt, dass diese Vögel sehr fett werden, und die Araber nicht den feinsten Geschmack besitzen. Die Sümpfe wimmeln jelzt ebenfalls von Bewohnern. Scolopax gallinago ist sehr häufig, noch mehr aber S. gallinula.

Numenius arquata läuft vorsichtig unter ihnen herum, der scheue Ibis falcinellus hält sich in der Mitte des Schilfes in ‚Gesellschaften von _ 30—40 Stücken auf freien Plätzen auf. Ardea purpurea und A. cinerea haben sich freiere und tiefere Stellen ausgesucht, A. egretta hältsich scheu * verborgen im Röhricht auf, vorsichtig dem heranschleichenden Jäger schon aus grosser Entfernung und trägen Fluges enteilend.. Ardea nycticorax hat sich nahe Bäume zum Schlafplatze ausersehen, und lässt mit Ardea stel- laris vorzüglich Nachts ihr Geschrei ertönen. Ardea garzetta schleicht mit der immer einzeln sich einfindenden A. comata in den. Reissfeldern herum, A. russata spaziert gemüthlich auf und ab, den Menschen trauend und den Jäger weder kennend noch fürchtend.

Nach Sonnenuntergang herscht ein besonderes Leben ; denn dann werden diese- Sümpfe als Schauplatz von einer grossen Menge Gänse, Enten, Möven, Seeschwalben und Scharben aufgesucht, welche selbe am Morgen wieder ver- lassen, um auf der weiten Wasserfläche des Sees ihre Nahrung zu suchen. Auf

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den ‚Rohrstengeln sitzt Carbo pygmacus in grossen Gesellschaften, neben ihm hat sich auf ähnliche Weise Alcedo Eudis hingesetzt, um dann und wann ein wenig fortzufliegen, rüttelnd einen Fisch zu suchen und zu fangen, War er glücklich, so setzt er sich ruhig auf seinen alten Ruheplatz und verdaut,

Der viel scheuere und schönere Alcedo ispida hat sich ein sllies Plätzchen ausgewählt, wo er Auen auf einem dürren Rohrstengel sitzt, seiner Beute auflauernd.

Sylvia turdoides hüpft mit $S. cyanecula in dem Rohre herum, und vereitelt eine Menge Fangversuche von Circus aeruginosus, der ‚sehr gemein in diesen Sümpfen ist,

Kreisend und schreiend fliegen in ziemlicher Anzahl Sterna minuta und St. nigra, Libellen und kleine Fische fangend, über dem Wasser herum; die seltenern St. anglica und St. Caspia sieht man beständig schreiend, mit herunter gerichtetem Kopfe, hin- und herfliegen und Fische fangen, wo- bei sich besonders St. Caspia mit grossem Geräusche ins Wasser stürzt. Oefters schiesst auch-St. cantiaca in reissendem Fluge vorbei,

Auf freien, vom Rohre smgebenen Stellen findet sich Anser albifrons in Gesellschaft mit Vulpanser rutilis unaufbörlich den Meeresgrund durchsuchend.

Auf kleinen Inseln läuft Charadrius minor herum; und der überall häu- fige unruhige Vanellus spinosus, oft in Gesellschaft des ihm von Weitem ‚sehr ähnlichen V. gregarius.

Charadrius spinosus wird dem Jäger unendlich hinderlich. Sobald ‚er denselben erblickt, umfliegt er ihn in engen Kreisen mit; unaufhörlichem

Geschrei und warnt dadurch die andern Vögel, die. seiner \Varnung sogleich Folge leisten. Er schreit Tag und Nacht, und da er, wie alle Regenpfeifer, ‚auf das Geringste aufmerksam ist, hört man sein Geschrei immerwährend, was ‚auch die Araber zu dem Glauben verleitet, der Vogel schlafe nicht. Der Sce ist an Fischen sehr reich, so dass allein auf dem See Menzaleh 8500 Beutel oder beiläufig 88,500 preussische Thaler Pacht gezahlt werden. Der Fischfang beschäftiget die. Binmohner von 12 Ortschaften, und. diese Orte sind-für Möven und Seeschwalben ganz herrliche Plätze. Mit hässlichem Geschreie verfolgen sich Schaaren von diesen gefrässigen Thieren, und werden. durch ihre unge-

heuere Gefrässigkeit und Neugierde eine Beute des Jägers, dem sie sonst vor-

A ‚sichtig ausweichen. Es sind manchmal 200 Stücke beisammen, und bedecken ,

r „wenn sie sieh setzen, lange, weisse Muschelbänke, die dann noch weisser er-

; Be als gewöhnlich. Ich bemerkte ungefähr 10 Arten auf. dem See ‚Menzaleh.

= E; So dauert diess Zusammenleben der manvigfaltigsten Vögel einige Wo-

: chen, bis die stärker werdende Frühlingssonne sie vertreibt, und neue herbei-

zieht. Ende Februar schon sammeln sich die Scharben, und man: sieht Abends ungeheuere Züge von ihnen nach den Schlafplätzen. ziehen, die mit jedem ge schwächer besetzt sind. Pelecanus istzum Zuge gerüstet, und Phoe- nicopterus vertheilt sich täglich mehr. Die Enten ziehen sich zusammen, und man hört alle Nächte das pfeifende Geräusch ihres Fluges. Die) Adler, die nicht; nach Europa wandern, ziehen sich nach den einzelnen öden Inseln zurück, um, zum. Nestbau zu schreiten, und Milvus ater und parasiticus bauen

Ende Februar schon eifrig. Die Sümpfe die nur der dann und wann herab-

fallende Regen noch mit Wasser versorgt, fangen an auszutrocknen, und ihre

Pr

flüchtigen Bewohner verschwinden in dem Maassstabe, wie sie abnehmen, ‘Die weiter südlich gezogenen Vögel fangen an, sich gegen Mitte März einzufinden, verweilen aber nur kurze. Zeit, um sich hier auf fetter Weide noch zur Reise übers Meer zu stärken. Mitte März ist alles schon im vollen Zuge, und was Anfangs April noch nicht fortgegangen ist, bleibt auch den ganzen Sommer hier. Vorzüglich häufig ist Ende März Anus clypeata und fuligola, von denen man das Stück für 5 Para, oder 2'/, Pf. sächs. zu kaufen bekömmt. Anfangs April kömmt Merops Savignii und mit ihm alle diejenigen Be- wohner Unterägyptens, die im Winter weiter südlich gezogen waren. Die Wärme ist dann wie im Juni oder Juli, und die meisten -Raubvögel, Krähen und Tauben haben schon Junge.“

Miscellen. -

*,* Die königliche Wasserlilie: Euryale amazönica Pöppig Victoria regatis Schomburgk, Lindley Victoria regia Hooker, : aus der Familie der Nymphaeaceen de Candolle, kann wohl als das neueste Wunder der Zierpflanzen betrachtet werden. Sie ist nach Prof. D. Göppert's Bericht an die schlesische Gesellschaft in den grossen Strömen Südamerikas von Bolivia, Gujana bis fast zum Parama in der Provinz Corrientes, also in einer Ausdehnung von fast 35 Längengraden verbreitet, und wurde ‚schon zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts von unserem hate Lands- manne Thaddäus Hänke entdeckt, später aber ausführlich von _Pöppig u. Schom- burgk beschrieben. Brigtes brachte 1846 die ersten keimfähigen Samen in die königl. Gärten nach Kew, allein erst bei einer spätern Sendung der Samen in Flaschen reinen Wassers, welche D. Hugh, Rodie und M. Lochie aus Ge- orge's Town in Demerara an Sir W. J. Hooker, Direktor des bot. Gar- tens in Kew 1849 machten, glückte die Kultur dieser Pflanze, die nun auch bereits in Holland, Herrenhausen bei Hanover und Hamburg kultivirt und zur Blüthe gebracht wird. Reines Wasser scheint das Hauptbedingniss zur Ent- wickelung eines lebenskräftigen Wachsthums dieser Pflanze zu sein. Eine ge- Haug, botanische Beschreibung und Abbildung der Victoria regia hat nach Fro- riep’s Notizen 1851 Nr. 372. Hooker und Fitsch geliefert, die nichts zu wünschen übrig lässt. Nach welchem kolossalen Maassstabe die Natur bei dieser Pflanze schaffend vorgegangen ist, kann man ersehen, wenn bemerkt wird, dass ihre Blätter einen Umfang von 17 par. Fuss, die Blumen von = Fuss und einen Durchmesser von 1 Fuss haben.

Wir glauben Prof. Göppert’s nachfolgende Beschreibung dieser Pflanze unsern Lesern nicht vorenthalten zu dürfen, welche er auf einer Reise durch Holland einem Exemplar zu entnehmen Gelegenheit hatte, welches sich in den reichen Gärten des Hrn. L. van Houtte befindet, und in einer eigends dafür erbauten Rotunde mit Glaskuppel gezogen wird.

Die riesigen auf dem Wasser schwimmenden, oberhalb hellgrünen, unter- halb carmoisinrothen Blätter mit etwas aufgekremptem Rande, gleichen so eher schwimmenden Tellern, als Blättern. Von den in der Mitte befestigten 12—15 Fuss langen rothen 1'/,—? Zoll dicken Stielen zweigen sich die sehr erha-

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benen, überall ziemlich steifen, mit /,—”/, Zoli langen Stacheln besetzten ‚Rippen strahlig aus, die wieder von andern ebenfalls sehr hervortretenden Seitenrippen rechtwiuklich durchsetzt werden, so dass hierdurch- ein Gewebe von grosser Regelmässigkeit gebildet wird.

- Die verticale Höhe dieser Rippen betrug an der Einfügungsstelle des Stieles an dem Blatte (welches der Vortragende der Gesellschaft vorlegte) nicht weniger, als 4 Zoll, woraus auf die grosse Tragkraft dieser Blätter ge- schlossen werden kann. Die Blüthenknospen erheben sich 6 Zoll über dem Wasser und öffnen sich des Abends, daher auch oberhalb in der sich über dem Bassin ungefähr in einer Höhe von 9 Fuss wölbenden Glaskuppel eine Lampe zur Erleuchtung angebracht ist, um diesen prächtigen Anblick zu ge- niessen. Die 4 äusserlich rothbraunen, ebenfalls stachlichen Kelchblätter er- reichen einen Durchmesser von 12—15 Zoll, auf welchem nun die prächtige ] Blume von gleicher Ausdehnung ruht. Anfänglich weiss, färbt sie sich erst anı 2. Abend nach der Entfaltung vom Centrum aus purpurroth unter Ver- breitung eines höchst angenehmen Geruches, und verwelkt erst am 3. Abend. Die unter Wasser reifende, oft die Grösse eines Kindskopfes erreichende Frucht enthält ‚zahlreiche mehlige Samen, die von den Eingebornen häufig ge- , nossen werden, -und der Pflanze den Namen Wassermais versehafften. ©.

*,= Herr P. M. Opiz gibt über sein Pflanzentauschunternehmen am Schlusse des Jahres 1851 folgende Uebersicht : Mit Ende des Jahres 1850 zählte mein Unternehmen 747 Hrn. Theil- nehmer, am Schlusse des Jahres 1851 aber 761, es hat sich sonach um 14 vermehrt, Bis zum Schlusse des Jahres 1851 wurden eingeliefert 1,499.758 Exemplare, dagegen sind an die einzelnen ren abgegeben worden . ; 2 ; £ 1,417.701

Mit 1. Januar 1852 sind noch im Vorrathe 82.057

N

Die Prioritäten reihten sich im Jahre 1851 auf folgende Art:

Die. 1. Priorität behielt noch immer P. M. Opiz in Prag. 2,erwarb H. M. D. Anschel in Mainz mit . 1140 Species -

3 3 Bagge Cand. ministerii zu Frankfurt am Main mit . 578 «#3 4. , „Apotheker Sekera in Münchengräz 500

» M. D. Himmer in Jungbunzlau . r 340 » » Sekretär Roth in Prag . Se 319

. 7. 5 Pfarrer Karl in Fugau 271 v8 5 Wodrzt.u.C.Med. E.Hofmann in n'Prag 6

Be 9. 55 Prof. Stjka in Jungbunzlau . : 240 410 ,„ Frl. Viktorie Paul in Prag . i 236" 5;

00 ©41. Herr M. C, Gustav Mayr in Wien. R 20

42. , Bauingenieur Malinsky zu Bodenbach 145

an Pre 13. Veselsky, k. k. Landgerichtsrath in

Br. Kuttenberg . ; i E19

Br 77414) 5°, Diaconus Weicker zu Cheithitz : 137%,

15. °, Lokalseelsorger Cen&k zu Zvol . 128 46. 5 Studiosus Israel Reich in Prag -- 120-4), 17. , ».W. Siegmund, jun. in Reichenberg 118%,

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18. erwarb Hr..Studiosus Silber in Prag h e 117 Species 19. Studiosus Ant. Langer in Leitmeritz Pig ugs 20. Privatlehrer Kohn in Prag . 107

Die meisten Exemplare lieferten ein: P, M. Opiz (11.848). Hr. Bagge (6152). Iir. Ap. Sekera (4354). Hr. Dr. Anschel (3105). Hr. Pf. Stjka (2606). Hr. Dr. Himmer (2377). Hr. Stud. Silber (1879). Hr, Bauing. Malinsky (1865). Hr. Sek. Roth (1767). Hr. M. C. Mayr (1200).

Die meisten schön und et a iehtetiech erhaltenen Pflan- zen: Hr. Bauing. Malinsky, Hr. Pf. Stjka, Hr. Dr. Himmer, Hr. Sek. Roth, Hr, M. C. Mayr. -

Die meisten Seltenheiten: Hr. M.D, Anschel, Hr. Ap. Sekera.

Die entfernteste Sendung machte: Hr. M. D. Graf Berchtold mit‘ Pflanzen aus Brasilien: Hr. Ap. Sekera mit Pflanzen aus Italien, der Schweiz, Deutschland, Tirol, Ungarn; Hr. Pf. Karl mit Pf. aus Labrador, Italien, Griechenland; Hr. Mag. Chir, et C.M. Ed. Hofmann mit Pf. aus Sibirien, Piemont, Sizilien, Italien, Sachsen, Ungarn, Tirol, Kärnthen, Steyermark ; Hr. Anschel und Bagge aus Deutschland; Hr. Landesgerichtsrath Veselsky aus Dalmatien, Hr. P.Jahnsa aus Krain, Hr. Diac. Weicker aus ERBEN Hr. Sekr. Roth aus Tirol.

Am meisten interessirten sich im Jahre 1851 für das Unternehmen Geist- | liche (6), Beamte (4), Apotheker, M. Dr. u. Studiosi (a 3).

Von 30 Hrn. Theilnehmern wurden im J. 1851 eingeliefert 46.076 Ex.

an die einzelnen Sammlungen wurden abgegeben . E . 49.091 , an Procenten entfielen für ‚die Anstalt . - - g Pe 00 die Hrn. Theilnehmer erhielten an Agio . ; S BETOBE

Bis jetzt wurden 21.861 Species eingeliefert, aber noch Hicks zu wenig auf eine Summe von circa mehr als 100.000 bekannte Species. Hätten nun die 761 Hrn. Theilnebmer sich so thälig gezeigt, wie die eben bemerkten 30, so würde die Einlieferung im J. 1851 1.168.896 Ex. betragen haben.

Aus Gegenden, weiche hier nicht genaunt sind, wären daher neue, eifrige Hrn. Theilnehmer sehr erwünscht, Nur muss ich darauf aufmerksam machen, dass alle Jene, welche mehr als 100 Species gleich beim ein. = Jahres einliefern, den meisten Vortheil von der Anstalt haben können, in dem sie sogleich jene Priorität für das Einlieferungsjakr erwerben, in die sie sich selbst versetzen,

Da P. M. Opiz die meisten Exemplare (11.848) auch die 'meisten Spe- cies (1140) einlieferte, und bis jetzt für 100 850 Ex. erhielt, erhält derselbe vom J. 1852 an für 100 950; Hr. Bauing. Malinsky sendete die meisten schön und charakteristisch erhaltenen Pflanzen, hat daher für 100 200 Ex. zu empfangen, Hr. M. D. Anschel sendete die meisten Seltenheiten, empfing bis itzt für 100 1300, und hat nun für 100 1600 Ex. zu erhalten, und Hr. M. D. Graf Berchtold machte die entfernteste Sendung mit Pflanzen aus Brasilien, erhielt bereits früher für 100 2800, und hat nun zu empfangen 3800,

Durch : den Tod wurden uns nachstehende Hrn. Theilnehmer entrissen : Hr. J. U, C. Vetesnik, Ir.M.D, Osborne, Hr. Univ. Gärtner Hoborsky, Hr. Prof. Hinterhuber, Hr. v. Mor, k. k. Zollamtskonirollor in Linz. j

Prag am 1. Januar 1852, P. M. Opiz.

Redakteur: Med. Dr. Franz Anton Nickerl.

Druck von Kath. Jerzabek.

PRAG. FEBRUAR. 1852.

Non der Zeitschrift „Lotos“ erscheint zu Ende jedes Monates ein Heft’ in der Regel

zu 1'/, Bogen. Der Pränumerationspreis für den ganzen Jahrgang beträgt ohne Post-

versendung 2 fl., mit freier Postversendung 2 fl. 30 kr. und kann unmittelbar bei

dem Vereine „Lotos“ oder in der J. G. Calve’schen Buchhandlung in Prag entrichtet

werden, welche letztere auch Inserate ER und mit 3 kr: die Petitzeile berechnet.

u

Vereinsangelegenheiten.

Versammlung am 30. Jänner 1852.

Herr Dr, Johann Czermäk eröffnete die Sitzung mit dem ersten seiner angekündigten *) Vorträge über vergleichende Knochenlehre. Der auf einen Cyclus von fünf Vorträgen berechnete Inhalt: ist folgender:

I. Vortrag. .

Einleitende Bemerkungen über den Begriff des Skelets. Die Hartgebilde der "Wirböllosen, und der Wirbelthiere, vergleichende Bemerkungen über die Form, Anordnung und histologische ‚Beschaffenheit dieser Hartgebilde. Funktionelle ‚Be- deutung des Skelets. Das Skelet der Wirbelthiere und seine Gliederung,

: II. und III Vortrag.

Die Wirbelsäule. Ihre Entwicklungsgeschichte in der Thierreihe und im Indi- viduum, Vergleichende Blicke auf beide Entwicklungsreihen.

Die Wirbelsäulen der Fische, . der Reptilien, der Vögel und der Säuger: Cha- - rakteristische Eigenthümlichkeiten. und typische Verschiedenheiten derselben. Von ‚den Rippen und ihrem Zusammenhang mit der Wirbelsäule und dem Brustbein.

IV. Vortrag.

Vom Schedel. Seine Entwicklung in der Thierreihe und im Individuum. Die Schedelwirbel, Unhaltbarkeit der Wirbeltheorie. Vergleichung des Schedels mit der Wirbelsäule. Vom Primordiäleranium und seiner: Geschichte. Deckknochen und

Verknöcherungen des Knorpelschedels. Normale, Verschmelzung gesondert ange-

legter Knochen zu Gesammtstücken. Beispiele aus der Thierreihe und der Ent- wicklungsgeschichte, des Individuums. Stehenbleiben der Bildung auf früheren - Entwicklungsstufen. Thierähnlichkeiten am menschlichen Schedel. Altersver- schiedenheiten, E z'°' v $ “ab 3 V. Vortrag.

7 Von den Extremitäten; Ihre Entwicklung’ in der Thierreihe und im Indi- Alam. Vergleichende Blieke auf die Extremitäten der Fische, ‚der Reptilien, der Vögel und der Säuger. Schultergerüst und Becken. Vergleichung der vorderen _ und hinteren Extremitäten. Schlussbemerkungen und Rückblick. 174

*) 8, „Lotos“ II, Jahrgang 8. 5.

26

Nachdem des Protokoll der letzten Versammlung verlesen war, theilte der Vorsitzende, ‚Herr Ministerialrath von Sacher-M asoch, dem Vereine eine Zuschrift der Direclion der k. k. Warach anplachule in Prag mit, in welcher dieselbe ihren Dank für die der Anstalt mit Beschluss vom

9, Jänner 1. J. zugewendete Coleopternsammlung ausspricht. Ein von Herrn

Pi 'M. Opiz verfasster Entwurf einer Instruction für den Custos der botanischen Sammlung wurde hierauf vorgelegt und genehmigt.

Für die Vereinsammlungen waren folgende Geschenke einge- gangen:

1) Von der k k. geologischen Reichsanstalt durch die hohe Statthalterei das 2. und 3. Heft des Jahrbuchs der geologischen Reichsanstalt,

2) Von Herrn Dr. Wittelshöfer eine „Zusammenstellung der ein- fachen chemischen Elemente“.

3) Von Herrn Leopold v. Sacher-Masoch, junior, ein skeletirter Hirschschedel.

Versammlung am 6. Februar 1852.

Die Sitzung wurde von Herrn Dr. Johann Czermäk mit dem zweiten Vortrage über vergleichende Knochenlehre eröffnet,

Nach der Vorlesung des Protokolls der letzten Sitzung theilte der Vor- sitzende, Hr. Ministerialrath v. Sacher-Masoch, eine Zuschrift des Hrn. Max Dormitzer mit, worin derselbe Herrn Dr. Jakob Ellenberger zum correspondirerden Mitgliede vorschlägt, Herr Dr. Ellenberger wurde hierauf einstimmig zum correspondirenden Mitgliede gewählt,

Die Vereinssammlungen erhielten eine Vermehrung durch nach- . folgende Geschenke: .

1) Vom Präses des Vereins, Hr. Ministerialrathe v. Sacher-Masoch, 2 Stücke Feueropal aus Zimapan in Mexico.

2) Vom Ehrenmitgliede, Hr. Carl Fritsch, eine in den Sitzungsbe- richten der kais, Academie der Wissenschaften veröffentlichte Abhandlung

„Ueber die Temperaturverhältnisse und die Menge den Niederschlags in Böh- men“ mit 4 Tafeln.

Hierauf beschloss Hr. Sanitätsrath Dr. Alois Nowäk in einem Vor-

‚trage seine „kritischen Bemerkungen über die moderne Quellentheorie.*

Anknüpfend an seine beiden früheren Vorträge sprach Dr. N. zunächst über die Oasenquellen. Voranschickend einige geographische Notizen *) wies er nach, dass die klimatische und Bodenbeschäffenheit der Sahara eine Quel- lenentstehung aus durchsickernden Hydrometeoren schon im Allgemeinen höchst

"unwahrscheinlich mache, und dass die moderne Theorie gegenüber von ein-

*) Aus Dr. F. A. Ukert’s: Vollständige und neueste Erdbeschreibung der Nordhälfte von Afrika. Weimar 1824. S. 625.

27 zelnen ausnelmend ergiebigen, dabei perennierenden, so wie gegenüber von warmen und mineralischen, dann auf den Gipfeln hervorragender Felsen ent- springenden Oasen-Quellen, wie man solche besonders in der Oase von The- ben *), namentlich in der Nähe von El Khargeh und Beyrys, dann in der Oase Dakel **), bei Tibesty in Fezzan ***) und anderwärts finde, ganz un- zureichend sei. Nicht mit Unrecht rügte es daher Dr._N., dass die Naturfor- scher ein so auffallendes Phänomen, wie das der Oasenquellen, entweder gar nicht beachtet, oder doch auf eine unbegreiflich seichte Weise abgefertigt haben. In letzterer Beziehung eitirte er beispielsweise die geradezu ober- flächliche Erklätung Munke’s. +) Hierauf prüfte Dr. N, die moderne Quel- lentheorie an gewissen abgeschlossenen -Stromgebieten, und zeugle, wie einer- seits Stromgebiete vorkommen, wo weit mehr Wasser abgeführt wird, als sich aus der daselbst thatsächlich „stattfindenden Präcipitation von, Hydrometeoren begreifen lässt, andererseits wieder Stromgebiete, wo weit mehr Wasser in ein abgeschlossenes Becken einfliesst, als durch die blosse Verdunstung auf- gezehrt werden kann. Ein imposantes Exempel der ersten Gattung bietet nach D. N. der Skt. Lorenz und. beziehungsweise der Niagarastrom in Nord- amerika ; ++) Beispiele der zweiten. Gattung repräsenliren nebst mehreren an- deren Binnenseen (Baikal, Lop u. s. w.) das sogenannte todte und vor Allem “dass in dieser Hinsicht schon allgemein bekannte Kaspische Meer, Wie man ‚sieh dort zu der Annahme gedrängt sehe, dass die Quellen des Niagarastro- mes nicht bloss von präcipitirten Hydrometeoren, sondern noch durch ein anderweitiges, aus der Erdrinde hervorrieselndes Wasser versorgt werden, sei man hier genöthigt anzunehmen, dass der, Ueberschuss durch. unterirdische Abflüsse entfernt werde. Diese unterirdischen Abflüsse aber bei den. genann- ten Wasserbecken zugestanden, sei nicht einzusehen, warum sie nicht auch beim Weltmeere überhaupt vorhanden sein sollen. Dann aber entstehe die weitere Frage, was wohl mit dem ohne Unterlass auf submarinen Wegen ab- Nliessenden bedeutenden Wasserquantum endlich geschehe ? Hierauf aber lasse sich vom Standpunkte der bisherigen Ansichten keinerlei befriedigende Ant- wort geben. Noch einmal an die Sahara und die Oasen erinnernd, schloss Dr. N. seine „kritischen Bemerkungen“ mit der Andeutung, dass nach seiner Ueberzeugung eine richtige Quellentheorie selbst in materieller Beziehung ein Bedürfniss sei, weil die Möglichkeit vorliege, auf Grundlage einer solchen die, ‚Quellen nicht aus meteorischen, sondern aus ändern unterirdisch ‚gebor-

en

#) Ebendaselbst. S. 720.

##) Ebendaselbst. S. 724.

#%®), Ebendaselbst. S. 686. +) In 'Gehler’s physik. Wörterb. Artik. Quellen.

_+t) Nach Blackwell’s Messungen und Prof. Allen’s Berechnung führt der

. Niagarastrom in jeder Minute 22,440.000 K. F..(engl.) ab! Poggen- dorf’s Annal. Bd. 62. S. 447.

3#+

28

genen Wasservorräthen ableitenden Theorie einst auch solche Landstriche fruchtbar und für die Menschheit bewohnbar zu machen, die jetzt als schreck- liche Wüsteneien allgemein gemieden werden. Schon also um dieser Mög- lichkeit willen, abgesehen von noch anderem für die Wissenschaft zu erzie- lendem Nutzen, sei es Pflicht des echten Naturforschers, nach einer bessern, gründlichern Quellentheorie zu streben, als mit welcher man sich gegenwärtig zu begnügen pßest.

Versammlung am 13. Februar 1852.

Herr Dr. Czermäk selzte seine in den früheren Versammlungen begonne- nen Vorträge über vergleichende Knochenlehre fort. |

Bei der unter dem Vorsitze des Präses, Hr. Ministerialrathe v. Sacher- _ Masoch, abgehaltenen, für die eigentlichen Vereinsangelegenheiten bestimmten Sitzung wurde die mittelst Zuschrift des hochlöbl. k. k. Stadthauptmannschafts- Präsidiums herabgelangte Bestätigung des Herrn. Dr. Franz Nickerl, als Redacteur der Vereinszeitschrift ‚Lotos, durch das hohe k. k. Landesmilitär- Commando mitgetheilt. Zwei Dankschreiben, von Professor Dr. Xavier Lan- derer in Athen und Herrn Eugen Fürst, Vorstand der: practischen Gar- tenbau-Gesellschaft in Baiern, für ihre Ernennung zu correspondirenden Mit- gliedern wurden vorgelesen, ebenso ein Schreiben von Hr. Dr. Heinrich Wankel, welcher nebst einer namhaften Anzahl geostischer Stücke, fossiler Knochen aus der Slauper Höhle bei Blansko in Mähren, dem Vereine einen Bericht über seine in dieser Höhle gemachten Untersuchungen nebst einer Karte, worauf eine geognostische Skizze der Umgebung von Blansko, ein Grundriss der Slauper Höhle und ein Durchschnitt der in derselben angelegten Schächte verzeichnet ist, einsendete. In demselben Schreiben erwähnt Hr. Dr. Wankel auch ein interessantes Vorkommen eines prismatischen (uarzes, welcher in dem neu angelegten Schurfschachte nächst dem Dorfe Sdar in Mähren aufgefunden wurde,

An Schenkungen waren dem Vereine zugekommen::

1) Die eben erwähnte Sendung von Hr. Dr. Wankel.

2) Vom zoologisch-mineralogischen Vereine in Regens- burg der 5. Jahrgang der Correspondenzblätter dieses Vereins.

3) Vom correspondirenden Mitgliede, Hr. Eugen Fürst, der Jahr- gang 1851 der vereinigten Frauendorfer Blätter, herausgegeben von der prac- tischen Gartenbau-Gesellschaft in Baiern, und Dr.-@oebel’s Agrikulturchemie, Erlangen 1850.

Am Schlusse der Versammlung wurden folgende Herren zu correspon- direndem Mitgliedern gewählt:

Herr P. Andreas Weselka, Professor der Naturgeschichte an k. k, Gymnasium zu Braunau,

29

‚Herr Friedrich Haszlinsky, Professor zu Eperies in Ungarn, und Herr Moriz Winkler, Kassier in Klostergrab bei Teplitz.

Versammlung am 20. Februar 1852.

Nach Eröffnung der Versammlung und Vorlesung des Protokolls der letzten Sitzung theilte der Vorsitzende, Hr. Ministerialrath v. Sacher-Masoch, dem Vereine ein Schreiben vom correspondirenden Mitgliede, Hr. Dr. Jakob Ellen- berger, mit, in welchem derselbe den Dank für seine Ernennung zum corre- 'spondirenden Mitgliede ausdrückt, und zugleich dem Vereine zwei seiner wissen- schaftlichen Arbeiten, über das von ihm entdeckte Brayerin, und über die Metamorphosen bei den Insekten einzusenden verspricht. Ein zweites Schrei- ‘ben war von Herrn Adolf Sennoner in Wien eingelaufen, worin derselbe ‚in Beziehung auf den Tauschverkehr mit dem Vereine Lotos mehrere An- träge stellt. Die Vereinsbibliothek erhielt eine Bereicherung durch nachfolgende Geschenke: 1) Von Ehrenmitgliede Hr. P. M. Opiz: Dr. V, Kosteletzky’s medici- _nisch-pharmaceutische Flora in 3 Bänden. / 2) Vom Herrn Med. Dr. Johann Ott: Deutschlands Kryptogamen- R Flora oder Handbuch zur Bestimmung der kryptogamischen Gewächse Deutsch- lands, der Schweiz, des lombardisch-venetianischen Königreichs und Istriens, bearbeitet von Dr. L. Rabenhorst. Erster Band, die Pilze. (Leipzig 1844.) 3) Vom Herrn Jos. Vinc. Melion, Doctor der Medizin und Chirurgie, practischen Arzte zu Freudenthal, drei von ihm verfasste Abhandlungen : a) Geschichte der Mineralquellen des österreichischen Kaiserthums, Prag 1847. b) Ueber den mineralischen Magnetismus, vorgetragen in der naturhisto- rischen Section der k. k.’ Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde in Mähren am 12. März 1851. c) Die Horn- und Feuersteingebilde der nächsten Umgebung von Brünn. Hierauf hielt Herr Max Dormitzer, Custos am böhmischen Museum, einen Vortrag über die Wirbelsäule der Fische, welcher nächstens ausführ- licher mitgetheilt werden wird, und mit welchem die Versammlung geschlossen wurde.

Wissenschaftliche Mittheilungen.

gr Ueber die oben des Grauwackenkalkes in der Nähe von ee Blansko. a Von Dr. Wankel, Bergarzt in Blansko.

2

iv

0.7 Wenn. wir auch erst im Beginne unserer Untersuchu :gen sind, so kann ch »es ‚doch nicht unterlassen, über das Wenige, was wir erforscht, einen kurzen Bericht als Einleitung einzuscnden.

RT

30

Durch die Unterstützung unseres geistreichen und für die Wissenschaft so thätig wirkenden Herrn Fürsten Hugo zu Salm, ‘durch die so umsichts- volle bergmännische Leitung, die markscheiderischen trefflichen Aufnahmen unserer werthen Landsleute, des Bergmeisters Herrn Ignäz Wondratek und Schichtmeisters Herrn Anton Mladek wird es nach und nach möglich werden, mehr und vollständigere Aufklärungen zu erhalten.

Der Grauwacken- oder Uebergangskalk in der Nähe von Blansko, der

sich am Mächtigsten zwischen den Ortschaften Wawrinec, Sucdol, Neu- hof, Laäanek und Hohlstein, Ostrov, “Willimowic, Hugohütte ausbreitet, westlich an den Syenit, östlich an die Grauwacke stösst, zeichnet sich durch ein System von Höhlen aus, die ihrer Lage, Richtung, Verbindung, der in ihnen abgelagerten Diluvien, ihrer grossartigen Bildung und Form wegen, nicht ganz ohne Interesse sein dürften. Keinen unbedeutenden Einfluss haben diese unterirdi- schen Räume auf die Oberfläche des Erdstriches, den der Kalk einnimmt; sie wirken hauptsächlich auf diese durch Entziehen aller Wässer; kein Bach ist auf dem Gebiethe des Kalkes zu finden, diejenigen Bäche, die von der Grau- wacke gegen den Kalk fliessen, stürzen sogleich, nachdem sie seine Gränze benetzt, durch Höhlen und Spalten in die Tiefe, um sodann aus den Kalke auf das Gebieth des Syenits zu treten, ....... Die gesammten Höhlen ‚dieser Gegend, die alle im Streichen und Ver- flächen des Kalkes liegen, scheinen denselben in zwei unter einander parallel laufenden Richtungen zu durchziehen und zwar in einer westlichen und öst- lichen Parallele.

Zu. der Westlichen scheinen zu ‘gehören: die Slauper Höhle, die kleinen Höhlen der Thäler unterhalb Slaup, die Mazocha, die kleinen Höh- len: in Punguathale, der Punguaausfluss, die Katharinenhöhle im dürren Thale,’ die kleinen Höhlen um Lazanek, sodann die sogenannte Beiähe he und die kleinen Höhlen im untern Theile des Josephthals,

'Zu der Oestlichen: die Hohlsteiner Höhlen, die Kaiserhöhle bei Ostrov, die kleinen Höhlen in Ostrov, die im Ostrover Thale und‘ obern Theil des dürren Thales, die grossartigen Höhlen unterhalb der Hugohütte und der Wejpustek unterhalb ‘des: Dorfes Kiritein in dem oberen Theil, des Josephthals. -

Die eben angedeuteten Richtungen lassen sich auf der Oberfläche leicht durch die Reihen trichterförmiger Vertiefungen erkennen, die noch heut zu Tage im Entstehen begriffen sind und von- Senkungen und Einstürzen herge- leitet werden.

Einen solchen Trichter im grossen Massstabe bildet die sogenannte 504 Wiener Fuss tiefe M&zocha.' Der Besucher, der die überhängende Altane betritt, Schaudert zurück ob der schwindelnden Tiefe; der grossartige Ein-

31 druck wird noch erhöht durch den Gedanken des Abgeschlossenen, des Un- erreichbaren.

Die schroffen, senkrecht herabsteigenden, oft überhängenden, den Trichter umgebenden Felsenwände machen es unmöglich, ohne Seil herabzugelangen ; seinen Grund durchzieht ein Bächlein, indem es aus einer Höhle in die 'an- dere, kleine Wasserbecken bildend, fliesst; diese Höhlen ‚scheinen 'mit der 'Slauperhöhle und der des Punguaquells in Verbindung zu stehen,

Wir wollen nun die Höhlen der Reihe nach betrachten und die Resul-

tate, die die Forschungen bieten werden, nach und nach beischliessen °

Wir beginnen daher mit der am längsten bekannten und am Meisten

besuchten

Slauper Höhle.

Diese Höhle, die sich durch die langen, bald breiter, "bald enger wer- denden zahlreichen , horizontalen Strecken, durch: die tiefen vertikalen Ab- - gründe vor allen hier Bekannten wesentlich auszeichnet, liegt 200 Klafter vom Dorfe Slaup an der Gränze des Kalkes, wo derselbe an die Grauwacke stösst. Schon die grossartigen Felsenwände deuten dem Besucher die Stelle an, der, wenn er in den von Kalkstein umgebenen Kessel tritt, überrascht wird durch den Anblick des schönen hochgewölbten Portals des östlichen Einganges der Höhle, dessen Schönheit und Reiz’ noch erhöht wird durch ‘den Anblick des zerrissenen und buntgefleckten Kalkes, der mit üppig grünenden Moosen und Farren bedeckt ist. Im strengen Winter wechselt dieser Eingang seinen Charakter, ‘der ‚Besucher glaubt in eine Eisgrotte zu treten, er wird.überrascht von dem fast feen- haften Anblick grossartiger, durchsichtiger, mehrere Klafter langer Eis-Stalactiten, “übereinander gehäufter Stalagmiten und der wie mit Hyalith ‘überzogenen, _ von grünen, braunen und rothen Moosen bunt gefärbten Wände,

3 Dieser Eingang führt zu einer, ungefähr 60 Klafter 'langen nach N. 0.

sich hinziehenden Strecke, während der westliche eigentliche, hinter einem

'3—4 Klafter hohen Diluvialhügel grosser Kalktrümmer gelegene, breite, & aber sehr niedrige Eingang in eine Vorhalle führt, aus der man durch einen kurzen Zugang zu dem Vorraum der Höhle gelangt, der mit humusreichen - _ Alluvialmassen, die alljäbrig im Frühjahre von angeschwollenen Bächen hier -] abgesetzt werden, angefüllt ist; von da gelangt man über einen‘zwei Klafter | hohen Wall mächtiger Kalkblöcke in die eigentliche Höhle, die sich'nach | 1% hreren Richtungen durch zahlreiche Strecken und Gänge: ausbreitet, und in: eine obere und untere Etage abgetheilt ist, Die obere Etage macht haupt- ächlich die nach N. O. in gerader, allmählig aufsteigender Richtung sich hin- ziehende, geräumige, mässig hohe Strecke aus; die mit offenen Emden ander iwäcke aufhört, welche theilweise von den herabsickernden ri

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zersetzt, mit geringer Mühe hervorgcehohlt werden kann. Dies Vorkommen ist um so interessanter, da weder die Grauwackenschichten, noch die des Kalkes an dieser Stelle ‘Spuren von Störung zeigen, während die, in dem eine ‚Stunde von Slaup entfernten Dorfe Ostrov gewunden, gedreht, gebrochen, braun und röth gefärbt zu treffen sind.

Durch einen etwas absteigenden Verbindungsgang im Anfange der eben angedeuteten Strecke gelangt man in einen grossen, gewölbten und bedeu- tend ausgedehnten Raum der untern Etage, an dessen einem Ende derselbe sich senkrecht in eine Tiefe von 35 Klafter fortsetzt.

Der« Anblick dieses 6 Klafter breiten und 13 Klafter langen Abgrundes erfüllt das Herz des Besuchers mit Bangen, die Szene erhält einen dämoni- schen Anstrich durch die von Fakelschein grell erleuchteten Felsenkanten, durch das schwarze Dunkel der Tiefe und das lange anhaltende, immer schwä- cher werdende Rollen herabgeworfener Steine.

Aus diesem Raume laufen zahlreiche Strecken aus, von denen die in ge- rader Richtung, bald enger bald weiter werdende nach S. W. sich hinzie- hende, 150 Klafter lange, die Hauptstrecke ist; sie endet mit mehreren klei- nen Ausläufern durch einige kleine Oeffnungen einige Schritte von der Strasse nach Ostrov zu Tage, und scheint sich in der, auf der andern Seite des Thales, An.derselben Richtung liegenden, in der Kalkwand angedeuteten Spalte, fort- zusetzen.; In der Firste dieser Strecke, die eine durchschnittliche Höhe ‚von 5 Klafter zeigt, befinden sich mehrere geschwärzte Balken, die von einer Wand gegen die andere gestemmt und mit durch und durch ‚oxidirten , eisernen ‘Hacken besetzt sind. Diese Balken sollen noch der Ueberrest der Wohnungen zahlloser Räuberhorden sein, die während des 30jährigen Krieges hier hause- en.‘ Sie deuten wenigstens darauf hin, dass die Form und Beschaffenheit der Höhle ‚durch Menschenhände wesentlich gelitten haben musste.

Alle diese Strecken, die offenbar den Charakter einer Spalte an sich tra- gen, liegen ebenfalls im ‘Streichen und Verflächen des Kalkes, ihre Richtung ist: zwischen Stunde 1. und 2 von N. O0. nach S. W.

Die Temperatur der Höhle ist an verschiedenen Punkten verschieden, Die mittlere Temperatur der: Luft beträgt‘ 80 R., die des Wassers R.

“Was die Tropfsteinbildung in‘. der: Slauper Höhle betrifft, so ist. sie im ‘Verhältniss zu andern sehr. arm; da sie schon seit Jahrhunderten betreten, durch zahlreiche Besuche von dem Rauch der Fackeln geschwärzt, ihres Tropf- 'steines beraubt und so’ sehr beschädigt würde, dass die Bildung im Ganzen unverhältnissmässig gering ist. Doch finden sich noch einige schwer zugängliche Strecken in die die grosse Menge der Besucher nicht hinzudringen vermag und die noch in ihrer ganzen ‚Pracht prangen ;; entzückend anzusehen jst das 'blendende Weiss, das Blitzen und Flimmern : ganzer mit Krystallflächen überzo- gener Wände, da verengt noch die Natur den Raum mit ihrem Tropfsteinge- bilde und formt die abentheuerlichsten Gestalten.

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Die Travertinbildung steht im geraden Verhältniss mit dem herabträufeln- den Wasser und hängt von der Beschaffenheit der Jahreszeit ab, so bemerkt man auffallend, dass in nassen Jahreszeiten die Feuchtigkeit der Höhle zu- nimmt, dass berusste Stellen sich mit glänzend weissen Travertin überziehen, Der Sitz der Tropfsteinbildung ist verschieden, doch scheint er hauptsächlich durch das Verflächen des Kalkes bestimmt zu werden, so findet man ganze Wände, meist die Oestliche mit Travertin überzogen, während die Westliche wohl mit einem Duft bedeckt, doch die scharfen Kanten des Kalkstei- nes. zeigt.

Von der. örtlichen Beschaffenheit , hängt auch das verschiedene. Verhalten und Aussehen des Travertins ab; oft senkt er sich kaskadenartig zu Boden, überzieht die darauf liegenden Trümmer, rundet sie ab und kittet sie zusam- men, Seine Oberfläche ist an einzelnen Stellen rauh, porös, mit. zahllosen ‚kleinen zerfressenen Höckern besetzt, die einem gestürzten Kegel aufsitzen und dadurch entstanden zu sein scheinen, dass ein Theil der Tropfsteinmasse abermals aufgelöst und fortgeführt wurde, ‚was wohl auf eine zu verschiede- nen Jahreszeiten verschiedene Concentration des durchsickernden Wassers schliessen liesse ; an andern Stellen zeichnet sie sich‘ durch das beim Fackel- schein so wundervoll erglänzende Flimmern und Blitzen aus, das stellenweise einem 2—6 Fuss breiten Streifen, der von der Firste .der Höhle senkrecht zur Sohle zieht, eigen ist und bei näherer Betrachtung von Krystallllächen, (R -- ©0) kleiner aufrecht stehender Krystalle herrührt. Auch trifft man die ‚Oberfläche des Travertin mit einem Hiniendicken durchsichtigen Ueberzuge bedeckt, der stellenweise so vollkommen durchsichtig ist, dass die unter den- selben liegenden überzogenen Kohlenstückchen sehr deutlich wahrgenommen werden. Wird der so überzogene Traverlin dem Trockenwerden oder der ‘freien Luft ausgesetzt, so verwittert derselbe augenblicklich, er wird : weiss, weich, fast zerreiblich.

Was die Stalactiten betrifft, so nähern sich die Meisten der gewöhnlichen Zapfenform, sie laufen an ihrer Basis breit beginnend, konisch gegen die

- ‚Spitze herab, die Meisten mit den sie bildenden Tropfen an der Spitze; ent- - fernt man vorsichtig jenen Tropfen, so findet man den Kanal, derselben offen, ‚von. einem-zackigen scharfen Rande umschlossen. | | In vielen sehr niedrigen Strecken der Höhle kann man schuhlange, Egm - 3 Linien dicke Stalactiten, gleich Gitterstäbchen die Decke mit dem Boden verbinden sehen. Alle diese Federspulen ähnlichen, oft durchscheinenden Röhr- 4 chen besitzen eine äusserst dünne Wandung und einen verhältnissmässig sehr { weiten Kanal, der häufig durch dünne, horizontal liegende Lamellen in Zellen getheilt ist. Alle diese Röhrchen zeigen an ihren Bruchstellen durchaus deut- liche Rhomboeder-Flächen, die abwechselnd gegen die Axe des Tropfsteines

. geneigt sind; diese rhomboedrische Theilbarkeit;, ist so ausgezeichnet, dass x

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man mit leichter Mühe kleine durchsichtige Rhombo&derchen herausschlagen kann, die alle eine ausgezeichnete doppelte Strahlenbrechung zeigen. Die äussere Oberfläche dieser Stalactiten ist glatt, die innere rauh, mit kleinen länglichten Krystallen besetzt, deren rhomboedrische Axe mit der des Sta- lactits parallel läuft; und wie ich mit meiner schwachen Vergrösserung un- deutlich wahrnehmen konnte, einer Combination des Scalenoöders mit dem flachen Rhombo&der anzugehören scheinen.

Ein anderes Vorkommen des Stalactits ist das der oft sphärischen Ku- geln, die gleich warzenähnlichen Auswüchsen, theils gruppenweise, theils ein- zeln ganze Wände bedecken, von der Grösse eines Mohnkörnchen, bis zu der eines Hühnereies anwachsen , concentrisch schalige Zusammensetzung und einen ihnen entsprechenden hohlen Raum besitzen, der durch ein feines Ka- nälchen in die Travertinwand sich fortsetzt, sehr häufig mit Wasser ange- füllt getroffen wird. Noch auffallend verschiedenere Formen zeigen die Sta- lagmiten, sie richten sich nach dem Sitze und hängen ab von der Höhe, von welcher das Wasser herabträufelt, von der Menge desselben und von der Beschaffenheit und Neigung der Fläche, auf die es fällt. Die konische Form trifft man häufig längs der Wandung der Höhle oder in sehr niedrigen Strecken, während sie, wo das Wasser von einer bedeutenden Höhe auf einen unebenen Boden herabstürtzt und zerstäubt, oft rosettenartige Gruppirungen hie und da mit krystallisirter Oberfläche zeigen.

Nicht uninteressant sind die zahlreichen losen Stalagmiten, die mehr oder weniger die Kugelgestalt annehmen und in einem für sie bestimmten Grübchen liegen, oft zusammengekittet die abentheuerlichsten Gestalten bald mit glatter, bald rauher, bald krystallisirter Oberfläche darbieten. Ihr Ent- stehen scheinen sie einerseits von den, von der Decke herabgestürzten Sta- laetiten, von Travertinsplittern, die von Kalkwasser umspült, abgerundet und 'vergrössert werden, herzuleiten, anderseits scheinen sie sich auch primitiv zu bilden, indem Wasserkügelchen eines zerstäubten Tropfens auf einen mit fettem Lehm, Russ oder Staub bedeckten Boden fallen, sich mit Staub einhüllen ünd von der Peripherie aus nach und nach erstarren, um sich sodann zu ver- . grössern; denn in vielen der kleinen isolirten Kügelchen traf ich einen hohlen Raum von der Grösse eines Mohn- und Hirsenkornes, der nicht selten noch mit Wasser angefüllt oder mit kleinen Krystallen ausgekleidet ist.

Noch bleibt die den aufwärtsstehenden gewundenen Bändern ähnliche Form, 2-3 Zoll breiter, scharfkantiger, durchscheinender Lamellen 'Travertins, zu erwähnen übrig, der geschlungen an geneigten Flächen hinzieht, ‘und‘helles, _ klares Wasser umschliesst, das seinen Kalkgehalt, in Form spitziger ii an die scharfen 'Kanten absetzt.

'Die Travertindecke, die an vielen Stellen von der Dicke eines Zolles bis _ zu zwei Schuh (den Boden der Höhle überzieht, ist'an einzelnen’ Orten porös,

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schmutzig‘ weiss, zerreiblich und geht in Bergmilch über; an andern dicht gelblichweis gebändert von fasriger Structur, an noch andern Stellen zeigt sie ein durchscheinendes stängliches Gefüge von späthigem Aussehen, ähnlich einigen Arten prismatischen Kalk-Haloides; oft besitzt sie hohle blasenartige ‚Räume, deren Wände mit Krystallen besetzt sind; sie schliesst Stalactiten, Kalktrümmer, Grauwackengerölle und hie und da Knochen ein, und ruht auf einer Unterlage von Kalktrümmern oder einem fetten, lehmigen Sande.

Einer eigenthümlichen Art und Weise der gegenwärtigen Bildung von kohlensaurem Kalke in der Slauper Höhle will ich noch erwähnen. Es sind nämlich die, dem Abgrunde zugekehrten Flächen eines, aus einer mäch- tigen und von Fluthen durchrissenen Ablagerung, hervorstehenden Grauwacken- geschiebes mit traubenförmiger Bergmilch überzogen; es kann dies Vorkommen nur durch die mit kohlensaurem Kalke geschwängerten und von der Luft- strömung emporgerissenen Dünste hergeleitet werden.

Das Di- und Alluvium der Höhle.

Die Slauper Höhle liegt in einem breiten, gegen Norden sich öffnen- ‚den Thale, dessen westlicher Bergrücken vom Uebergangskalke, der- östliche aber theilweise von Grauwacke gebildet wird, der sich dort, wo die Höhle | liegt, an den Kalk anlehnt, Z Dieses breite Thal, das sich mehr und mehr verengend in Schlangen- "windungen durch das. Massengebirge des Kalkes gegen Süden zieht, in den Syenit sich fortsetzt, Punqua- dann Ernsthal genannt wird, und in Klepaczov sich endet, ist mit Di- und Alluvial- Schuttmassen angefüllt, die ich- ihres Verhaltens wegen zu denen der Höhle anführen ‚will. Wir treffen darin 3 ver- schiedefie Ablagerungen: Eine Kalktrümmer-Ablagerung, eine eines zersetzten erzführenden Gebirges, und eine äusserst mächtige Ablagerung von Grauwacken- geschieben. % | Die Koller kbligernig, die sich zu 2—3 Klaftern mächtigen Hü- geln zu beiden Seiten der Eingänge der Höhle, dort, wo die Kraft des Stro- mes’ am Felsen brechen und seine schweren mitgerissenen Theile fallen lassen _ müsste, ' angehäuft, besteht aus bald abgerollten, bald scharfkautigen Kalk- blöcken von 1—4 Schuh Durchmesser und einen sandig-lehmigen Bindemittel. Unter ihr liegt um die Höhle herum unmittelbar das Grauwackengerölle, wäh- rend ‘weiter gegen Norden dieselbe von den letzteren theilweise ‘durch ein rstörtes, erzführendes Gebirge, das Feuersteinfragmente, einzelne zertrüm- merte Brauneisensteinstufen, Quarzgerölle und Sand‘ führt, getrennt ist. Den eis: liefert ein Schurf, etwa 300 Klafter von der ‘Höhle in nördlicher Richtung, der 5 Klafter das zersetzte Gebirge durchläuft, endlich das Grau- an aufschloss, durch”das man noch 3 Klafter ein, ohne dasselbe

zu durchlaufen,

BR

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Tritt man nun. unmittelbar -in das Portal der: Höhle, so überrascht den Besucher die mächtige Alluvialmasse. hergetragener humusreicher Dammerde. Sie liegt unmittelbar im Vorraume der Höhle und geht nicht über einen 1!/, bis 2 Klafter hohen Wall mächtiger Kalkblöcke hinaus, der 20 Klafter vom Eingange diese von den Diluvialmassen scheidet. Einen Beweis,. dass. auch in diesem Vorraume Diluvien gelegen, die durch spätere Fluthen aufgerissen, zerstört und wieder hinweggeführt wurden, die ferner den Eingang der Höhle sehr verschmälerten, liefert eine Breccie aus Traverlin und Kalktrümmern be- stehend, die längs der Wand des Wegraumes der Höhle hinzieht, an dieselbe fest angekiltet und nach oben durch eine '/, Fuss dicke Stalagmiten-Decke begrenzt. ist.

Ueber das Diluvial-Gebilde möge die nun folgende Beschreibung der ein- zelnen Schürfe, die an verschiedenen Punkten der Höhle angelegt wurden, Aufklärung geben; und ich behalte mir es vor, über deren Vollendung in der Folge wieder Bericht zu erstatten. ; N

Ich wählte zu dem ersten Schurfversuche das hintere Drittel der nord- östlichen’ Strecke der Höhle, jene, die an die Grauwacke mündet und die von der Kraft des herantobenden Stromes am meisten geschützt, Knochenreste zu bergen versprach.

Wir durchschlugen die '/),—°/, Schuh dicke Travertindecke und gelangten nach Hinwegnahme derselben auf eine 1'/, Schuh mächtige Sandschichte, in der sich einzelne, grösstentheils mehr weniger abgerollte, zerbrochene Rumpf- und Extremitätenknochen fanden, Dies Verhalten bleibt auch bei allen in den andern Strecken und der untern Etage der Höhle ‚angelegten Schürfen ganz gleich.

Wir gelangten nun. auf 5 Knochenablagerungen, von denen die ersten 4 im Allgemeinen ihrem Wesen nach, wohl übereinstimmen, im Einzelnen aber von einander abweichen. Eine jede dieser Ablagerungen zerfällt in. 3..Haupt- schichten ; eine theilweise zertrümmerte, oft ganz zerstörte Travertindecke, ein 4—6 Schuh mächtiges Gebilde eines lehmigen, mehr weniger mit Grauwacken- gerölle- vermengten mächtigen Sandes, und eine 1—2 Schul mächtige Schichte grösserer Kalk- und Grauwackentrümmer, die jene Reste vorweltlicher Thiere führt. Diese ‚horizontal abgesetzten Schichten sind von ‚einander. deutlich ‚und an einigen Punkten sehr scharf abgeschieden, oft beginnt die letzte Schichte mit zollmächtigen, von einander durch .liniendicke Ablagerungen von Braun- eisenstein getrennten Schichten, aus einem sehr feinkörnigen Sande bestehend, und wie die in. der 3. Knochenablagerung, kleine sehr zerdrückte und zer- trümmerte Knochen bergend.

Eine jede dieser Ablagerungen unterscheidet sich von der srlan durch die verschiedene Mächtigkeit, dureh die grössere oder geringere Regelmässig-

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keit in der Anordnung der einzeluen Gebilde; so zeichnet sich die 2. Ablagerung durch den Charakter einer ruhigen Ablagerung auffallend vor der andern aus, in ihr sind die Kalktrümmer regelmässiger, mehr horizontal angeordnet, die so zahlreichen Knochenüberreste liegen weniger eingekeilt zwischen die Trüm- mer, und bilden eine etwas zusammenhängende, mehr oberhalb der Kalktrümmer gelegene Sebichte, sind grösstentheils wohlerhalten, unabgerollt und im Durch- ‚schnitte am wenigsten zerirümmert, Aus ihr habe ich jenes Skelet, das selbst im Besitze der geologischen Reichsanstalt zu Wien ist, in Gegenwart des fürstlich Salm’schen Steigers genommen.

Unterhalb der 4. Knochenablagerung, d. i. in der 5. Klafter des Schachtes, erreichten wir einen gleichförmigen fetten Lehm, der keine Spur weder von Gerölle noch Knochen zeigend einige Klafter durchteuft wurde.

In der 3. u. 4. Knochenablagerung, d. i. beiläufig in der 4. Klafter des Schachtes, liessen wir eine Strecke treiben, lenkten dieselbe sodann zur entge- gengesetzten Wand der Höhle, gingen an derselben herab, durchteuften einige Schuh den fetten Lehm, und kamen auf ein sandig-lehmiges, mit Grauwacken- gerölle und Kalktrümmern vermengtes Gebilde, das sehr verwitterte, schwärzlich gefärbte, mürbe und gänzlich zertrümmerte Knochen umschloss, die hie und da zerstreut lagen. Auf diese Ablagerung folgte nun ein homogenes Grau- wackengerölle, das an einzelnen Stellen mittelst eines sandig-lehmigen Binde- mittels locker, an andern mittelst eines festen, kalkigen, conglomeratartig ver- bunden war. Wir trieben aus der 3. Klafter des Gesenkes in der eben be- schriebenen Geschiebsablagerung einen Querschlag zur entgegengesetzten Höh- lenwand, gingen, an derselben 1'/z Klafter herab und erreichten Kalktrümmer von bedeutender Grösse. Theils wegen der beschwerlichen Arbeit in unathem- barer Luft, theils um tiefer dringen zu können und um das geognostische Verhältniss an einer andern Stelle zu ergründen, verliessen wir diesen Bau ‚und legten 7 Klafter südlicher einen zweiten geräumigen Schacht an, der auf- fallend verschiedenere Lagerungsverhältnisse zeigt. Es wurde die Travertin- decke durchgeschlagen und mit der ersten Klafter eine regelmässige horizon- tale Knochenschichte aufgeschlossen, die ganz mit der ersten des oben be- schriebenen Schachtes übereinstimmte, doch schon in der 2. Klafter stiessen wir auf das Grauwackengerölle, welches wir wenige Schrilte von dem Orte Jerst in der 7. Klafter aufschlossen. Dieses Grauwackengerölle, das knochen- ei, locker unter einander verbunden, grenzte sich ganz deutlich von den sten, dichten, conglomeratartig zusammengekitteten ab, das sich an der falkwand, die in 2'!/. Klafter erreicht wurde, einige Klafter weit herab- eht, Ausbuchtungen bildet, tiefer unten von der Kalkwand durch eine 1 Schuh mächtige Schichte eines lockeren, feinkörnigen Sandes getrennt ist, und end- h zwischen der 6. u. 7. Klafter wie vollkommen abgeschnitten erscheint, "sich horizontal auszubreiten. Da die östliche Wand der Höhle, die eine

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Neigung von 75—80 Grad einnehmen mag, uns hinderte, sen herehzu- gehen, so legten wir denselben tonlägig an und gingen in dem milder wer-

denden Grauwackengerölle, das mit Sandschichten und festverbundenen Grau- |

wackengeschieben abwechselt, bis in die 9. Klafter herab. In -der 5. Klafter

erreichten wir eine. 8—10 Schuh mächtige Schichte eines wenig lehmigen,

durchaus von Gerölle freien Sandes, und nachdem auch diese und die darauf folgende Schichte des conglomeratartig zusammengekitteten Gerölles, auf die ein 10 Zoll mächtiger milder Sand folgte, durchteuft wurden, gelangten wir

wieder auf ein lockeres Grauwackengerölle. Eine Klafter gingen. wir durch

dasselbe herab, stiessen auf grosse Kalkblöcke und unter denselben ünmittelbar auf den Kalk, der da einen bedeutenden Vorsprung zu bilden scheint, legten

sodann einen Querschlag gegen die andere Wand an, um da tiefer herab ge-

hen und einen Durchschlag in das nicht so weit gelegene Gesenke des ersten Schachtes bilden zu können.

Der 3. beiläufig 30 Klafter vom Eingange, hinter den Kalkblockwall ge-

legene Schurf, durchteufte 2- Klafter einer mächtigen Ablagerung. grosser, '

scharfkantiger Kalktrümmer von Yz—3 Schuh Durchmesser ohne Spur von Grauwackengerölle und Knochen, ausser den wenigen, die unterhalb der Tra- vertindecke lagen.

Der 4. in der untern Etage der Höhle in der urrahcheh beiden Abgründen hinlaufenden langen Strecke zeigte die Travertindecke, den darunter liegenden Sand mit Knochen und Gerölie, und das 'Grauwackengerölle.

Mit der 5. weiter in der Strecke angelegten erreichten wir in der 2, Klafter eine zweite, 2—3 Schuh mächtige Travertindecke, die durchaus voll- kommen horizontal, auf einem lehmigen, sandigen, mit Grauwackengerölle und Kalk vermengten Gebilde auflag. -

Mit einigen noch weiter angelegten Schürfen gelangten wir.in nicht

grosser Teufe auf den Kalk.

Keine unbedeutende Rolle bei dem so verschiedenartigen Verhalten mö- gen wohl die Abgründe der Höhle gespielt haben, das zeigt deutlich ein von früheren Fluthen entstandener Durchriss einer 3—4 Klafter mächtigen Grau- wackengeschiebsablagerung, die sich unmittelbar vor ‚dem schmalen Abgrunde befindet, und durch die in denselben sich herabstürzenden Fluthen ausgewaschen, durchrissen und fortgeführt wurde, so dass nur noch die zwei, ausser der Kraft des Stromes liegenden Seitenwände stehen blieben.

Die Knochenablagerung.

Wie schon früher erwähnt, befindet sich unmittelbar unter der, den! Boden der Höhle überziehenden Travertindecke eine Y—1 Schuh mächtige. Sandschichte mit Knochen, die grösstentheils Zähne, mehr weniger. abgerollte zertrümmerte Knochenstücke umschliesst; auch habe ich Knochen, darunter

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gefunden, die deutliche Merkmale zeigen, dass sie lange, der Luft ausgesetzt gewesen waren, sie sind leicht, ungemein zerbrechlich, hellbraun gefärbt und besitzen wenig animalische Stoffe,

Oft fand ich diese Knochen, die übrigens sehr zahlreich noch jetzt den Boden der Höhle bedecken, in Travertin eingeschlossen oder um and um mit ‚einer zarten krystallisirten Tropfsteinkruste umhüllt.

- Diese unterhalb der Traventindecke liegenden, in allen Strecken der Höhle so gleichförmig vertheilten Knochen scheinen alle einer viel. kleineren Art von ‚Ursus anzugehören, und meiner Ansicht nach aus der Alluvialzeit herzu- stammen. Die erste und dritte Knochenablagerung des Diluvialgebildes ist die reichste, die letzte die ärmste, die zweite die regelmässigste. } a; Aus der zweiten habe ich jenes früher schon erwähnte Skelet genom- men; die Lage der einzelnen Knochen des Skelets, das ich sodann zusam- ‚menseizte, war analog der, welche ein vergrabenes und ungestört ver- ‚westes Thier darbietet. Ich fand folgende Knochen des Thieres in der ihnen zukommenden Lage und will sie auch anführen, da ich fest überzeugt bin, ‚dass sie von ein tind demselben Thiere herstammen; einige wurden beim Herausnehmen zertrümmert, einige gingen dabei verloren, andere wurden trolz genauem Nachsuchen nicht gefunden ; sie sind folgende:

- > Der Kopf mit seinem Unterkiefer, der 1. und 2. Halswirbel, 4. Brust- wirbel, 5 Lendenwirbel, das Becken , das linke Schulterblait, der linke Oberarm, die beiden Oberschenkelknochen, die rechte Kane der rechte Unterschenkel samt dem Wadenbein, das Fersenbein samt dem Sprungbein,

i nige Fusswurzelknochen, mehrere Tarsenknochen, Phalangen und ein Nagel-

‚3 zerbrochene Rippen der linken, 4 der rechten Seite, zwei Stück | ae eine Ulna, einen Radius und zwei Schwanzwirbel; die ‚übrigen feh- nden Knochen habe ich andern Individuen entnommen, 2 welche zerbro- f chen waren, habe ich durch Holz oder eiserne Abgüsse ergänzt. Es ist diess, zusammengesetzte Skelet eines der kleinsten Individuen, aber auch nes der wohl erhaltendsten; das zweite noch unzusammengesetzte Skelet, _ welches noch viel grössere Dimensionen zeigt und das ich selbst mit eigener Hand herausgegraben, kann als Typus der grossarligen Schöpfung der Vor- | elt enommen werden. Unter den bisher herausgeförderten Knochen, deren Menge so doost ist, auf wenigstens 70 Individuen geschlossen werden kann, befanden sich er 30, theils zerbrochene, theils wohlerhaltene Schädel von Ursus spelaeus, ' ‚etwas kleinerer Schädel, meiner Ansicht nach dem Ursus priscus ange- ön rg, dann. zahnlose Rumpf- und Extremitätenknochen erwachsener und selbst junger Thiere, bei denen die Zahnbildung erst im Beginne war, wie die zahnlosen Unterkiefer zeigen. Es fand sich ferner eine dem Katzen- blechte angehörige zurückziehbare Krallenkapsel, dessen eisernen Abguss

Trkagge

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ich mitsende, ein Metacarpusknochen mit geheilter Knochenwunde und ein | kleiner Schädel eines eigenthümlichen Thieres, ‚wie ich glaube dem Katzen- geschlecht angehörend, dessen Beschreibung und Bestimmung ich mir vor- behalte und dessen Zeichnung ich nächstens einsenden werde, |

Die Knochen sind im Allgemeinen ziemlich wohlerhalten, besitzen noch eine bedeutende Menge animalischer Stoffe, zeigen keine Spur von Abrollung; sie sind oft zwischen grosse Kalktrümmer eingekeilt, oft zerdrückt, äusserst unregelmässig zusammengeworfen. Merkwürdig und auffallend ist das Ver- halten der Lage der Schädelknochen zu den der Extremitäten und der losen Zähne in den untern Knochenschichten. An einzelnen Orten sind die‘ Schädel 1 nebeneinander gehäuft, ich selbst habe mit eigener Hand sieben nebenein- ander liegende Schädel herausgenommen; während an einem anderen Punkte die Zahl der losen Zähne, an einem Dritten die Rumpf- und Extremitätenkno- chen überwiegen. Es scheint dies Vorkommen in den von Luft angefüllt ge- wesenen Schädelräumen seinen Grund zu haben, und auf einer sehr langsamen Ablagerung und stattgefundenen wirbelnden Strömung zu beruhen, dafür spricht auch, dass die Schädelräume der auf der Basis liegenden Schädel meistens leer, die der umgekehrt liegend gefundenen mit Sand angefüllt ge- troffen werden, i

Ausser den erwähnten Knochen fand sich noch in den Knochenschichten sowohl, als: auch in dem ober denselben liegenden lehmigen Sande ein eigen- thümliches Fossil, dass ich seiner Form und Beschaffenheit wegen für ver- steinerte Exceremente, Coprolithen zu halten versucht bin.

Alle diese Stücke charakterisiren sich durch das knollenartige Aussehen, concentrisch schalige Zusammensetzung, einen hohlen krystallinischen drusen- artigen Raum in ihrer Mitte, und einer mehr weniger flachen Basis. Auf einem dieser Stücke fand ich sogar eine dünnwandige Blase. . ä

Ich überlasse es erfahreneren Forschern über diese meine Ansicht zu ur- # “theilen, zu diesem Zwecke sende ich hievon ein charakteristisches Stück mit,

Das natürliche Pflanzensystem als Stuffen- und Kreissystem |

nach Linneischer Methode dargestellt ae

(Fortsetzung.)

Class. I. Die Amphisbetostemones bilden, wenn man von der nie- dersten Organisation beginnt, die erste Klasse, , sind die Acotyledones Juss. und entsprechen der Klasse der Würmer Aue Sie zerfallen in 2 Unterklassen, als:

4. Sporiferi, welche ihre Sporen oder Samen meistens in Röhren '

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oder Schläuchen, und in ihrer Substanz eingeschlossen tragen, als: Confervae, Fungi, Lichenes, Algae.

2. Capsuliferi, welche ihre Sporen oder Samen in eigenen Behäl- tern, Kapseln tragen, als: Hepaticae, Musci, Lycopodiaceae, Filices, Rhizospermae, Palmaceae, Equisetaceae. Dass die niedersten Ord- nungen, die Sporiferi mit den Zoophyten des Thierreichs die grösste Aehn- lichkeit haben und damit verglichen werden können, ist schon so, vielfach besprochen, dass ich es gänzlich übergehe. Die Capsuliferi scheinen den Mollusken zu entsprechen, nur mit dem Unterschiede, dass hier oft z. B. bei ‚Farren gleichsam hunderte von Thierchen auf einem gemeinschaftlichen Stamme ‚beisammen leben. Bei den Moosen stellt die Calyptra, bei den Farren das Indusium die Schaale vor, bei ersteren ist die Kapsel, bei letzteren der We- del der sogenannte Mantel der Mollusken, bei ersteren ist die seta, bei letz- teren der stipes der sogenannte Fuss der Mollusken, und die schuppigen Blätter der Moose, die bei den Farren als höherer Form schon vertrocknet, als sogenannte Spreublätter vorkommen, stellen den sogenannten Byssus die- ser Thiere vor, und sollte der oft so schön schwarzgefärbte stipes, oder die rolhgefärbte seta dieser Pflanzen nicht dahin deuten, dass mehrere dieser Thiere einen schwarz- oder rothgefärbten Saft von sich geben ?

So wie die Schale bei diesen Thieren von sehr verschiedener Form ist, oder auch mangelt, ist es auch mitder Calyptra der Moose, und dem In- dusium der Farren, und die Kapseln der letzteren selbst sind oft auf so ver- schiedene Art zusammengereiht, dass sie verschiedene Thiere dieser Klasse L ehzuahmen scheinen, so kann man z. B. die Aehre von Ophioglossum füg-

ch mit einer Annelide, oder Ringelwurm vergleichen,

Die Eustemones zerfallen in die Hypotactostemones und dio Idiostemones. Die ersteren sind diejenigen Pflanzen, deren Staubgefässe untergeordnet sind, und ihrer Zahl und Stellung nach die Blumendecke be- stimmen, oder mit einer bestimmten Blumendecke zugleich erscheinen, sie Bilden die 2. Klasse und entsprechen der Klasse der Monocotyledonen Juss. und der Classe der Insekten Linnes, die wenigstens’6 arliculirte Füsse hi ben müssen. Da bei den Hypotactostemonen die Zahl und Stellung der Staubgefässe die Blumendecke bestimmt, können dieselben nach letzterer auf eine sehr einfache und natürliche Weise abgesondert werden. Class. II. Die Hypotactostemones zerfallen in folgende 4 Unter- 1 lassen, als:

1. Lepidanthi. Sind entweder zarte Wasserpflanzen mit sehr kleinen Blumen, meistens halb-seltener ganz getrennten Geschlechtes, die & Blumen sinc entweder nackt (ohne Blumendecke) und imännerig, und der ® Blume von aussen angehängt, oder auch von derselben entfernt, oder sie sind 1—2- lännerig mit einem einblättrigen Kelche versehen, oder sie sind 4—6—8-

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männerig und. mit einem 4blältrigen Kelche versehen, oder sehr selten 14—20- männerig mit einem vieitheiligen Kelche (in diesen Fällen vertreiten die 4 Kelch- blätter 4 Schuppen, auf welchen einzelne, oder mehrere imännerige Blumen stehen, und der vieltheilige Kelch ein involucrum, auf ‚welchem. viele. Imänne-

rige Blumen beisammen stehen), sehr selten sind die Blumen wirklich e) und

3männerig mit einem 3theiligen Kelche, die Frucht ist meistens 1samig, selten 3—4samig, und bildet unaufspringende Nüsschen; oder es sind grasartige Gewächse, welche 3, selten verdoppelt 6, oder 3 2/,=1, oder sehr selten 12 oder viele Staubgefässe haben, die am Blumenboden stehen, und von einer excentrischen schuppenarligen Blumendecke umgeben werden, die, ) entweder einfach oder doppelt ist, und zwar besteht die letztere aus 2 gegen-, überstehenden Schuppen, wovon aber die innere höher gestellt ist, die Blüthen selbst sind meistens in dachziegelförmige, oder zweizeilige Achrchen zusam- mengedrängt, die Frucht ist einsamig und trocken. In diese Unterklasse ge- hören die Najades Juss. (max. part.) Cyperaceae und Gramineae, So | wie die Najaden überhaupt die ersten Anfänge der vollkommenen Pflanzen, der Eustemonen darstellen, so bilden sie auch insbesondere den Anfang der Hypotactostemonen, ihre niedrigste Entwicklungsform, und stellen mit ihren nackten Blumen gleichsam nur die Insekteneier dar. Die Cype-. raceae und Gramineae durch ihren bestimmten Blüthenstand schon höher ' gestellt, wiederhohlen zum Theil die Amphisbetostemones capsuliferi, 9 denn ein Aehrchen einer Cyperacea stellt in seinem ganzen Wesen nur ein Aehrchen von Lycopodium vor, und .die zusammengesetzte Grasähre selbst ist nichts anderes, als ein zusammengezogener, zusammengesetzter Farrenwedel, und die glumae derselben vertreten die Stelle der indusia, und die schap- penartigen Blätter der Moose lassen sich noch in dem Blatthäutchen der Gras- blätter erkennen, welche letzteren der Blattschuppe nur gleichsam angehängt, sind, und selbst die gegliederten Fäden, die sich um die Eierstöcke der Moose. befinden, wiederhohlen sich hier als die sogenannten setae, und squam ae hypogynae, und so wie einige Lycopodien und Rhizospermae doppelte Kapseln haben, so findet man auch wieder bei Gräsern doppelte, Früchte, z. B. bei Lilaea Humb,, so wie auch bei den Compositis und Umbelliferis, die beide nur Wiederhohlungen der Amphisbetostemones cap-, . suliferi sind, wie später wird gezeigt werden, In Bezug auf das Thierreich stellen die grasartigen Pflanzen mit ihren Aehrchen gleichsam die Raupen der, Insekten dar.

‚2. Spadicanthi. Die zu dieser Unterklasse gehörigen Pflanzen haben ihre Blumen auf meist walzenförmigen, seltener kopfförmigen Kolben stehen, die meist von einer allgemeinen Scheide, die manchmal kelchartig und regel- mässig, gespalten ist, umgeben, werden, die d, gleichsam 1männerigen Blumen

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sind oft von den @ getrennt, entweder auf demselben, oder auf verschiede- _ nen ‚Kolben, stehen sehr gedrängt, und überziehen den ganzen Kolben, oder nur theilweise, sie sind meistens nackt, oder auch durch Schuppen, gleichsam partielle-Scheiden getrennt, manchmal sind auch mehrere &, (gleichsam Imänne- rige) um einen Fruchtknoten herumgestellt, entweder nackt, oder durch Schup-

‚pen getrennt, selten sind sie wirklich Q', und nackt oder mit einer 6—3—

+’ 4theiligen Blumenhülle (Kelch) und mit einer der Blumenhüllentheilung ent- sprechenden Zahl von Staubgefässen 6, oder '",;=3, oder 4,—4

versehen. Manchmal besteht die ganze Pflanze nur aus einem schuppigen Kolben, Balanophoreae, und die einzelnen Blumen bilden einen zusam= mengesetzten Kolben, wie es auch bei Nepenthes und einigen Podoste- moneen und Centrolepideen der Fall ist, und die sogenannte Staub - - fadensäule der ersteren, und der Blumenstiel_ der letzteren ist der eigentliche oder partiele Kolben, der nur an seiner Spitze die Blumen trägt. Die" Frucht - ist beeren- oder kapselartig, oder mehrere Nüsschen. Hieher gehören: Cen- trolepideae, Potameae, Aroideae, Balanosphoreae (Cytinus und Hypolepis Pers.), Typhacese (Pandaneae), Podostemoneae (Pistiaceae, Nepenthinere). _ Diese Pflanzen wiederhohlen zum Theil die vorige Unterklasse, zum Theil wieder- hohlen sie die Farren auf ‚höherer Stuffe, und so- wie bei letzteren die Blatt- form so ausgezeichnet, und ihre Kapseln verschiedenartig : zusammengedrängt sind, eben so ausgezeichnet sind oft die Spadicanthi durch ihre schöne Blatiform, und ihre höchst zusammengedrängte Blumen und Früchte, In Bezug auf das Thierreich stellen sie die Puppen der Insekten vor, und die.Blumen- - scheide ist gleichsam die Decke der Puppe, und wie sich in der Puppendecke oft schon der Abdruck des Insektes zu erkennen -gibt, so zeugen auch die schön geformten Blätter, die gewöhnlich mit der Blumenscheide - zugleich er- scheinen, von der’ höheren Bildung dieser, Pflanzen. Im Pflanzenreiche hat die Natur die niederen Formen, die im Thierreiche nur als Metamorphosen erscheinen, noch als eigenthümliche Formen dargestellt, wie schon hier aus den beiden vorhergegangenen Unterklassen zu ersehen ist, und so geht die Natur auch noch in den meisten folgenden Klassen zu Werke, und daher sind alle Systeme, die diese niederen Formen von den höhern streng absondern, nicht natürlich zu nennen, und obwohl sich" die vollkommeneren Formen für Sich leichter zusammenstellen lassen, desto schwerer ist es dann mit diesen unvollkommeneren, die sich nie unter einen ‘gleichen Hut bringen lassen, weil sie melıreren Klassen, die sich nie vereinigen, angehören.

3. Coronanthi. Diese Unterklasse enthält Pflanzen, welche 6, selte- der :,—3 oder +'/,—9 Staubgelässe mit einer 6blältrigen oder 6thei- ligen, selten 3theiligen, bei Phylidrum 2theiligen Blumendecke haben, oder sehr selten /s=%4 oder + '/,—=8 Staubgefässe mit einer Blumendecke,

4*

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44

die in. ihrer ‚Theilung mit der Zahl der Staubgefässe übereinkömmt, sehr selten viele Staubgefässe mit einer 6theiligen Blumendecke, sie stehen meist auf der Blumendecke, selten am Blumenboden, sind auch seltener von den Pistillen als blosse & Blumen getrennt. Der Fruchtknoten entspricht in sei-. nen Fächern meistens der Zahl 3, selten 6, so wie oft die Griffel oder Nar- ben. Hieher gehören: Taccaceae, Hydrocharideae, Alismaceae (Hydropeltideae), Junceae (Restiaceae, Melanthaceae), Palmae, Asparageae, Bromeliaceae, Aspho- deleae, Liliaceae, Narcissineae, Irideae, Commelinaceae.

Die Blumen dieser Pflanzen stellen gleichsam verschieden entwickelte In- sekten dar, so gleichen z. B. die Commelineae den halbhartflügeligen, die Junci und Palmae den hartflügeligen Insekten, und die. Lilien selbst gleichen durch ihre Gestalt, Farbenpracht und Glanz am auffallendsten den Schmetterlingen.

4. Cheilanthi. , Diese Unterklasse enthält Pflanzen mit unregelmässigen, meist 6theiligen Blumendecken, von denen immer ein Lappen eine sehr aus- gezeichnete und verschiedengestaltete Lippe bildet, die den übrigen Lappen, die manchmal auch mehr oder weniger unter einander verwachsen sind, aber sich doch erkennen lassen, entgegengesetzt ist ;, seltener sind 3 Lappen nach aussen gedrängt, und sondern sich von der Blume gleichsam als ein 3blättriger Kelch, oder es erscheint ausser der Blumendecke ein kleiner zahn- artiger Kelch (Stylidieae). Staubgefässe meistens 1, selten 2, sehr selten 3, . oder 6, wovon einer verkümmert 5, der einfache, oder doppelte oder dreifache steht meistens auf der säulenartigen Narbe, oder hängt mit der- selben verschieden zusammen, die 5 oder. 6 stehen am Fruchtknoten. Die Frucht ist immer eine untere, 2- meistens 3fächerig, Hieher ee Scita- mineae, Orchideae, Stylidiene.

Die Blumen dieser Püanzen stellen oft täuschend die Hymenoptera der Insekten dar, und zwar bildet das labellum den gestielten Hinterleib des Insektes. (Fortsetzung folgt.) re

Miscellen

"*,#* Gegengift für Kupfersalsee. Aus den Beobachtungen, welche Hr. Roucher in der Gazette medicale de Strasbourg veröffentlichte, geht hervor, dass die gebrannte Magnesia die Symptome der Vergiftung mit Kupfervitriol gänzlich aufhebt, wenn sie nicht zu spät nach dem Einnehmen des Giftes verordnet wird. Die Dosis der erforderlichen Magnesia, um die Wirkungen des Kupfersalzes zu neutralisiren, beträgt wenigstens die achtfache Menge des genommenen Kupfervitriols. Es ist wahrscheinlich, dass die Ma- gnesia als Gegengift für alle Kupfersalze dienen kann, indem sie selbe zer- setzt und unauflöslich macht. Polytechn. Journai v. Dingler.

*,* Anwendung des Chloroforms bei mikrographischen Untersuchungen, Hr. Levo eur überwand mittelst Chloroforms die Schwierigkeiten, Thiere unter

| #

" dem Gesichtsfelde des Microscops ruhig zu erhalten; indem er dasselbe an einem Stückchen Schwamm oder Papier auf das Glas legt, auf welchem die Thierchen untersucht werden sollen. Infusorien ändern unter dem Ein- flusse des Chloroforms ihre Bewegungen vollkommen, kommen auch ganz zur Ruhe, nehmen aber ihren früheren Zustand wieder an, sobald das Chloro- form entfernt wird, Comptes rendus,

*,* Die Ursache der Muscardine-Krankheit der Seidenraupe besteht nach den Untersuchungen von Gu&erin-Me&neville, abgesehen von den mit- wirkenden nachtheiligen Einflüssen durch die Fütterung, den Temperatur- und Feuchtigkeitszustand der Lokalitäten u. dgl. in einem Schmarotzergewächs (Botrytis), welches sich durch Sporen fortpflanzt. Er sammelte diese, und übertrug durch Einimpfung derselben die Krankheit nicht nur auf andere bis dahin gesunde Seidenraupen und Puppen, sondern auch auf andere Spinner-

-_ Taupen. Eben da.

*.* Nach den Beobachtungen von Hornschuh und Schillin g, kom- men in der Ostsee drei Arten der Gattung Halichoerus vor: H. macro- rhynchus die langschnauzige, H, Grypus die krummnasige, undH. pachy- thynchus die dickschnautzige Meerrobe. Alle drei Arten sollen wesentliche Unterschiede in ‘den Dimensionen der Schädelknochen zeigen.

Frorieps Ntzen, ,

*,* Auf der Lord Hows-Insel (zwischen Neuholland und Norfolk-Island) ist a neuer ungeflügelter Vogel von der Grösse eines Wachtelkönigs entdeckt worden, und es sollen von demselben lebende Exemplare auf dem Wege nach Europa sich befinden. Das Fleisch dieses Vogels wird von den Ansiedlern der Insel wegen seiner Schmackhaftigkeit sehr gerühmt, und es steht zu be-

j fürchten, dass in Folge dieses Umstandes die Art dem Schicksale anderer Bre- vipennen, nämlich der Ausrottung bald anheimfallen wird. Gieichzeilig mit ‚der Entdeckung dieser neuen Art wurden auch viele Knochenreste mehrerer anderer Nügelloser Vögel auf Neuseeland en, wobei einige von kolos- saler Grösse sich befinden. Eben da.

| *,.* In Lemberg versammeln sich in dem wieder hergestellten Polytech- nicum wöchentlich einmal die Professoren, um wissenschaftliche Besprechungen

über Physik, Chemie, Mathematik und Naturgeschichte im ganzen Umfange zu

halten. Hiebei liegen Bücher und Journale die genannten Fächer betreffend vor, und cireuliren ‚unter den Theilnehmern. Auf diese Weise werden die

E neuesten Fortschritte der Wissenschaften schnell bekannt und eine erfolgreiche

Förderung derselben ermöglicht. Es steht zu erwarten, dass diese wissen- schaftlichen Zusammenkünfte demnächst organisirt und zur Bildung eines natur-

historischen Vereines Anlass geben werden. Briefl. Mitthlg.

«x Untersuchungen über den grünen Färbestoff der Blätter. Der

grüne Stoll, welchen man miltelst des Alkohols oder des Aethers aus der

Nehrzahl der Pflanzen ziehen kann, ist für eine organische ganz gleicharlige

$ bstanz angesehen worden,. welche man mit dem Namen Chlorophyl, oder

H es. grünen Pflanzenharzes bezeichnete.

—_Verdeil hat entdeckt, dass dieses grüne Pflanzenharz eine Mischung

ei nes vollkommen farblosen krystallisirbaren Fettes und eines farbigen Ele-

mentes ist, welches die grösste Aehnlichkeit mit dem das Blut rothfärbenden aru ındstoff besitzt, und niemals in vollkommen reinem Zustande dargestellt

verden konnte, u

Der Färbestoff der Pflanzen enthält wie der des Blutes eine bedeutende

..n

46

Um diesen auszuscheiden, ‘wurde aus einer 'siedenden Chlorophyl-Lösung in Alkohol der Färbestoff durch Zusatz einer geringen Menge von Kalkwasser gefällt. Die farblose Alkohollösung enthielt das Fett, während der Kalk den Farbestoff ganz niederschlug. Dieser wurle von dem Kalke mit Hilfe der ‚Chlorwasserstoffsäure und des Aethers abgesondert, welcher letztere ‘den grünen Stoff auflöst, worin 'sich an dem obern Theile der Flüssigkeit eine flockige Masse bildete. Durch Verdampfung des Aethers erhielt er dann den Färbestoff der Pflanzen in dem vollkommen reinsten Zustande. Comptes rendus.,

* #" Ueber den Erfolg der Einführung giftiger Materien in den Verdau- Hhpkupparat ces Menschen und der Hausthiere. Renault hat durch Versuche hachgewiesen, dass Schweine, und wahrscheinlich auch’ Hühner ohne Nach- theil alle Arten der Secretionsproducte, alle Abfälle von Cadavern roh oder gekocht, alles Fleisch von ansteckenden Krankheiten gefallener Thiere fressen können. Im Darmkanal der Pferde behielten jedoch die Giftstoffe des Rotzes und Wurmes ihre giftige Wirkung. Der Mensch, so sehr er auch dem Fleische, der Milch u. dgl. von erkrankt gefallenen Thieren als Nahrung wi- derstrebt, kann sie jedenfalls ohne Nachtheil für seine Gesundheit geniessen. (Ebend.) *,* Herr Carl Fritsch, Adjunkt an der k.k. Centralanstalt für Meteoro- logie in Wien, hat so eben in den Sitzungsberichten der kais. Akademie der Wissenschaften eine interessante Arbeit über, die Temperaturverhältnisse und die Menge des Niederschlags in Böhmen veröffentlicht, wobei er die durch die k. k. patr. ökonomische Gesellschaft in Böhmen veranstalteten meteoro- logischen Beobachtungen benützte. Die Zahl der Stationen war 44, und die Beobachtungen beginnen mit dem Jahre 1817, erstrecken sich jedoch nicht überall über gleiche Zeiträume, jedoch ist der Einfluss, welchen diese Ur- sache auf die Resultate haben könnte, durch die Art der Benützung der Be- obachtungen unschädlich gemacht. Die höchste mittlere Temperatur hat Karl- stein, nämlich 7.098 R., dann folgt Krzemusch bei Teplitz mit 7.986. Auch Prag gehört unter die wärmsten Punkte des Landes, es hat eine mitt- lere Temperatur von 66 R. Die geringste Wärme unter allen benützten Stationen zeigt Tepl,; nämlich nur 4% 96. Die Regenmenge sinkt. in der - Mitte des Landes (bei Prag) auf 14” im Jahre herab, wächst aber gegen die Grenze bis 30° und darüber; in Rehberg, im Südwesten Böhmens erreicht sie, . durch locale Verhältnisse begünstigt, die enorme Höhe von 621/,”. *„* Auf die Vervollkommnung des k. bot. Gartens zu Petersburg: wurden "im J. 1851 bereits 85,000 Silberrubel (— 90.700 Thlr.) verwendet. ‚Bei einer solchen kaiserl. Manificenz muss die Wissenschaft gedeihen. (Bot. Wochenblatt) _ *,* Ulcus tuberosus Lozon, eine Pflanze aus der Familie der Portulaceaen

in Die wird als Knollengewächs in Bezug auf Klima, Aussaat, Pflanzung, 9

Anwendung und im schmackhaften und nahrhaften Verhalten der Kartoffel - gleichgestellt, die es zu ersetzen vollkonmen geeignet scheint. (Bot. Wchbl.) *„”" Das Herbarium Nees v. Eserbecks, wird zum Verkauf ausgeboten, Es besteht aus 247 Bänden in Folio und 42 Bänden: in gross 4, umfasst 80,000 Bögen, zwar nicht so viele Species, doch grösstentheils Exemplare. von eigenthümlichem Werthe, als Varietäten oder nach ihrem Vaterlande, ihrem Standorte etc. abweichend. Ausser diesem kommen noch 63 Bäude Doubletten hinzu. (Bot. Wochenblatt.)

*,* Dr. Bernhardi’s Herbarium aus 340 Packeten: und 40,000 Species Phanerogamen bestehend, ist zu verkaufen. Auskunft ertheilt Gustav Stein- brück in Erfurt.

Literatur. Rostlinictvi öili nävod k snadnemu uröeni.a pojmenoväni rostlin v Cechäch, Morav& a jinych zemich rakousk&ho mocnäfstvi domäcich, Sepsal Daniel Sloboda. Prag 1852, ist als die Nr. 42 der Museumsschriften so eben in gr. 12 erschienen XLVIH und 733 Seiten stark. Curie’s Anleitung, die im mittleren Deutschland wildwachenden Pflanzen auf eine: leichte und si- chere Weise durch eigene Untersuchung zu bestimmen, wurde zum Leit- faden gewählt. Der Hauptzwek ist, in. dichotomischer Form die sich -am nächsten stehenden Gewächse strenge zu unterscheiden. Mit Benützung der 2. Ausgabe von Schultes österreichischen Flora ist die Zahl auf 660 Gat- tungen und 3000 Arten herangewachsen. Den grössten Theil der &echischen Namen hat er aus Presis Werken entlehnt, neue Namen jedoch keine gebil- det, sondern da, wo diese Namen nicht aus Presl entnommen sind, hat er die Volksnamen gewählt. Ohne sich gerade an ein System zn binden, hat er die Gewächse doch nach dichotomischer Art in natürliche Familien gebracht. Die Einleitung enthält 1. die Erklärung der "Pflanzentheile, 2. die Classification der Gewächse, 3. die Uebersicht der Pflanzen-Gat- tungen nach dem natürlichen Systeme, 4. die Erklärung über den Ge- brauch der Tabellen, 5. ein Register der gebrauchten Kunstausdrücke. Zwei Tabellen dienen zur Bestimmung der Gattungen und Arten. Eine Anleitung zum Sammeln und Präpariren der Gewächse vermisst man in dieser für den Anfänger gewidmeten ‘Schrift. Da der Verfasser haupt- sächlich die Bedürfnisse des Anfängers im Auge behielt, so hat derselbe blos das in den Hauptschfiften vorkommende Materiale benützt, ausser der Phanerogamie-nur jenen Theil der Cryptogamie aufgenommen, welchen auch Reichenbach in seiner Flora germanica excursoria aufnimmt, und nur sehr selten auch Variäteten aufgeführt. Bei manchen Gattungen hat er sich an die neuern Schriftsteller gehalten, und die Untergattungen nach deren Beispiel zu Gattungen erhoben, dagegen andere Gattungen z. B. Gentiana, Pinus, Centaurea und viele Andere in ihrer Linne’schen Deu- tung behalten. Auf jeden Fall müssen wir’ ihm und der Matice teskä Dank wissen, dass hierdurch den Freunden Florens techischer Zunge, endlich einmal das erste Werk in ihrer Muttersprache geboten ist, zur leichteren Bestimmung der heimischen Gewächse, und es ist nicht zu be- zweifeln, dass es von vielfachem Nutzen sein, und die Liebe zur Pflanzen- wissenschaft auch in diesem Kreise wecken wird, besonders weil es auf keinem andern Wege in so viele Hände hätte gebracht werden können, als auf diesem. 0, Kosmos. Entwurf einer physischen _ Weltbeschreibung von Alexander v. Humboldt Ill. Bd. 2. Abtheilung. In dieser unlängst erst erschie- nenen Abtheilung behandelt der berühmte Verfasser zuerst jene wunder- baren Gebilde am Sternhimmel, welche man mit dem Worte „Nebel- lecken“ bezeichnet, und welche der Gegenstand unausgesetzler Auf- merksamkeit von Seite der beiden Herschel gewesen sind, und welche -

[4

48

mehr als ein anderer Gegenstand zu Speculationen_ über dies "Werden und Gestalten der Sternsysteme anregen. Hierauf wendet sich der Ver- fasser unserem, dem Sonnensysteme zu, und schildert den Centralkörper des Systemes, die Sonne, die einzelnen Planeten und Nebenplaneten und die Cometen nach ihren individuellen Verhältnissen. Daran reiht Humboldt eine Untersuchung des Ringes des Thierkreislichtes (Zodiacallichtes), und Zusäize dem in frühern Bänden Angeführten über Sternschnuppen, Feuerkugeln, Meteorsteine. Damit schliesst der uranologische Theil der

physischen Weltbeschreibung und in den- Schlussworten stellt Humboldt .

noch Betrachtungen über die Stabilität unseres Systems an. Allein „was als blosse Möglichkeit bezeichnet werden muss, liegt ausserhalb des Gebietes einer physischen Weltbeschreibung. Die Wissenschaft soll nicht

überschweifen in das Nebelland cosmologischer Träume,“ Dr. J. Enserat. Sabrgana 1852. Einladung

zum

Abonnement auf die rühımlichft befannte Garten-Zeitfihrift: Bereinigte Frauendorfer Blätter.

Herausgegeben von ber praftifchen Gartenbaugefellfichaft in Bayern, »

redigirt von Eugen Yürit, Borftand der Gefellfhaft, Eigenthümer von Frauendorf, Ehren: Mitglied der Gartenz bau- und Sandwirthfchafts-Gefellfhaften zu Gras, Innsbrud, Wien, Gotha, Meiningen, Karlsruhe, Naflau, Zittau, Dresden, Lebedän, Benfa, Berlin, Brüffel, Marian St. Bes tersburg, Mühlhaufen, Greifswald ac. 9c.

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Jahrgang LE. S. 128 statt Hr. Fr. Zeil aus Linz ist zu lesen: Hr. Fr, Keilaus Lienz. \

S. 152 statt Hr. Fr. Kail zu lesen: Fr. Keil.

S. 266 als Custos der mineralogisch- tier Sammlung: Hr. Wilhelm Peiters, Cand. d. Med. derzeit Assistent der pathologischen Chemie.

Redakteur: -Med. Dr. Franz Anton Nickerl.

Druck von Math. Jeriabek.

MÄRZ, 1852.

Von der Zeitschrift „Lotos“ erscheint zu Ende jedes Monates ein Heft in der Regel

zu 1'/, Bogen. Der" Pränumeralionspreis für den ganzen Jahrgang beträgt ohne Post-

- versendung 2 fl., mit freier Postversendung 2 fl. 30 kr. und kann unmittelbar bei

dem Vereine , „Lotos“ oder in der J. G. Calve’schen Buchhandlung in Prag entrichtet

werden, welche, letztere. auch. Iuserate übernimmt. und mit 3.kr. die Petitzeile berechnet.

Vereinsangelegenheiten.

Versammlung am 27, Februar 1852.

Die Sitzung wurde mit der Fortsetzung der Vorträge über verglei- chende Knochenlehre;von Herrn Dr. Johann Cermäk eröffnet.*) Auf die Vorlesung des Protokolls der letzten Versammlung folgte die Mittheilung nachstehender Schenkungen für die Vereinssammlungen: Für die botanische Sammlung vom correspondirenden Mitgliede Herrn Sekretär A, Roth aus Rotenhaus 302 Exemplare getrockneter Pflanzen, und vom Ehrenmitgliede Herrn Dr. Streinz, k. k. Gubernialrath und Proto- medikus in Gratz, eine Parlie steyerischer Flechten und Blattschwämme in mehrfachen Exemplaren, -- Für die Bibliothek: % Vom Ehrenmitgliede Herrn P. M, Opiz „Beiträge zur Naturkunde.“ In 5 _ Verbindung mit mehreren Freunden verfasst und herausgegeben von Dr. und Prof. Friedr, Weber und Dr. D. M. H. Mohr I. Band, Kiel 1805; fe ferner von demselben: Dr. Augusti Quirini Rivini Lipsiensis introduclio 1 generalis in rem herbariam 1690. Sumptibus autoris Lipsiae, Die von Herrn Dr. Ellenberger angekündigten, Vorträge über Ent- _ wicklung und Anatomie der Chironomen und über Brayera anthelmintica wur- den auf eine der nächsten Sitzungen verschoben.

SR Versammlung am 5. März 1852.

" Herr Dr. Johann Öermak setzte seine Vorträge über vergleichende - Knochenlehre fort, verlegte jedoch den Schluss derselben auf die nächste Ver- sammlung, in welcher er auch die Demonstration zu dem diessmaligen Vortrage hachzutragen versprach. |

bh —————

*) Sieh Lotos $. 25.

50

Nach der Vorlesung des Protokolls der letzten Sitzung wurden folgende Schenkungen als eingegangen: gemeldet: Von Herrn P. M. Opiz: Myko- logische Hefte nebst einem allgemein botanischen Anzeiger, herausgegeben von Gustav Kunze und Johann Karl Schmidt, Leipzig 1816, 1. Heft; von dem- selben : Stirpium seiagraphia et icones ex musaeo Dominici Chabraei Med.

Doctoris. Coloniae Allobrogum 1666; vom k. k. Schulrathe Herrn Gregor Zeithammer 4 Stück Farrenkraut-Abdrücke aus den Kalkgruben bei Otten-

dorf in Böhmen,

Hierauf folgte ein Vortrag des Herrn Zawadil, in welchem derselbe eine Zusammenstellung der vorzüglichsten Krankheiten der Pflanzen gab.

Nach diesem Vortrage wurden mehrere Wahlen neuer Mitglieder

vorgenommen und die bisherigen ausserordentlichen Mitglieder,

Herr Suchanek k. k. Obercommissär und

Herr Zawadil, Lehramtskandidat, zu wirklichen Mitgliedern,

Herr Leopold Kerausch, Pharmaceut,

Herr Fridolin Keller von Schleitheim, k. k. Feldkriegs-commis- |

sariats-Accessist und Herr Georg Mäday, Kandidat der Bonn zu ausserordentlichen

Mitgliedern gewählt.

Versammlung am 12. März 1852.

Nachdem Herr Dr. Johann Czermäk seine Vorträge über verglei- chende Knochenlehre geschlossen hatte, drückte ihm der Präses, Herr Ministerial- rath von Sacher-Masoch in einer kurzen Ansprache den Dank im Namen der Anwesenden aus.

Hierauf sprach Herr Prof. Dr. A. Reuss über das Vorkommen des Bern- steins in Boden bei Falkenau,

Nach diesen Vorträgen wurde das Protokoll der letzten Sitzung verlesen und die H. Custoden berichteten über folgende eingelaufene Schenkungen an den Verein:

Für die Bibliothek:

Epimeliae botanicae auctore Car. Bor. Presl, M.et Ph. Doctöre, historiae naturalis professore p. o. in universitate Pragensi, geschenkt vom Herrn Verfasser. l

Abhandlungen Bor naturhistorischen Gesellschaft zu Nürn- berg 1. Heft mit 3 Kupfertafeln, Nürnberg 1852, geschenkt von der Ge- sellschaft.

- Vom Ehrenmitgliele Herrn P. M. Opiz: Monographia rhizospermarum et hepalicorum 1. Heft von J. Corda und }

Nerostopis &ili Mineralogia Jana Svat. Presla v Praze 1837. Rukovet

soustavnä k pouteni vlastnimu, s obrazy.

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|

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‘Für die botenische Sammlung war eine Sendung von 150 Species getrockneter Pflanzen aus Oesterreich von Hr. Dr. Robert Rauscher aus Linz eingelaufen,

Nach diesen Mittheilungen machte der Vorsitzende bekannt, dass in der nächsten Versammlung Hr. Prof. Dr. August Reuss seine angekündigten Vorträge über den Einfluss des kleinsten organischen Lebens auf die Bildung der Erdschichten beginnen werde.

Versammlung am 19. März 1852.

Herr Prof, Dr. August Reuss hielt den ersten Theil seines Vortrages über den Einfluss des kleinsten organischen Lebens auf die Bildung der Erd- schichten, *)

Nachdem das Protokoll der letzten Sitzung verlesen war, wurde ein ‚neuerliches Geschenk des Herrn P.M. Opiz für die Vereinsbibliothek

angemeldet:

Oekonomische Neuigkeiten und Verhandlungen, Zeitschrift für alle Zweige der Land- und Hauswirthschaft, des Forst- und Jagdwesens im österreichischen ‘Kaiserthume, herausgegeben von Christian Karl Andre, Jahrgänge 1811 1814.

Versammlung am 26. März 1852,

Herr Prof. Dr. Reuss gab die Fortselzung seines Vortrages „über den Einfluss des kleinsten organischen Lebens auf die Bildung der Erdschichten.* Hierauf wurde das Protokoll der letzten Sitzung vorgelesen und folgende Schenkungen durch die betreffenden H. Custoden mitgetheilt : Für die Bibliothek: Monographie der Mineral-Moorbäder zu Franzensbad bei Eger von Dr. Paul Cartellieri, k. k. Brunnenarzt und Director des Badehospitals in Fran- ‚zensbad. Zweite vermehrte Auflage, Prag 1852, geschenkt vom Verfasser _ (in 2 Exemplaren), von Herrn Med. & Chir. Dr. Wankel, Bergarzt zu Blansko in Mähren, „Chemische Untersuchungen über die Knochen und Zähne des Menschen und - “der Wirbelthiere mit Rücksichisnahme auf ihre physiologischen und patholo- 4 gischen Verhältnisse* von Freiherrn Dr. Ernst von Bibra. Schweinfurt 1844. & fi Für die botanische Sammlung war eine Partie seltener Pilanzen vom _ eorrespondirenden Mitgliede Herrn Med, Dr. Knaf aus Komotau mit einem Schreiben eingelangt, in welchem er anzeigt, dass der, von ihm im Jahre 1846 - “in der Regensburger bot. Zeitung unter dem Gattungsnamen Dibotrosper-

Smum bekanntgemachten Pflanze, in Folge des Prioritäts-Rechtes, der dieser 2 r

B '*) Eine Skizze hievon wird nach Beendigung der Vorträge im nächsten 2 Blatte geliefert werden.

E, 5%* h3

Ro,

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Pflanze von €. H. Schulz um einige Wochen früher ertheilte Name „Tripleu- rospermum* zu gelten habe; dagegen statt des Artnamens „pusillum“ der Name „bienne“ als bezeichnender, vorzuziehen sei, da er sich von. der zweijährigen Dauer dieser Pflanze vollkommen überzeugte,

Wissenschaftliche Mittheilungen.

Das natürliche Pflanzensystem als Stuffen- und Kreissystem _ nach Linneischer Methode dargestellt. (Fortsetzung.)

Die Idiostemones zeichnen sich durch freie, nicht untergeordnete Staubgefässe aus, welche an keine Zahl, an keine Stellung gebunden sind, und keine bestimmte Blumendecke bedingen, sie sind die Dicotyledones Juss, und gleichen den vollkommenen, den rückgradigen Thieren, bei denen auch 4 die artikulirten Gliedmassen nicht gebunden sind, sondern bei jeder Klasse unter anderer und verschiedener Form erscheinen, Die Einfügung der Staub- gefässe gibt hier den deutlichsten und entschiedensten Charakter, und sie ’sind

entweder am Fruchtboden eingefügt Thalamostemones, oderan dem unteren

Theile des Blumenkelches Calycobaseostemones, oder an dem oberen Rande, der Mündung des Kelches Calyeostomatostemones, oder sie stehenauf ei- nem excentrischen Kelche, einer Schuppe, oder wenn auch ein kleiner unansehn- licher Kelch vorhanden ist, so stehen mehrere zugleich auf einer Schuppe, oder gemeinschaftlichen Blumenhülle, oder gemeinschaftlichen Blumenboden, und die Blumen sind immer getrennten Geschlechtes, Calycolepidostemones, oder die Staubgefässe stehen endlich auf einer einblättrigen Blumenkrone Cor ol- Io stemones, wornach sie zunächst in die 5 genannten Klassen zerfallen. Class. III. Die Corollostemones haben ihre Staubgefässe tiefer oder höher in der Röhre einer 1blättrigen Blumenkrone eingefügt, sehr selten ist die Blumenkrone bis zum Grund gespalten und mehrblättrig, in diesem Falle sind aber die Staubgefässe immer auf den Blumenblättern deutlich ein- gefügt. Die Staubgefässe sind meistens in einer bestimmten Anzahl .vorhan- den, oft sind sie mit den Einschnitten der Blumenkrone gleich, manchmal doppelt, sehr selten kommen sie in einer mehrfachen “unbestimmten Anzahl vor. Sehr selten steigen sie von dem untersten Theile der Blumenröhre bis auf den Fruchtboden z.B. bei Erica, aber in diesem Falle ist die Blumenkrone nur welkend und nicht abfällig, Manchmal ist die Blumenkrone mit dem Kelche verschmolzen bei Nyctagineis und Aristolochieis, und die Eirfügung der Staubgefässe, da sie auf dem untersten Theile der Röhre stehen, ist etwas zweifelhaft, indess, da der Kelch die Natur der Blumenkrone angenommen hat, können sie auch füglich für blumenständig gelten. Die Blumenkrone ist hier

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sehr ausgezeichnet, und eben desshalb können sie darnach in 4 Unterklassen zertheilt werden, als

1. Cheilanthi, Darunter sind diejenigen begriffen, die eine 1- oder 2lippige, oder eine unregelmässige fast 2lippige Blumenkrone, mit welcher letzteren aber immer 2, oder 4 zweimächtige Staubgefässe verbunden sein müssen, haben, und welche eine mehr- oder vielsaamige Frucht hervor- bringen, wenigstens muss der Fruchtknoten in der Anlage vieleierig sein. - Hieher Lobeliaceae, Goodenoviaceae, Gesneriaceae, Bignoniaceae, Personatae, Rhinanthaceae, Orobancheae, Acanthi, Vitices, Labiatae, Lentibularieae,

2. Siphonanthi. Hieher gehören diejenigen, die eine röhrige Blumen- krone' mit einem regelmässigen Saume haben, selten ist die Blumenkrone un- regelmässig, oder 2lippig und in diesem Falle sind nie 2, oder 4 zweimäch- tige Staubgefässe damit verbunden, die Frucht ist mehr- oder vielsaamig, oder wenigstens ist der Fruchtknoten in der Anlage: vieleierig. Hieher Pri- mulaceae, Borragineae, Polemoniaceae, Convolvulaceae, Solanaceae, Genlianeae, Apocyneae, Asclepiadeae, Sapoteae, Gajuacanae, Jasmineae, Ericaceae (Rhodo- raceae), Epacrideae, Rubiaceae, Caprifoliaceae, Campanulaceae, Valerianeae.

8, Anthodiati. Umfasst diejenigen, die 'röhrige oder lippenförmige Blumenkronen, oft auch beide zugleich, auf einem gemeinschaftlichen Blumen- boden zusammengedrängt, und von einer gemeinschaftlichen Hülle anthodium eingeschlossen enthalten, und deren Frucht stets isamig ist. llieher Globu- lariaceae (Stilbe), Dipsaceae (Calycereae), Compositae.

4. Calycanthi. Haben entweder eine kelchartige trockene und blei- bende Blumenkrone, oder die Blumenkrone ist mit dem Kelche verschmolzen, derer Abgränzung sich meist durch‘ eine Zusammenschnierung zu erkennen gibt, so dass die erstere abfällt, und der Kelch meistens mit der Frucht ver- wächst, und in diesem Falle ist oft noch eine kelchartige Hülle, die auch öfters mehrere Blumen zugleich umgibt, und die man. daher fälschlich für einen’ wahren Kelch genommen. hat, vorhanden. Der wahre Kelch ist hier oft gefärbt, und am Grunde mit bleibenden Schuppen, oder Nebenblättern besetzt. _ Die Frucht ist 1samig, oder eine 1- oder vielsamige öfters ringsumaufsprin- gende Kapsel. Die Blumen stehen meistens in walzenförmigen, oder einseiti- gen Aehren, oder sind verschiedenartig zusammengeknäult, seltener vereinzelt _ wechselständig. Hieher Cucurbitaceae, Plumbagineae, Plantagineae, Nyctagi- neae, Aristolochieae.

"> Die Corollostemones gränzen zunächst an die Hypotactostemones, indem sie dieselben nicht nur in allen ihren 4 Unterklassen gleichsam wieder- holen, sondern auch ihre Staubgefässe noch etwas, obwohl nur indirekt gebunden sind. Die beiden Klassen haben hinsichtlich ihrer - Blumen-Bildung und Stellung eine so grosse Aehnlichkeit, dass man, wie man immer eine auf die andere folgen lässt, sagen kann, dass eine immer die Wiederholung der

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anderen sei; die Cheilanthi beider lassen sich so wie die Coronanthi und Siphonanthi vergleichen, und die verwachsenen Staubbeutel einiger Corolloste-

mones cheilanthi deuten nur auf Wiederholung der Hypotactostemones ichei-

lanthi, Die Anthodiati gleichen durch ihre auf gemeinschaftlichen Blumenboden » zusammengedrängten, und mit einer gemeinschaftlichen Hülle umgebenen Blu-

men nicht nur den Spadicanthis, sondern um so mehr noch dem Urtypus

derselben, den Farren, und zwar im weitesten Sinne den Amphisbetostemo-

nibus capsuliferis, denn das 1blättrige Anthodium stellt so gut die Kapsel des: Mooses dar, wie das vielblättrige für einen zusammengedrängten Wedel eines

Farren gelten kann, bei welchem die Spreublätter die Stelle des Indusium’s

vertreten. Die Anthodiati haben noch überdiess den Zweck, dass sie zu den Cheilanthis und Siphonanthis einen Gegensatz bilden, indem die Natur die bei: letzteren abgesonderten lippigen und regelmässigröhrigen Blumenkronen in den Anthodiatis verschmilzt, und das bei denselben vollkommen frei gewordene &

Prineip hier durch Verwachsung der Staubbeutel wieder einigermassen unter-

drückt, und dadurch einen Uebergang zur folgenden Unterklasse und Klasse

vorbereitet. Die Corollostemones calycanthi haben mit den Hypotactostemo-

nibus Lepidanthis eine grosse Aehnlichkeit theils durch den Blüthenstand, theils

durch die trockene und schuppige Gestalt ihrer Blumen, und der deutsche

Name Grasnelke für Statice gibt für diese Pflanzen einen vortrefflichen Begriff.

Die Corollostemones stellen gleichsam die Amphibien des Thierreichs dar, und. die oft hier vorkommenden stamina didyma scheinen die oft vorkommenden

4, paarweise sehr ungleichen Füsse dieser Thiere anzudeuten, Unter den

vollkommensten Pflanzen dieser Klasse scheint die Stapelia erkohren zu sein

durch ihre nackte Stengel, scheckkige, runzliche und stinkende Blumen diese

Thiere am besten zu repräsentiren. Die Corollostemones calycanthi zeigen nur eine unvollständige jugendliche Entwicklung an, und so wie die jungen Thiere

der Amphibien, unvollständig ohne Füsse mehr einem Fische ähneln, so ist auch

bei diesen Pflanzen die Einfügung der Staubgefässe, ob auf der Blumenkrone,

ob auf dem Kelche etwas zweifelhaft, so wie bei der nächst folgenden Klasse,

die die Fische repräsentirt. Naturgemäss, wie ich noch später darthun werde,

findet von hieraus einerseits ein Uebergang zu den vollkommensten Pflanzen,

den Thalamostemonen statt, denn wenn die Staubgefässe durch die: Blumen- _ röhre ganz hinabsteigen, so gelangen sie auf den Fruchtboden.

Class. IV. Die Calycolepidostemones zeichnen sich vorzüglich. durch das fast immer verschieden getrennte Geschlecht ihrer Blumen aus, die meistens klein und unansehnlich sind, und in den Achseln von Schuppen in Gestalt von Kätzchen oder Knäulen zusammengehäuft stehen, die Staubgefässe stehen auf excentrischen, die Stelle des Kelches vertrettenden Schuppen, oder wenn auch wirklich Kelche vorhanden sind, so stehen mehrere zusammen auf einer Schuppe, oder allgemeinen Blumenhülle, oder allgemeinen Blumenboden,

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der oft fleischig und von verschiedenartiger Form, als kolbenartig, kuglich, eiförmig, verschlossen, oder an der Spitze mehr und weniger geöffnet, oder sternförmig, oder schüsselförmig ausgebreitet ist, oder doch wenigstens sind die Kelche der & Blumen von denen der ® verschieden. Die Blumenkrone fehlt gänzlich. Die Frucht ist grösstentheils 1samig, oft nussartig, auch beerenartig, seltener kapselartig, und dann auch manchmal vielsamig. Grössten- theils Bäume und Sträucher, doch auch mitunter schwache krautartige Ge- wächse, Hieher gehören die Urticeae (Pipereae, Datisceae), Juglandineae

(Pistacia), Amentaceae, Cycadeae, Coniferae.

Die Calycolepidostemones schliessen sich zunächst an die Am- phisbetostemones capsuliferi, und sind in wahrem Lichte betrachtet nichts an- deres, als eine Wiederhohlung derselben im ganzen Umfange nur auf höherer Stuffe, daher lassen sie auch wie selbe keine weitere Abtheilung zu, und

‚ihre Ordnungen finden in jenen ihre- Repräsentanten, so repräsentiren Equi-

setum die Coniferas (Casuarina), die eigentlichen Filices die Cycadeas, die moosarligen, besonders Lycopodium die schuppigen Kätzchen der Amentaceen so, wie ich schon bei den schuppigen Aehrchen der Gräser dargethan habe, die Rhyzöspermae und Patmaceae lassen sich in den Urticeen erkennen, und Dorstenia kann eben so gut eine Raflesia, wie eine ungekehrte Marchantia vorstellen. Nachdem die Natur in den 2 früheren Klassen zum Theil die

Amphisbetostemones capsuliferi gesonderte, zum Theil eigends entwickelte

Formen auf gleiche Weise wiederhohlt, und in den Hypotactostemonibus das weibliche, in den Corollostemonibus das männliche Prinzip vorwalten liess,

- verschmilzt sie in den nun folgenden Calycolepidostemonibus wieder alle For- men, wie in den Amphisbetostemonibus capsuliferis, und gleicht das @ mit

dem & vollkommen aus, indem sie beides auf blossen Schuppen, oder beson-

- deren Kelchen auftretten lässt, und beginnt von hieraus wieder neue Entwik-

kelung in den folgenden Klassen, in welchen sie wieder in den Calycosto-

- matostemonibus das Q, in den Calycobaseostemonibus das 5‘ vorwaltend aus-

bildete, und beides wieder in den Thalamestemonibus vollkommen ausgleicht.

‚In Hinsicht auf das Thierreich entspricht diese Klasse den Fischen, denn so

wie es zweifelhaft ist, ob die Flossen der Fische zu Füssen, Händen, oder

- Flügeln gerechnet werden sollen, eben so zweifelhaft ist die Stellung dır - Staubgefässe bei dieser Klasse in Bezug auf die übrigen. Die nadelartigen

ö

kamm- oder büschelförmig gestellten Blätter der meisten Coniferae lassen sich einigermassen mit den Kiemenblättern der Fische vergleichen, ferner erschei-

men oft die Blätter selbst, meistens die Blumen- und Fruchtzapfen aus blossen - Schuppen zusammengesetzt, und die Befruchtung beider hat darin viel Aehn-

lichkeit, dass der männliche Same in ungeheurer Menge abgesondert wird, dass

Nadelbäume oft ganz bepudert aussehen, und dass deren Staubbeutel einfäche-

rig sind, wie die Milchsäcke der Fische.

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Class. V. Die Calycostomatostemones haben ihre Staubge- fässe an dem oberen Rande des Kelches eingefügt, wo. sie gewöhnlich inner- halb der Kelchabschnitte oder Kelchzähne in einem gleich hohen Ringe herum- stehen, seltener (und diess scheint der Anfang zu sein, : Proteaceae) stehen sie auch auf den Kelchlappen selbst. Die Blumenkrone ist:mehr- oder viel- blätterig und mit den Staubgefässen zugleich eingefügt, oft auch fehlend. Die Frucht ist sehr verschieden, und darnach zerfallen sie in 4 Unterklassen, als:

1.Monospermi, Die Frucht ist 1fächerig und 1-samig, sehr selten (nur als Uebergang zu den folgenden) mehrsamig. Der Kelch ist blumenblattlos und ‚öf- ters gefärbt. Hieher Proteaceae, Ulmaceae (Celtis), Thymeleae, Eleagni (Ter- minalieae), Santoleae (Sclerantheae).

2. Synspermi. Die Frucht besteht aus 2, oder mehreren Asamigen Früchten, die um eine Mittelaxe verbunden sind. ; Hieher Bruniaceae, Umbelli- ferae, Araliaceae.

3. Teichopolyspermi.‘, Die Frucht ist mit Wandsamenträgern ver-

sehen, sie ist entweder einfach und vielsamig, wenigstens vieleiig, und nur.

aus Fehlschlagen 1samig, oder sie ist aus mehreren Früchten zusammenge-

setzt, die. Früchtchen selbst sind 1samig oder. vielsamig, frei, oder vom. Kelche verschiedenartig eingeschlossen, Hieher Corneae, Rosaceae, Calycan-,

theae, Granateae, Loaseae, Cacteae, Grossulariene, Combretaceae (Memecyleae), Halorageae. RR 4. Axipolyspermi. Die Frucht ist einfach, viel- oder 1fächerig mit centralen, oder axenständigen ‚Samenträgern. Hieher Onagrariae, Melasto- maceae, Philadelpheae, Myrtaceae. _ Die Calycostomatostemones schliessen sich zunächst an die Ca-

Iycolepidostemones an,‘ und. wiederhohlen in.ihren beiden ersten Unterklassen.

noch niedere Formen, was schon ihre Frucht. beweiset, die aber schon geson- derter erscheinen, und trotz ihrer vielseitigen Aehnlichkeit: mit den niederen Formen früherer Klassen keinen bestimmten, oder nur einen vielseitigen Ver- gleich aushalten, nnd die einzigen Umbelliferae lassen sich noch am besten

als hoch gestellte Farren. erkennen, woher auch. ihre Aehnlichkeit - mit den;

Compositis, die auf einer anderen Stuffe dasselbe vorstellen, rührt. In Deu- tung auf das Thierreich, scheinen sie die Reptilien vorzustellen, denn so wie bei diesen die Anzahl der Gliedmassen verschieden ist, und vielen sogar die-

selben mangeln, und selbe zum Theil durch die Zähne dieser Thiere ersetzt.

worden zu sein scheinen, so scheint diess auch die Natur bei diesen Pflanzen durch die Anheftung der Staubgefässs am oberen Rande, oder Munde des Kelches angedeutet zu haben. Die Schildkröte streckt ihre Gliedmassen beinahe strahlend aus dem rundlichen Schilde hervor, und zieht ‚selbe zurück, wie

auch die Staubgefässe bei diesen Pflanzen vor der Befruchtung in dem Kelche

zurückgebogen liegen, und so wie die Schildkröte nur eine höher entwickelte Form

NN:

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einer Moluske darstellt, sind die Umbelliferae auch nur eine Wiederhohlung - der Farren. So wie es:unter den Reptilien viele giftige Arten gibt, kommen auch unter diesen Pflanzen viele giftige, oder stechende, oder brennende vor, und so wie die Reptilien trotz ihrer schönen Gestalt und Färbung doch immer . etwas Abschreckendes an sich haben, so ist es auch bei vielen dieser Pflan- zen, wenn sie gleich die prachtvollsten Blumen hervorbringen z. B, Caeti. (Beschluss folgt.)

Die Basaltberge in den Sudeten. Von Dr. Melion.

Drei Basaltberge erheben sich in fast gleicher Richtung am. Flussgebiete der Mora, Der am weitesten unter diesen westlich gelegene ist der Köhlen- berg bei Freudenthal. Er hat seinen Namen von den Köhlerstätten,: welche einst hier gewesen, Jetzt ist noch ein kleiner Theil des Abhanges mit Na- delhölzern bewaldet, der grösste Theil ist ein. fruchtbarer basaltischer Acker- boden von braunröthlicher Farbe, Der Köhlerberg auf seiner rundlichen Kuppe mit einer geschmackvoll erbauten Wallfahrtskirche verziert, erhebt sich süd- lich von Freudenthal zu einer nur unbedeutenden Höhe. Auf seinem Fusse, auf seiner Fahrstrasse, so wie auf den Ackerrändern ‚liegen die basaltischen- Lavastücke von der Grösse einer. Faust bis ‚zur Grösse, zentnerschwerer Blö- cke, theils einzeln zerstreut, theils haufenweise beisammen, Sie. werden ge- genwärtig geschlegelt als vortreffliches : Beschotterungsmaterial für die von

- Lobnig über Freudenthal führende Poststrasse benützt, Frei anstehend sieht man den Basalt am ganzen Berge nirgends, und selbst in Blöcken findet man R dichteren Basalt nur selten. Dagegen beobachtete ich vor mehreren Jahren auf der Südseite des Berges, wenige Schritte hinter der Kirche, an einer Stelle, wo man behufs der Gewinnung des basaltischen Sandes zum Aufbau E eines Klosters in Freudenthal eine Abräumung daselbst vorkommender Sand- z schichten vornahm, dass dieser basaltische Sand mit grösseren Auswürflingen - von sehr unregelmässiger Form und Grösse wechsellagere. Die Auswürflinge, x welche viele und mitunter sehr grosse Blasenräume zeigten, enthielten Magnet- r kies, welches auf frischem Bruche messinggelb war, aber sehr bald tomback- 3 braun anlief. ‚Die meisten Lavastücke sind grau oder rothbraun, und voll kleiner lee- rer Blasenräume. Nur in den compakteren Basaltmassen fand ich Olivin. Darf ich ‚hier einen Vergleich mit den Basalten Böhmens machen, so muss ich er- wähnen,. dass ich eine grosse Aehnlichkeit mit.den Basaltgebilden des Kom-, merbühls bemerkte; doch sind die Lavastücke‘ der Basalte des mährisch-schle- sichen Gesenkes weit poröser und leichter. Die nächste Umgebung des Köhlerberges. ist Thonschiefer und Grauwak-

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kenschiefer. Letzteren sieht man am besten entblöst in der Nähe der Ga- briel’schen Tuchfabrik in jenem Hohlwege, welcher in den oberen Theil des Dorfes Messendorf führt.

Weit interessanter ist der Raudenberg, einerseits wegen der Fern- sieht, welche er darbietet, anderseits wegen der erstaunlichen Menge daselbst vorfindlicher Lavamassen. Auch ihn umgibt und bildet der in den mährisch- schlesischen Sudeten überhaupt vorherrschende Thonschiefer. Auf seinem nördli- chen Abhange gegen das Morathal liefert er einen brauchbaren Thoneisenstein, der hier schon seit mehreren Jahren abgebaut wurde. “Gegenwärtig ist der grösste Theil des Berges kultiviret, und auf den Ackerrändern liegen die aus dem sehr fruchtbaren Boden mühsam entfernten Lavastücke haufenweise bei- sammen, Letztere kommen im Allgemeinen mit jenen des Köhlerberges hin- sichtlich ihrer Beschaffenheit fast ganz überein, nur ist das Vorkommen des Olivins hier seltener,

Von dem- Moraflusse geschieden liegt auf dem Territorium Raase ein Steinbruch im Basalttuff, der eine Menge der verschiedenartigsten Gesteins- fragmente in sich schliesst, und schon seit undenklichen Zeiten zu Gesimsen, Trögen u. dgl. bearbeitet wird.

Da sowohl der Raudenberg als auch dieser Basalttuff schon mehrseilig in geognostischer Beziehung bekannt sind, verweile ich bei denselben nicht länger und wende mich zu dem bisher noch gar nicht geognostisch berücksichtigten und in dieser Beziehung noch gar nicht beschriebenen Venusberg.

Der Venusberg, eine Stunde östlich vom Freudenthaler Köhler- berg und fast in der Mitte zwischen diesem und dem Raudenberg, erhebt sich östlich von Messendorf und südlich von der gleichnamigen Papiermühle in sanfter Steigung zu einer dem Köhlenberge ziemlich gleichen Höhe.

Dort wo durch die Anlegung der von Freudenthal nach Hof führenden

Strasse, im Dorfe Messendorf gegenüber dem Wirthshause, das Gestein vom Humus enlblöst zu Tage steht, trifft man einen durch Atmosphärilien ange- griffenen Thonschiefer. In südlicher Richtung, entlang dem Dorfe, ist die westliche Abdachung des Venusberges mit fruchtbarem Boden bedeckt. Im .Dorfe selbst liegen am Wege basaltische Lavastücke von verschiedener Grösse, theils als Schottersteine, theils als Gerölle umher, je nachdem sie aus den Aeckern dieses Berges absichtlich oder durch elementäre Ereignisse mochten herabgeführt worden sein. Ungleich grössere Stücke findet man aber zunächst der von Freudenthal nach Hof führenden Strasse in dem der Messendorfer Papiermühle gegenüber stehenden Walde. Diese liegen hier einzeln als Blöcke zerstreut umher, und haben die grösste Aehnlichkeit mit den an der westli- chen Abdachung des Raudenberges liegenden Lavastücken.

Wiewohl die Besteigung des Venusberges wegen seiner sanften Nei-

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gung von allen Seiten nicht beschwerlich ist, so ist sie dennoch von der

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2d

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melrmal im ‚Begriffe war, einer genaueren Untersuchung dieses Berges eine - Exeursionszeit zu widmen, so war ich doch nicht dazugekommen, dass ich die „Mineralprodukte dieses basaltischen Berges an Ort und Stelle untersucht hätte,

Messendorfer Kirche am bequemsten, und dabei zur leichtern Auffindung der verschiedenen dortigen Vorkommnisse am zweckmässigsten. Unweit der Kirche trifft man nicht nur die mannigfaltigsten Lavastücke von verschiedener Form, Grösse und Farbe, sondern auch von verschiedener Textur und Festigkeit. Wendet man sich von hier gegen den Gipfel des Berges, so findet man auf einem dahin führenden Feldwege Bazalt als Gerölle in ausgezeichneter Kugel- form. Die Basaltkugeln haben hier die Grösse einer Haselnuss und sind Ab- lösungsstücke eines aus lauter solchen kuglichen Stücken formirten Basaltes, deren Bindungsmittel selbst wieder nur aufgelöster Basalt zu sein scheint. Am Gipfel des Berges, der eine schöne Fernsicht und einen interessan- ten Ueberblick über mehrere umliegende Ortschaften bietet, findet sich basalti- sche Lava stellenweise in grösseren Massen angehäuft. Es sind diese mehren-

theils nur durch den Fleiss des Landmannes aus den fruchtbaren mit röthli-

chem Humus bedeckten Aeckern fortgeschaffte und hier angehäufte Stücke. Die wenigsten mögen ursprünglich hier abgelagert worden sein, Unfere dieser .aufgehäuften Lavamassen, und zwar noch weiter östlich in der Richtung gegen Karlsberg, findet man dort, wo sich der Berg auf der Südseite ab-- flacht, das sogenannte Venusloch. Es ist dieses eine kleine Höhle, de- ren Eingang durch grössere Basaltmassen so verengt ist, dass er kaum genug gross ist, um einem Erwachsenen ein mülısames Durchkriechen zu gestatten. Die Höhle ist übrigens so niedrig, dass sie mit Recht nur ein Loch genannt werden kann. Fabelhafte Sagen erhielten sich über das Venusloch bis in unsere Zeit. In der Nähe des Venusloches liegen in dem umgebenden nie- drigen Gestrüppe einige Lavastücke. Mehrere Stücke verschiedenfarbiger Lava finden sich auch in nördlicher Richtung gegen die Messendorfer Papiermühle am Rande eines Ackers, wohin nach der Aussage eines Ackerbesitzers schon viele tausende Fuhren umherliegender Lava in eine trichterförmige Vertiefung zu deren Verschüttung (bei der Reinigung der anstossenden Aecker) geführt worden sind. a

Die basaltische Formation dieses Berges ist ganz analog jener des Köh- ler- und Raudenberges. Man findet hier feste und lockere, rothe, braune, graue und schwarze Lava; in mancher kleine, mehr in die Länge entwickelte, fast nadelförmige Augitkrystalle, doch höchst selten, und eben’ so selten Olivin. _

- © Ein meines Wissens ebenfalls noch gar nicht näher gewür-

digter Basalt ist jener des rothen Berges bei Bärn. Wiewohl ich

Die in Gundersdorf liegenden Blöcke, welche man vom rolhen Berge hieher geschafft hatte, und die ich hier besichtigte, liessen jedoch nieht den

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geringsten Zweifel, dass sie so wie die Lavastücke des Köhler-, Venus- und Raudenberges vulkanischen Ursprungs seien.

Als eine von mir gemachte Beobachtung wäre noch zu ER, dass der Thonschiefer überall dort, wo er in den Sudeten den Basaltbergen sich nähert, stellenweise eine mehr grauwackenarlige Struktur anzunehmen. scheint H so zeigte sich (diese namentlich am Fusse des Köhlerberges bei der Gabriel- schen Tuchfabrik und in der Nähe des Basalttuffes bei Raase, Auch zwischen Gundersdorf und Bautsch findet man körnige Grauwacke. In welcher ' Bezie- hung aber diese grossen Geschiebe zu den basaltischen Gebilden. des rothen Berges stehen, wage ich nicht zu entscheiden, da ich darüber keine weiteren Forschungen unternommen habe.

Die Wirbelsäule der Fische. Von M. Dormitzer,

Custos am böhmischen Museum,

Es ist: noch nicht lange her, dass man sich vorstellte, alle Wesen unserer Schöpfung: bildeten eine zusammenhängende Reihe von verwandten Formen, die von den.niedrigsten Pflanzen anfangend in immer steigender, Vollkommenheit aufwärts sich erstreckte, bis sie den Gipfelpunkt aller irdischen Schöpfung, den Menschen, erreichte.: Aber man bemerkte, dass bald hier eine gewaltige Lücke sich bil- dete, bald dort ein Geschöpf sich in die Reihe nicht hineinbringen liess, ohne die Existenz desselben zu gefährden... Anfangs liess man die Sache gehen, als aber dieser Erfahrungen zu viel wurden, ‘musste man ‚auf Mittel. denken, aus dem Dilemma zu kommen. Durch fortgesetzte Erfahrung und Beobachtung fand sich denn bald, dass es nicht blos eine, sondern mehrere Reihen gäbe, die parallel mit einander verlaufend, oft auch durch Querreihen verbunden, ein. Netz bildeten, das uns jedoch bis jetzt noch nicht vollkommen klar ist, weil uns eine ‚grosse Menge von Mittelgliedern mangelt.

Sehr deutlich zeigt sich dies bei den Fischen, besonders nach den schönen Entdeckungen, die Herr Heckel in Wien in den Sitzungsberichten der k. k. Akademie der Wissenschaften daselbst veröffentlicht hat. +}

Bekanntlich theilte man bis jetzt die sämmtlichen Fische in zwei grosse Unterklassen: Knerpel- und Knochenfische. Man zeigte, dass jene einer Entwicklungsepoche der letzteren analog gebaut wären, und stellte.eine Reihe, von Amphioxus ianceolatus bis zu den Stören aufsteigend, als ein zusammenhän- gendes Ganzes hin. Betrachtet man die Vorgänge der. Verknorplung : und Ossifikation der Wirbelsäule nur im Allgemeinen und ohne auf die Details‘ Rücksicht zu nehmen, so möchte wohl wenig daran! zu 'erwiedern sein; und doch finden sich in diesen Einzelnheiten manigfaltige Verschiedenheiten, die auch mit andern anatomischen Charakteren zusammenfallend die höchste Be-

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rücksichtigung verdienen. So finden sich dena bei genauer Beobachtung des Ossifikationsprocesses zwei verschiedene Bildungstypen ausgesprochen, indem ‚die Ossifikation entweder von den Wirbelkörpern oder von den Dornfort- 'sätzen und Wirbelbögen ausgeht.

Die sogenannten Cyclostomen und Plagiostomen, also die Hauptmasse der sogenannten Knorpelfische, gehören zu den erstern. Die Cyclostomen zeigen nur eine einfache Chorda ohne alle Theilung in Wirbel, und die Hüllen des Rückenmarks und der grossen Gefässe sind ebenfalls häutig und ungetheilt. Bei den Selachiern beginnt zuerst eine Spur von Wirbeln sich zu zeigen, indem bei einigen von ihnen (Notidanus etc.) die Wirbelsaite durch senkrecht stehende ‘Membranen in Fächer abgetheilt erscheint, Jede Membran entspricht der Mitte

eines Wirbelkörpers und bei fortschreitender Entwicklung bilden sich nach und nach die Wirbelkörper in der gewöhnlichen Form mit concaven oder vielmehr triehterförmig ausgehöhlten Geleukflächen. Aber Markkanal und Ge- fässscheide sind noch häutig, die Apophysen auf der Unterseite, so weit die “"Bauchhöhle reicht, als feine Leisten mit, den Wirbelkörpern entsprechenden linien- förmigen Hervorragungen bemerkbar, und erst hinter dem After als wahre ‘Apophysen hervortretend. Während hier die Ossifikation von innen nach aussen fortschreitet, ist dies bei Chimaera gerade umgekehrt. Die Wirbelkörper- sind hier auf ‘der Aussenseite der Chorda durch knöcherne Ringe bezeichnet, so ‚dass das Ganze fast ‘wie eine Luftröhre aussieht, und die Chorda dadurch "kaum merklich eingeschnürt erscheint, Neur- und Haematopophysen sind weich, häutig, fast ohne Eintheilung in Bögen. Bei der zweiten grossen Abtheilung, "wo die Ossifikation bei den Dornfortsätzen beginnt, begegnen wir drei Unter- abtheilungen, den Ganoiden, den übrigen Teleostiern und den Stören.

Die Ganoiden unterscheiden sich dadurch sehr auffallend, dass ikre Wir-

belsäule immer, mag. sie nun verknöchert sein oder nicht, in eine nackte, ‘knorpelige, Chorda und Rückenmark enthaltende Hülse en- digt.*) Untersuchen wir die ältesten bekannten Ganoiden, z. B. Coelacanthus “und Palaeoniscus, so finden wir eine nackte, knorplige Chorda, auf welcher "oben und unten die Dornfortsätze mittelst einer Art von Gabel, den obern "und untern Bögen aufsitzen. | Diess ist der Fall bei allen Arten aus der palaeozoischen (und Trias - ?) Periode, soweit wir sie kennen, was freilich nur sehr wenig der Fall ist, da "man wohl häufig die Aussenseite dieser Fische, aber nur äusserst selten ihr ‚Skelett findet. Bei den Ganoiden der spätern Zeilen zeigt sich, dass’ die Chorda von eigenthümlichen getrennten, nicht arlikulirten halben Hülsen oben

eh) ‘Siehe H. Heckel: „Ueber das Wirbelsäulen- Ende bei Ganoiden und Teleostiern,* Sitzungsbätfchte der k, k. Akademie der Wissenschaften. 1850. Julius- „und November-Heft,

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und unten gedeckt und eingehüllt ist, d. h. dass die Ossifikation'sich nur von den Dornfortsätzen auf die oberen und unteren Wirbelbögen und auf die Aussenseite der Chorda ausgedehnt hat. Diese halben Schilder oder nach Heckel Halbwirbel sind von halbkreisförmiger Gestalt, mit bald glattem, bald gezähneltem Rande, und sind entweder alternirend, oder gegen- ständig auf der Chorda angebracht. Im erstern Falle sind sie oft so wenig -aus- gebildet, dass sie die Seiten der Chorda nackt lassen ; oft aber sind sie breiter und greifen mittelst ihrer gezähnten Ränder so in einander, dass die Chorda ganz ein- gehüllt ist, ohne jedoch eingeschnürt oder verengt zu erscheinen. An jedem. dieser Halbwirbel findet man auch 3 Paar nach vorwärts und 3 Paar nach rückwärts gewandle Gelenkfortsätze, welche fest in einander greifen und die Täuschung einer aus vollkommenen Wirbelkörpern bestehenden Wirbelsäule vollenden. Im zweiten Falle sind diese Halbwirbel mehr schnppenartig und schmal, halb- kreisförmig gebogen, und umfassen die Chorda mehr als zur Hälfte, so dass dieselbe da, wo die Halbwirbel einander berühren, durch eine doppelte Kno- chenlage gedeckt ist. Der Ossifikationsprocess schreitet nun nach innen mehr und mehr vor, bildet dann die bekannten, biconcaven Wirbelkörper und bei Lepidosteus sogar Wirbel mit einem nach vorn. gerichteten Gelenkkopf, das heisst, mit Wirbelkörpern, die nach vorn convex, nach hinten concav, das höchst entwickelte Skelett unter den Fischen bilden. Aber 'auch hier wie. bei allen Ganoiden bleibt das Ende der Wirbelsaite nackt und ohne Verknöcherung. An den Wirbeln, welche unmittelbar diesem nackten Ende vorangehen und. die mehr oder weniger verkümmert erscheinen, zeigt sich die Art und Weise der Ossifikation nach Vollendung der Halbwirbei sehr deutlich, Es verdicken sich die Wirbelplatten von der Seite, nicht von oben und unten, und die Verknö- cherung dringt nun keilförmig nach innen vor.

Die zweite Unterabtheilung, die der Teleostier, zeichnet sich dadurch aus, dass die Wirbelsaite entweder bis an das Ende ossificirt, oder im ent- gegengeselzten Falle unter einem Gerüste eigenthümlicher, dachförmig gestell- ‘ter Knochen verborgen ist, die von den vorletzten Wirbelknochen ausgehen und dieselben überragen. Man unterscheidet hier drei Gruppen. In der ersten ist das Wirbelsäulen-Ende unausgebildet, und Chorda und Rückenmark sind. in einer Knorpelkapsel unter den Dachknochen verborgen. Die Wirbelbögen sind hier entweder in Gruben der Wirbelkörper eingekeilt, wie z. B, bei den Sal- moniden, oder sie sind ‚unbeweglich ‚mit einander verwachsen, wie z..B. bej den. Cypriniden, Diese grosse Gruppe nennt H. Heckel a. a, O.: Dachschwänze ‚(Steguri).

Die zweite Gruppe ist in ihrer Entwicklung schon weiter fortgeschritten, ‘Die Chorda ist bis an das äusserste Ende ossificirt, aber der Rückenmarkska- nal verlängert sich über die letzten Wirbel hinaus in einer knöchernen Röhre bis zwischen die Strahlen der Flossen, z. B, bei den Pereiden.

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„Inder dritten Gruppe endlich endigt der Rückenmarkkanal zugleich mit der vollkommen zu Wirbelkörpern verwandelten Chorda in dem letzten Wir- belkörper selbst oder dessen untrennbaren Fortsatze, z. B. bei den Labriden. Wir wollen diese beiden Gruppen unter dem Namen der Teleostier zusammen- fassen, und noch etwas genauer in Hinsicht des Schwanzbaues mit den Ste- guren vergleichen, Während diese letzteren an dem letzten Wirbelkörper zwei eoncave Gelenkflächen besitzen, zeigen die Teleostier daselbst nur eine nach vorn gerichtete Gelenkhöhle, welche das Ende der Chorda enthält. Wie bei allen Ganoiden, setzen sich auch bei den Steguren die Strahlen der Schwanz- flossen sämmtlich, mit Ausnahme der oberen Stützenstrahlen, unter der Wir- belsäule an, es sind also alle Steguren und Ganoiden heterocerk. Dagegen sind die Teleostier homocerk, da ihre Chorda oder vielmehr Wirbelsäule

wirklich in der Milte der Schwanzflosse endet. Im Gegensatze mit den Ga*

noiden geht bei den Steguren und Teleostiern die Ossifikation beiderseits von der Basis der oberen und unteren Bögen, also von oben und unten, nicht von den Seiten, nach innen vor sich. Die dritte Unterabtheilung begreift endlich die Störe, die Chondrostei Müllers. Wie bei den vorigen geht hier der Ossi- fikationsprocess von den oberen und unteren Wirbelbögen aus, aber die Dorn- fortsätze und die hier wirklich vorhandenen Rippen. sind gegliedert, das ein- zige Beispiel unter den Fischen. Uebrigens sind die Seiten der‘ Chorda nackt und weichhäutig. Eigentliche Knochenfische dieser Reihe, zu welcher H. Heckel auch Lepidosiren zu rechnen sehr geneigt ist, sind noch nicht bekannt; H. Heckel glaubt darum mit Recht in ihnen den Urtypus einer neuen Classe von

‚Fischen zu finden, deren Entwicklung und Vervollkommnung künftigen Zeiten

vorbehalten ist.

Miscellen.

Biographische Skizzen böhmischer Naturforscher. Entworfen von Dr. Wilh. Lud. Weitenweber in Prag *) 1. Johann Christian Mikan.

- Dr. Johann Christian Mikan, emeritirter k. k. Professor der Botanik an der Prager Universität, Vicesenior der medicinischen Facultät und Beisitzer des akademischen Senats, Mitglied der kön. böhm. Gesellschaft der Wissen- schaften zu Prag, der k. k. patriotisch-ökonomischen Gesellschaft in Böhmen, der Gesellschaft des vaterländischen Museums, der k..k. Landwirthschaftsge- sellschaft in Wien, der mähr.-schles. Gesellsch. des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde in Brünn, der naturf. Gesellsch. zu Zürich und der oberlaus.

- -#) Der geehrte Hr. Verfasser hat uns zugesagt‘ eine Reihe biographischer Skizzen von einigen der bedeutenderen Männer der Wissenschaft, welche sich. um die Naturgeschichte überhaupt und jene unseres Vaterlandes insbesondere. verdient gemacht haben, zu entwerfen, und selbe in unserem Vereinsblatte: zu veröffentlichen. D..R.

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Gesellsch. der Wissensch. zu Görlitz u. s. w., wurde den 5. Dezember 1769 zu Teplitz geboren, wo sein Valer, Dr. Joseph Gottfried Mikan, damals Badearzt war, aber bald darauf als praktischer Arzt nach Prag übersiedelte und hier im J. 1783 zum Professor. der Chemie und Botanik an der Universität. ernannt wurde. Johann war der älteste Sohn aus der ersten Ehe seines Vaters, wel- cher sich in Wien mit dem Fräulein Marie Anna Margot de Chabat verehelicht hatte. Nachdem er, mit ausgezeichneten Geistesfähigkeiten ausgerüstet und zu den schönsten Hoffaungen berechtigend, in Prag die Gymnasial- und höheren Facultätsstudien zurückgelegt hatte, erhielt er im Jahre 1793 die.med. Doc- torswürde, Von Kindheit an der Natur vorzugsweise zugethan, in der tüch- tigen Schule seines ihm zum Vorbilde dienenden berühmten Vaters aufge- wachsen und gründlich unterrichtet, ist es leicht zu erklären, dass der junge Doctor keineswegs die ärztlich-praktische Laufbahn einschlug, sondern die Na- turwissenschaften, namentlich die Botanik und Entomologie, zu seinem fernern Lieblingsfache wählte. Schon damals entdeckte Mikan auf seinen häufigen na- turhistorischen. Ausflügen mehrere neue Arten von Schwebefliegen, welche er in einer. eigenen Schrift (Monographia Bombyliorum Bohemiae, Pragae 1796) beschrieb und abbildete, so wie er schon zur selben Zeit bei Durchwanderung der Gebirgs-Gegenden Böhmens einige neue Pflanzenarten fand, welche von Wildenow in seine Species plantarum aufgenommen..wurden ; wir. wollen hier . nur anseine Myosotis sparsiflora und die beiden Baldrianformen : Valeriana exaltata und sambucifolia erinnern. Hierauf ward er seinem Vater im Jahre 1789 von der hoben Regierung als Adjunkt zugetheilt, versah im Jahre 1800 die Lehr- kanzel der allgemeinen Naturgeschichte an der philosophischen Faeultät und ‚erhielt bald darauf, als die unter seinem Vater bisher vereinigt gewesenen’Lehr- _ kanzeln der Chemie, und Botanik, einem neueren Studienplan gemäss, getrennt warden, die letztere. Im Jahre 1811 erschien von Mikan eine, bei der damaligen Continentalsperre als besonders zeitgemässes Werkchen, mit vielem Beifalle auf- genommene Abhandlung über die Zuckererzeugung aus Ahornsaft. Als eifriger ' Pfleger seiner Lieblingswissenschaft vergass er jedoch bei seinem regen Gefühle für Humanität auch der Kranken und Armen nicht, so -dass er namentlich zum Besten des Barmherzigenspitals, des Spitals der Elisabethinerinnen und anderer Wohlthä- tigkeitsinstitute durch Veranstaltung von musicalisch-decelamatorischen Akademien, durch Verfassung von Gelegenheitsgedichten u dgl, nach Kräften dazu beitrug, um die allgemeine Noth der Jahre 1811 —12 zu lindern.

Bei Gelegenheit der Vermählung Ihrer kaiserl. Hoheit der Erzlerzogin Leopoldine mit dem .damaligen Kronprinzen von Brasilien, Don Pedro im Jahre 1817 wurde auf kais. Kosten unter andern Naturforschern, ‚nebst unserem Landsmanne Dr. J. Eman. Pohl, auch Professor Mikan behufs einer naturhisto- rischen Expedition dahin gesandt, wo er, cifrigst unterstützt von seiner ihn begleitenden, vielseitig gebildeten Gattin (Johanna geb, Wojt&ch) für die Wiener zoologischen. und botanischen Sammlungen mit dem entsprechendsten Erfolge insbesondere in der Gegend von Rio Janeiro sammelte, und.im No- vember 1819 wieder in Europa eintraf. Während seiner mehrjährigen Ab- wesenheit hatte Hr. Dr. Andreas Duchek die botanische Lehrkanzel supplirt und die Oberaufsicht über den Prager botanischen Garten geführt. Mehrere dort entdeckte neue Thiere und Pflanzen sind in dem Prachtwerke: Delectus Florae et Faunae brasiliensis (Vindob. 1820-25) von ihm, dem Stande der Wissenschaft gemäss, beschrieben und mit herrlichen Abbildungen versehen

fortwährend, das heimatliche Klima wollte ihm nicht mehr zusagen. Nebst verschiedenen gichtischen Zusländen, die er mit stoischer Geduld zu ertragen wusste, quälte ihn jahrelang ein chronisches Nervenleiden des rechten Oberarmes, _ dessen anfängliche Heftigkeit nur durch eine Reise nach dem wärmeren Him- melstriche des südlichen Italiens gemildert wurde. Hier sammelte er, selbst unter Schmerzen seinem Lieblingsstudium treu, nicht nur mehrere interessante Naturalien, sondern auch andere artistische, ethnographische Notizen, welche er nach seiner Rückkehr nach Prag, in einem, abermals zu einem "wohlthä- tigen Zwecke, und zwar zum Besten seiner, durch die Choleraseuche ver- unglückten Landsleute, herausgegebenen Werkchen:: : Kinder meiner Laune (Prag 1833, 2. Auflage) bekannt machte. Nebst manchen beachtenswerthen Mit- theilungen ernstwissenschaftlichen Inhalts möchten wir unter andern auch auf die darin befindliche, recht humoristisch gehaltene, parodirende Beschreibung der ‚Cholerathierchen aufmerksam machen. Das oben erwähnte Gichtleiden zwang ihn endlich, nach 35jährigem Dienste im öffentlichen Lehramte um seine Pen- sionirung Smansuchen, welche ihm auch im Jahre 1831 mit Belassung seines ganzen Gehaltes zu Theil wurde. Im Jahre 1843 feierte die Prager medici- nische Faculät Mikan’s fünfzigjähriges Doctorsjubilaeum, bei welcher Gelegen- heit ihm von einer Deputation nebst einer Beglückwünschungs-Addresse ein erneuerles Doctorsdiplom überreicht wurde. . Ausser den angegebenen. selbst- ständigen Druckschriften hatte Mikan einige Aufsätze in den Novis Artis Aca- demiae Naturae Curiosorum, in den Wirthschaftskalendern der patriotisch öko- nomischen Gesellschaft u. s, w., so auch mehrere, recht gelungene, Gelegenheits- gedichte veröffentlicht, Nach kurzem Krankenlager verschied Prof, Mikan in Prag am 24. Dezember 1834 im 77. Lebensjahre am Brande der Unterleibs- eingeweide. Der Name Mikan wird sich in der botanischen Wissenschaft auch durch die von Wildenow, zu Ehren Mikan’s des Vaters, aufgestellte Gattung Mikania erhalten !

E ı- (Wird fortgesetzt.)

65 worden. Seit ‚seiner Rückkehr aus Brasilien kränkelte Mikan leider beinahe

=’

Neue Pflanzen-Fundorte bei Tepl.

Cladonia pyxidata Hof. am Otterbühl und Spitzberg.

Cladonia rangiferina Hof, am Pletscherbühl.

Usnea florida Hof. am Podhornberge.

_ Lobaria islandica Hof. (Lichen islandicus L.) am ı Pletscherbühl.

Marchantia polymorpha L. auf Wiesen zwischen der Zapfenmühle und dem —Malzteiche ; bei Marienbad an den Auschowitzer Salzquellen.

-Sphagnum obtusifolium Ehrh. ($. ceymbifolium Swarz, am. Fusse des Pod- : hornberges.

Te traphis pellucida Hed, (Mnium pellucidum L.) Im Podhornwalde gegen Ha- rg „bakladrau.

A olyirichum urnigerum Hof. zwischen Ströhe u, dem Spiegelholz am Graben, Lyeopodium clavatum L. gegen Prochomuth und in Wäldern am Podhornberge. *Lycopodium Selago L. am Podhornberge (Konrad).

Botrychium Lunaria Sw. auf Wiesen bei Flötzen und am Stückerteiche; auf En... dem Flöhberge.

Polypodium vulgare L. auf Felsen zwischen Ströhe und der Rötselmühle gegen den Bach zu.

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Polypodium Phegopteris L. oberhalb dem Kreüuzbrunn bei Marienbad 6. W

Polypodium Dryopteris L. auf dem hohen Stein 6. 9,

Polypodium dentatum Hof. (Aspidium dentatum re im Mäuskönig, am Podhorn 6. 9.

Pteris aquilina L. bei Einsiedel auf der Herrn- Rauschenbacher- und Einsied- ler Haide. |

Asplenium septentrionale Sw. auf dem Malzrang bei Tepl.

*Asplenium viride Huds. zwischen Ströhe und der Röthelmühle selten zwi- schen Aspl. trichomanoides L. (Konrad.)

Asplenium trichomanoides L. auf dem Malzrang, häufiger bei Einsiedel an den Serpentinfelsen der Herrn- und Rauschenbacher Haide.

*Asplenium Adiantum nigrum Konrad (non L.) bei Einsiedel auf der Herrn- } und Rauschenbacher Haide (Konrad.) Ist A. incisum Opiz Böhmens Ge-

wächse 1823 p. 117. A. serpentini ß ineisum Tausch (nec Opiz.) *) Asplenium Ruta muraria L. am Kirchengraben in Tepl. Asplenium Filix foemina, Spr. im Podhornwalde Stenzker. Aspidium Filix mas, Sw. überall in Wäldern bei Tepl. Dr, Ott.

*,* Lolium italicum Al. Br. Auf der Kaiserwiese um Prag. Hr. Wolfner

fand diese Pflanze, und hat selbe in mehr als 100 Exemplaren an die Tausch- anstalt des Herrn Opiz 1846 unter dem Namen Lolium multiflorum übergeben.

*,* Anthemis ruthenica M. Bst fand Prof. Leonhardi 1851 auf Schutt- |

haufen um Prag.

Ueber einige Pflanzenarten im Herbarium florae bohemicae

des Professor Tausch. Von Wolfner.

Die in diesen Blättern fortgeführte Aufzählung und kurze Charakteristik neu aufgefundener Pflanzen unseres Vaterlandes haben mich veranlasst, sämmt- liche Pflanzenspecies des herbarium florae bohemicae, des leider für die Wis- senschaft zu früh verstorbenen Prof. Tausch einer genauen Revision und Diagno- stik zu unterziehen, um das reiche bereits vor 20 Jahren angehäufte Material mit den Fortschritten der neuern Systematik und Synonymik in Einklang zu bringen. Ich übergehe die gewöhnlichen Synonyme, die in jeder bessern Flora nachgeschlagen werden können und erlaube‘ mir nur hier einige neue oder zur Aufklärung zweifelhafter Species dienende, anzuführen. Eine spezielle Würdigung der Hieracium-Rosa- und Salix-Arten dieses treffllichen Herbars hoffe ich demnächst in diesen Blättern zu veröffentlichen, Herb. Nro. 29 d Ranuneulus trichophyllus Chaix ist R. paueistamineus Tausch !

Die Diagnose und der angegebene Standort: Lissa, in Kochs Synopsis, stimmen vollkommen mit vorliegender Pflanze überein, Koch gibt das Synonym nicht an.

*) In dem Catalog der Flora Böhmens p. 58 wird dieses Farnkraut unrichtig

mit dem Namen A. Serpentini ß ineisum Opiz benannt, weil dieser Namen dem citirten Autor ganz fremd ist, und ‘da bei Tausch stehen‘ sollte. Dr. Ott,

4

Herb. Nro. 112. - Neo, 114.

Nro, 115,

Nro. 131,

‚Nro, 135.

Nro. 138. Nro. 248, Nro. 249. Nro. 247, Nro. 250, ‚Nro, 253.

..Nro. 314.

Nro. 411,

..Nro. 508.

. . au Dar

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Nasturtium amphibium a terrestre ist.N. terrestre Tsch f in- tegrifolium bei Koch.

Nasturtium amphibium & pinnatifidum Tsch ist N. amphibium a riparium Tsch bei Koch.

Nasturtium amphibium. d aquaticum Tsch ist eine grossblätte-- rige Varietät von N. terrestre Tausch. Die von Koch und Pe- termann in deren Floren von Deutschland angegebenen Unter- scheidungsmerkmale zwischen N. amphibium und terrestre sind nicht constant und es finden alle möglichen Uebergänge sowohl in der Stellung der Blätter als in der Grösse der Schöttchen und. deren Griffel statt.

Arabis hirsuta y ciliata Tausch ist die von Koch als äusserst selten vorkommend angeführte Ar. hirsuta 5 glaberrima Koch,

Arabis arenosa ß feroensis wäre nach der Syn. in Koch Ar, petraea Lam., er gibt auch diese Art als in Böhmen vorkom- mend an Tausch hat sie nicht allein das vorliegende

Exemplar. ist nichts anderes als eine Var. von Ar. arenaria; denn der Stengel ist durchgehends raukhaarig und bei Ar, pe- traea Lam. ganz kahl, (Nach’authentischen Exemplaren aus Oester.) Barbarea: vulgaris ß.brachycarpa Tsch ist Barb. arcuata Rb. Ceraslium ovale Pers. ist Cerast. glomeratum Thuill.

Cerastium semidecandrum L ist Cerast. glutinosum Fr. Cerastium vulgatum L ist Cerast, triviale LK.

Cerastium viscosum L ist Cerast. semidecandrum L.

‚Cerastium_ serpyllifolium Tausch bei Einsiedel gesammelt -— ist

eine ausgezeichnete neue Art unseres Vaterlandes, die weder Koch noch Peterman, noch Bluff und Fingerhut in ihren Floren von Deutschland aufführen. Sie unterscheidet sich auf den ersten Blick von allen Arten der. grossblumigen Cerastien durch die zahlreichen blattwinkelständigen Blätterbüschel (nur bei Cer. laricifol, All., findet sich etwas ähnliches) und durch die spar- rigen Aeste. (Vielleicht doch Cer. alpinum 3 glabratum Wahlb. ?) Cytisus supinus L, ist Cyt, Ratisbonensis Schaef. Nach sorg- fältig angestellter Diagnose und nach dem angegebenen Stand- orte: Scharka. Ich habe selbst nur immer C. Ratisbonensis dort. gefunden, i

Geum sudeticum Tausch ist G. inclinatum Schleich! Koch führt dieses Syn. nicht an, allein die Diagnose und der ange- gebene Standpunkt: Kl. Teich, passen vollkommen auf vorlie- gende Pflanze.

Pyrus Aria 8 rosea Tausch ist Sorbus Chamaemespilus Crz! und zwar eine Var, mit auf der Rückseite weissfilzigen Blät- tern. (Pyrus sudetica. Tsch in der bot. Zeit),

Pyrus intermedia Ehr, ist Sorbus scandica Fr! Koch führt das Syn. an, allein nach ihm soll sie nur bei Danzig vorkom- men. Die vorliegende Pflanze ist aber ganz sicher die echte

..Sorb. seandica Fr!:und auf den ersten Blick durch den rund- lichen, deutlich lappigen Blattrand von latifolia und Aria zu

unterscheiden. Diese seltene Pflanze kommt nicht in den plant. select, vor.

6*

68

Herb.Nro. 535. Nro. 537. Nro, 538,

2

Nro. 562,

Nıo. 582.

Callitriche verna L ist Call. hamulata Kütz. Callitriche verna 7 minima Schdt ist Call. vernalis Kütz. Callitriche autumnalis L— ist die echte lineeische Pflanze, ob- zwar sie Koch nur als in Meklenburg vorkommend anführt, Sedum purpureum W ist Sed. purpurascens Koch! der die Pflanze als.nur in der Schweiz, Baden, Würtemberg, Hessen, Westphalen und in Holstein vorkommend bezeichnet; allein seine -

-striete Diagnose passt vollkommen auf das vorliegende Exem-

plar, wenn er auch das Sed. purpureum Tsch als Syn. mit Sed. Fabaria Koch anführt.

Saxifraga hypnoides L. ist Saxifr. sponhenica Gmel. Nach ge- nauer Vergleichung dieser Pflanze muss man dem wiederholten Ausspruche Koch’s: dass Saxifr, hypnoides L. nicht in Böhmen

vorkomme, beipflichten. Saxifr. hypnoides L. hat nämlich haarspiz-

Nro. 637. Nro. 689.

Nro. 707.

Nro. 708,

Nro. 725.

Nro. 727.

Nro. 782. Nro, 812.

Nro. 818. Nro. 828.

_Nro, 1168.

zigbegrannte, die uns vorliegende nur stachelspitzige Blättchen ; auch zeichnet sich erstere durch mehr oder weniger häutige, oft in eine Knospe zusammengerollte Rosettenblätter aus, welches alles bei unserer Pflanze fehlt. i Heracleum flavescens W —- ist Herael. sibiricum L. Galium silvestre ß. Bocconi Hänke ist dieselbe Pflanze, die von der Frau Josefine Kablik durch die Tauschanstalt des Herrn Opiz als Galium sudeticum Tausch versandt wurde.

Valeriana officinalis 3. villosa Tausch ist eine ausgezeichnete zottige Var. von Val. exaltata Mik! Sie unterscheidet sich von Val. off. durch die breitlanzettförmige, von sambucifolia Mik. durch 7—10zähligen Fiederblättchen. Die übrigen Unter- scheidungsmerkmale von der Wurzel hergenommen sind nicht constant,

Valeriana officinalis 7 tenuifolia Tsch. Val, off. # minor Koch und Syn. mit Val. angustifol. Tausch plant select.

Cirsium pannonicum Gaud., kommt nach Koch nur in Oestr, Kärn- then, Tyrol und der Schweiz vor, allein das vorliegende Exempl. im „Stern bei Prag“ gesammelt, ist nach Kochs Diagnose: Rhi- zom schief, Fasern fädlich“ und nach dem ganzen Habitus ein echtes C. pannonicum Gd. Diese für Böhm, gewiss seltene® Pflanze ist nicht in den pl. select. aufgenommen, { b Cirsium affıne Tausch ist eine jener zahllosen Formen des C. heterophyllum. (Es liegen mir alle Uebergänge vor.) Gnaphalium montanum L. ist Filago minima Fr.

Senecio alpinus L ist Sen. subalpinus Koch Syn. Ed, I jedoch eine neue ausgezeichnete Varietät, denn die Oehrchen sind bei den obern Stengelblättern tiedershälktefgorahuh "= Cineraria integrifolia L. ist Cin. erispa ß. sudetica Koch! Anthemis austriaca Jq. ist Anth, ruthenica MB,! Nach sorg- fältiger Untersuchung der Achenen und Vergleichung mit Exempl. der austriaca aus Oestereich und Ungarn, P Galeopsis Tetrahit fl. albo. Mit diesem Namen liegen 2 Exem-

plare unter gleicher Nummer vor, Ein Exemplar davon ist Gal. bifida Böningh ! Die Kelchzipfel LOBRENS ee nämlich»

sehr weit die Blumenkronenröhre, me

e

‚A b 69

Barb.Nro. 1169. Galeopsis urticaefolia Tausch ist eine ausgezeichnete neue ws Art unseres Vaterlandes mit breiteiförmig zugespitzten Blättern ash und mit abstehend-zurückgebogenen steifen Haaren an dem Stengel und den Stengelgelenken. Am nächsten steht sie dem Habitus nach der G. pubescens Bess; allein deren Sten- bt gel ist mit abwärts angedrucktem weichem Flaume 2 bedeckt. Syn, scheint Gal. mollis Tausch pl. select zu sein. -— Nro. 1273. Soldanella alpina L. Koch führt diese Pflanze nicht als in Böh- 2 men vorkommend an, sondern die Soldanella ‘montana, eitirt auch die Soldanella alpina Schmidt als syn. mit $. montana;

Bi s

ER die vorliegende Pflanze ist jedoch die echte alpina, und ich = habe dieselbe auch im Jahre 1850 um Padert bei Straschitz T lebendig gesammelt. Tausch hat seine Exemplare ebenfalls von Ip. dort, aber die $. monlana ist nicht in seinem Herbar. Bo. 1283. Amaranthus adscendens Lois, wäre nach dem Syn. in Koch Am. Blitum, ist es aber nicht, sondern Am. silvestris Desf.! Öers > Nro. 1372. Atriplex tatarica L. ist Atr. nitens Rebent!

Nro, 1331. Atriplex virgata Schk. ist Atr. latifolia Wahlenb. ! --'Nro. 1332. Atriplex virgata Pf. oblongata ist Atr, tatarica L! nach sorg- fältiger Vergleichung mit Exemplaren bei Mainz gesammelt. Es

n. liegen im Herb. 2 Exempl. unter dieser Nummer. Eines hat

E alle Blätter an der Spitze vollkommen abgerundet, das andere

A lauter länglich-lanzettliche, Koch gibt diese Art nicht in Böh- men an.

e. e.; 1704. Avena fragilis L, ist nach den Syn. Gaudinia fragilis, P. B.

0 Koch führt sie nur als in Istrien, um Hamburg und in der

Er Schweiz vorkommend an und doch ist das vorliegende Exempl. 4 eine echte Gaudinia! Sollte sie dem botanischen Garten ent- | sprungen sein?

*,# Filarien im Blute. Gruby und ©. Delafond fanden im Blute bei Bapchen Haushunden microscopische Fadenwürmer. Bei der Section ‚eines Hundes, in dessen Blute ebenfalls Fadenwürmer vorhanden waren, fanden sie in‘dem Blutgerinsl der rechten Herzkammer 6 Filarien von 14--20 Centi-

rLänge und 1—1!/, Millimeter im Durchmesser. Bei diesen Würmern,

e: sich durch ihre Grösse auszeichneten, sonst aber mit den im Blute

den vollkommen übereinstimmten, wurden die Geschlechts-Charaktere,

‚Entwicklung der Eier in den Eierstöcken und des Embryos in dem iter beobachtet, so dass die Untersucher die Gewissheit erlangten, dass e Embrionen identisch mit den im Blute eirculirenden Filarien seien, Das ‚des "Hundes, bei welchem diese grossen Würmer gefunden wurden, ent- eine so grosse Menge microscopischer Filarien, dass 12—15 derselben ei Tropfen gezählt werden konnten. Diese Haematozöen finden sich r Jahreszeit in dem Bilute aller Körpertheile, wurden aber nie im ! ;;, der Lymphe, Speichel, Galle und den andern‘ Secretionen und Geweben nden. Nach den Beobachtungen an 480 Hunden, leidet unter 20 Hunden an Haematozöen. Diese kommen ohne Unterschied des Alters, Geschlechts, Rasse, der Jahreszeii, des gesunden oder krankhaften Zustandes dieser Pr ändern weder Instinkt noch Muskelkraft derselben, weder die phy- Eigenschaften, das Verhältniss des Gewichtes noch der org- und

anorg. Elemente des Blutes.

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Durch Injecklions-Versuche hat man gefunden, dass die Haematozöen in dem Blute anderer Hunde Jahre lang fortgelebt haben, bei Kaninchen aber nach 89 Tagen, bei Fröschen nach '9—10 Tagen aus dem Blute verschwanden. Ebenso verschwand die Lebensfähigkeit derselben, wenn sie in das Zell-, oder seröse Gewebe gebracht wurden.

Auch bei der Nachkommenschaft solcher Hunde, welche in ihrem Blute £ Haematozöen besitzen, erscheinen diese Helminthen, und es zeigte sich, dass . je nachdem der Vater oder die Mutter, oder beide Geschlechter kiömit be- haftet waren, auch wieder nur jene Jungen, welche nach der Rasse entwe- der:dem hiemit behafteten Vater oder der Mutter gliehen, Haematozöen be- sassen, dass selbe dagegen bei allen Juugen erschienen, sobald beide Aeltern an Haematozöen litten. Compt. rendus.

*,® Zu den bemerkenswerthen Bereicherungen des zoologischen Gartens zu London‘ gehört der in neuester Zeit daselbst angekommene Kiwi (Apterix australis) aus Neuseeland. Dieser erst seit dem Jahre 1812 ‘bekannte Vogel von der Grösse eines kleinen Puters hat weder Flügel- noch Schwanzfedern, - sein ganzer Körper ist mit schlaffen, gelb und dunkelbraunen Borstenfedern bedeckt, seine Knochen sind nicht pneumatisch, die Flügel stummelförmig und er demnach unvermögend zu fliegen. Der Schnabl ist dünn, lang, glatt, in .der Ä Gestalt wie ein: Ibisschnabl, nur mehr “gerade und am Grunde niederge- drückt. Der Oberschnabel hat der ganzen Länge nach zu beiden Seiten des Randes eine Furche, an der Spitze desselben befinden sich die mit einer klappenartigen Haut‘ verschliessbaren Nasenlöcher. ‘Die kurzen.Füsse mit ge- trennten Zehen stehen weit nach hinten, so dass wenn der Vogel nicht ganz aufrecht steht, er genöthigt ist, sich durch Stützung auf den Schnabel: ste- hend zu erhalten, der deshalb an der Spitze sehr hart ist. Die Augen ‚sind: klein, (das Sehvermögen bei Tage sehr unvollkommen, wesshalb der Vo- gel nur bei Nacht seinen Verrichtungen nachgeht, und es wird auch in Folge dieses Umstandes bei dem in London angekommenen Exemplare Sorge dafür © getragen, dass dasselbe. bei Tage nicht: von den Besuchern beunruhigt wer- den kann, Die Federn dienen den Eingebornen Neuseelands als kostbarer Putzartikel, sie verwenden selbe zu ihrer Bekleidung, unternehmen deshalb des’ Nachts bei Fackelschein mit Hunden Jagden auf diese Vögel, welche jetzt ohne-: hin schon sehr. selten, -bei den häufigen Nachstellungen demnächst gänzlich“ ausgerottet werden dürften. Fr. Ntzen. Di

*,* Uiber den Einfluss des Menschen auf die Lebensweise der Vögel!‘ von W. Thompson. Es ist, sagt W. Thompson in seiner Naturgeschichte Ir-" lands, interessant zu heobschiön, wie. die Arbeiten des Menschen: auf die Ge-" wolinheiten der Vögel einwirken. Diess habe ich in-einer Localität bei Beh fast beobachtet, die 500 F. über der Meeresfläche liegt, und hinter welcher) sich 800 F. hobe Berge erheben. Ein Torfmoor, wo sich fast kein -anderert Vogel, als die Becassine aufhielt, wurde entwässert, und dieser Vogel folg-"" lieh von dort vertrieben. Während die Cultur des Bodens fortschritt, ‘wurdes derselbe von den verschiedenen kleinen Vögeln besucht, welche derselben) nachziehen, und die angelegten Baumpflanzungen machten diese Species zu ‚dau=s ernden' Bewohnern. cal

Der Waichtelkönig war nun auf den Wiesen, die Wachtel und: dası Rebhuhn -auf ‘den: Feldern zu finden. Ein Teich, welcher ‘nicht über einen! Morgen ‘gross war, lockte in den ‘ersten Jahren ein Paar der zierlichen : Strandläufer an, welche mit ihrer Brut jedesmal zu Ende Juli oder. Anfangs“

$.

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August auf dem Wege von ilırem Nistorte nach der Seeküste erschienen. Das Paar nistete in einem etwa ”/, Stunde entfernten Moor, von dem es aber auch durch Trockenlegung vertrieben wurde. Der Teich wurde durch kleine Bäche gespeiset, die durch wilde felsige Schluchten von Bergen herabkamen, "und an denen sich der Wasserstaar aufhielt, welcher sich auch das ganze ‚Jahr über täglich‘ an dessen Ufer sehen liess. Sobald die am Ufer gepllanz- ten Weiden eine ziemliche Grösse erreicht hatten, salı man auch den präch- tigen Eisvogel zuweilen im Herbste dort. Selten trinken der Wasserstaar und ‚der Eisvogel von demselben Wasser; allein hier war es der Fall. Sobald die Ufer gehörig bedeckt waren, siedelte sich das grünfüssige Wasserhulhn dauernd auf dem Teiche an und kam oft auf den benachbarten Hühnerhof, wenn dort gefüttert wurde.

5 Der Reiher, ein weniger willkommener Gast, besuchte den Teich eben- falls. Die weisse und graue Bachstelze waren gleichfalls dort zu finden: Die gemeine wilde Ente und Kriekente liessen sich zu ver- - schiedenen Jahreszeiten gelegentlich dort sehen, und einst langte zum Anfange Öktobers eine Haubenente (Faligula erisiata) dort an; welche nachdem sie sich 2—3 Tage aufgehalten, verschwand, und bald in Gesellschaft von einigen anderen. Enten derselben Spezies wiederkehrte. Diese entfernten sich gleichfalls, “und brachten jede, ein Paar Gesellschafterinnen: zurück, bis etwa ein Dutzend dieser. schönen Vögel auf dem Teiche beisammen waren, Bei strengem Froste wurde die Schnepfe an das offene Wasser getrieben, welches sich am usse des Baches in den Teich unter Büschen befand, und dann stellten auch verschiedene Becassinenarten, nebst \Wiesenpipern ein. Im Sommer sah man Mehlschwalben, Rauch- und Uferschwalben, Thurmschwalben über die Oberfläche des Teiches hinschiessen, - In den Weiden am Ufer zwitscherten der Rohrsänger und der Weidenzeisig. Im Winter suchte der _ Bergzeisig dort den Erlensamen auf. Auf den Lärchenbäumen etc. liessen “sich drei Meisenarten (Parus major, coeruleus und ater), so wie das Gold- hähnchen blicken, so wie man dann auch den Zaunkönig und die _ Braünelle zwischen den Wurzeln am Ufer hin und herschlüpfen sah, Auf den Kirschlorbeerbäumen unfern dem Teiche nistete der Grünling im Früh- jahre, und: viele Hunderte von Hänflingen schlugen auf denselben im Win- ir ihr Nachtquartier auf, nachdem sie sich Abends auf mehreren hohen Pap- versammelt und ihre Ankunft durch lautes Gezwitscher kund gegeben | ö (The Athenaeum 1851). #,% In Kunze und Schmidt mykologischen Heften, Hf. 2. S. 67—76 nden sich Beobachtungen über Bewegung in und auf dem Thelebolus ery-

haft noch unerklärt lassen, aber doch so viel aussprechen, dass von einem _Polypen, einem Thbiere überhaupt die Rede nicht sein könne, weil die Bewegung T. gekrümmten Körperchen in den Tropfen, die: sich an dem genannten wamme fanden, eine passive war. Wenn man Sporen der Schwämme unter ein zusammengesetztes Mieroskop bringet, kann man sehr leicht beobachten, 0b die Bewegungen, die man hier wahrnimmt, passive, der Pflanze eigene, oder active, dem Thierkörper eigene Bewegungen seien, welch’ leztere von der den Infusorien unstreitig inwohnenden Willenskraft‘ herrühren. Eine Erschei- Dung, welche ich, im J. 1850 an dem auf der Hetzinsel gesammelten Coni- Osporium stromaticum Corda, bei Untersuchung unter dem zusammengesetzten

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daher Naturforscher, welche diesen Pilz zu untersuchen Gelegenheit haben . sollten, hierauf aufmerksam. Eine Partie der Sporen dieses Pilzes brachte ich in einen reinen Wassertropfen auf die untergeschobene Glastafel, und siehe da, alle Sporen zeigten, selbst bei oftmaliger Wiederholung mit neuen Sporen, stets die oben erwähnte active Bewegung, ungeachtet ich (doch der vollen Ueberzeugung bin, dass der untersuchte Gegenstand ein wahrer Pilz und kein animalisches Wesen war. Sollte denn vielleicht gerade dieser Pilz ein Verbindungsglied zwischen dem Pflaizen- und Thierreiche bilden? Auffal- lend ist es aber auf jeden Fall, dass diese Bewegung dem scharf beobachten- den, mit bessern optischen Instrumenten, als ich besitze, versehenen Corda; en die Abbildung dieser seiner Art in den Icones Fungorum T. 1. tab, 1 F. 5 liefert, entgangen ist, und von ihm nicht auch beobachtet wurde. P. M. Opiz.

* #* Unter den vielen Pflanzenwundern, die in neuerer Zeit in die eng- lischen Gärten eingeführt wurden, ziehen vorzüglich fünf Arten die Aufmerk- sainkeit des Publikums auf sich. Die silberhaarige Harzkliffe (Espletia argen- tea H. Bonpl.) hat sowohl Stamm als Blätter dicht mit feiner, weicher Wolle _ bedeckt, die in ihrem Vaterlande, Neugranada, den Reisenden ein Federbett des besten Wirthshauses ersezt. Die gläserne Bärenklau (Heracleum Wil- helmsii) ist ganz mit schimmernden, halb durchsichtigen Haaren bedeckt, die der ganzen Pflanze ein glasartiges Aussehen geben. Ihr Vaterland ist Iberien. Die Iezoensische Tanne bat 6 Zoll lange Zapfen und Zoll lange Nadeln, die sie sieben Jahre lang nicht abwirft, und die gehörnte Stechpalme (Ilex cor- nuta Lindl.) trägt merkwürdiger Weise ganz viereckige Beeren. Doch die interessanteste Pflanze ist dennoch der lorbeerblättrige Spitzenbaum (Sagetta lintearia), dessen innere Rinde ganz das Aussehen fein zugearbeiteter Spitzen hat, die man bleichen und waschen kann. Ausserdem wird sie in ihrem Vaterlande, Jamaika, zur Verfertigung von Kleidern, Stricken und Netzen gebraucht,

Oesterr. botan. Wochenblatt.

*,* In der Jännersitzung des zoologischbotanischen Vereins in Wien nahm Hr. Vizepräsident Dr. Ed. Fenzl aus dem Vortrage des Hrn. August Neil- reich über hybride Pflanzen des wiener Florengebiets Anlass, über die Wich- tigkeit der Beobachtung der hybriden Pflanzenformen zu sprechen, und macht auf jene Vorsichtsmassregeln aufmerksam, welche anzuwenden wären, um Täuschungen und Fehlschlüssen vorzubeugen. Er erwähnte, dass bei dem’ Umstande, dass nicht einmal die Fruchtgeseize der Vegetabilien noch entschei- dend festgestellt seien, es überhaupt schwierig sei, über Pflanzenbastarde ab- zusprechen, sieht aber in jedem diessfälligen Resultate einen grossen Gewinn für die Pflanzengeschichte überhaupt. Wenn es uns geglückt sein würde, ge- wisse Formenreihen der Vegetabilien aufzustellen, dann könnten wir viel- leicht einen sicheren Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft werfen, und rückwärts und vorwärts das Heerjener Pflanzenarten betrachten, die theils ausgestorben, theils neu aufgetreten seien; denn sehr wahrscheinlich sei es, dass, obwohl die meisten Hybriditäten sehr bald wieder in die eine oder die‘ andere Originalpflanze zurückfallen, es dennoch ein Mass geben werde, wo die hybride Form als selbstständig bestehe, und als neue Art fortlebe.

Redakteur: Med. Dr. Franz Anton Nickerl.

Druck von Kath, Jerzabek.

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PRAG. APRIL. 1852:

em der Zeitschrift „Lotos“ erscheint zu Ende jedes Monates ein Heft in der Regel zu 1'/, Bogen. Der Pränumerationspreis für den ganzen Jahrgang beträgt ohne Post- versendung 2 fl., mit freier Postversendung 2 fl. 30 kr. und kann unmittelbar bei dem. Vereine „Lotos“ oder in der J. @. Calve’schen Buchhandlung in Prag entrichtet werden, welche letztere auch Inserate übernimmt und mit 3 kr. die Petitzeile er berechnet.

Vereinsangelegenheiten.

Versammlung am 2. April.

"Nachdem der Vorsitzende, Herr Ministerialrah v. Sacher-Masoch etheilt, dass Herr Professor Dr, :Reuss verhindert sei, seine begonnenen rträge fortzusetzen, wurde das Protokoll der letzten Versammlung vorgele- n; und der betreffende Custos berichtete, . dass ‘vom .correspondirenden gliede Herrn Franz VSete&ka, Apotheker in Nimburg, eine Parthie von Petrefakten als Geschenk für die Vereinssammlung eingelangt sei.

Nach diesem Referate sprach Herr Dr. Nowak über die vorzüglichsten ' Strömungen des Oceans, und die darüber herrschende Theorie, deren Unhalt- barkeit er durch mehrere Gründe nachzuweisen suchte. Mit dem Beschlusse, dass wegen den Osterferien, die nächste ordentliche Versammlung am 16. d. M, statt zu finden habe, wurde die Sitzung geschlossen.

Ba - Versammlung am 16. April.

Me Die Sitzung wurde mit der Verlesung des Protokolles der letzten Ver- lung eröffnet. Hierauf theilte der Vorsitzende ein Schreiben von der Daturhistorischen Gesellschaft aus Nürnberg mit, welche den Empfang. des

AR ahrgangs der Zeitschrift Lotos bestättigt; A ein zweites Schreiben vom

eotrespondirenden Mitgliede Herrn P, Andreas Veselka Lehrer der Na-

Bepbichte am Gymnasium zu Braunau, welches nebst dem Danke für seine

nung zum correspondirender Mitgliede, ein Verzeichniss der dem Ver-

eichzeitig als Geschenk übersendeten Naturalien enthielt. ‚Nach Bekannt-

g dieser Schreiben wurde durch die Custoden über folgende Geschenke

eh : Für die Bibliothek : R

„Fon. der kaiserlichen Academie der Wissenschaften.

„Sitzungsberichte der kais. Academie der Wissenschaften. _Mathematische-

E sirissemachaftliche Klasse, Jahrgang 1851 VI. und VII. Band,“

74 i Von Herrn Wilhelm Haidinger, Direktor der geologischen Reichsanstalt -etc., S

„Sitzungen der k. k. geologischen Reichsanstalt,* (Separatabdruck aus dem Bi Jahrbuche derselben.) .

Vom naturforschenden Verein in Bamberg.

„Ueber das Bestehen und Wirken des naturforschenden Vereines zu Bamberg. Erster Bericht 1852.*

Von Herrn P. M. Opiz.

„Animadversiones botanicae in Ranunculeas Candollii auctore Dre. F. L. de Schlechtendal. Dissertatio inauguralis. Berolini 1819.“

„Catalogus hucusque absolutus omnium plantarum in Helvetia cis- et trans- alpina sponte nascentium“ etc. J. C. Schleicher 1821.“

Ausser diesen Schenkungen für die Bibliothek sind für die Vereinssamm- lungen von Herrn P. Andreas Veselka übermittelt worden:

12 Stück interessanter Petrefakten, darunter zwei Fischabdrücke ;

8 Geognostische Stücke.

Ein Fläschen Erbsen, von denen jede einen entwickelten Bruchus pisi enthielt,

Endlich ein von Herrn Josef von Ivonsky Apothekerin Arnau verfertigter Colilodiumballon.

Nach diesem Referate setzte Herr Prof. Dr. Reuss seinen Vortrag über den Einfluss des kleinsten organischen Lebens (diesmal der Foraminiferen) auf die

Bildung der Erdschichten fort. Die weitere Fortsetzung versprach er für eine der nächsten Sitzungen,

Versammlung am 23. April 1852.

Nach Verlesung des Protokolles der letzten Sitzung erfolgte das Röferak über folgende Geschenke: für die Bibliothek :

Von Herrn Wilhelm Haidinger, Director der geologischen Reichsanstalt in Wien:

„Naturwissenschaftliche Abhandlungen, gesammelt und durch Subseription herausgegeben von Wilhelm Haidinger. 4. Band.“ =

Ferner von demselben: S

„Berichte über die Mittheilungen von Freunden der Naturwissenschaften in Wien, gesanımelt und herausgegeben von W. Haidinger, VII. Band.“

Vom corresp. Mitgliede Herrn Robert Klutschak Lehrer der Natur- geschichte dm Gymnasium zu Leitmeritz::

„Kurzer historischer ‚Abriss des Ursprungs, der weiteren Fortschritte in der Naturgeschichte, Chemie, Mathematik und Physik von Bernard Sabastian Nau,

Von Herrn P. M. Opiz.

„Methodus plantas horti botaniei et agri Marburgensis a staminum situ.

deseribendi auctore Conrado Mönch.“ N

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En Fa; a Ra

75

Non demselben:

„Genera plantarım Caroli-a Linne.*

Hierauf wurde eine Zuschrift vom löblichen k, k. Gymnasium zu Pisek vorgelesen, in welcher für das demselben zugemittelte Herbarium von 305 Species gedankt wurde. Nach Verlesung dieser Zuchrift wurde durch den Vicepräses 'Hrn, Prof. Dr. Reuss, Herr Jos. Vinc. Melion Doctor der Me- dizin ünd Chirurgie in Brünn zum correspondirenden Mitgliede vorgeschlagen, und von der Gesellschaft einstimmig dazu erwählt. Endlich schloss Herr Prof. Dr. Reuss die Sitzung mit einigen Notizen und zwar: a) 1. Ueber einen von Herrn Dr. Heinrich Wankel eingeschickten Quarz, der in dem neu errichteten Schurfschachte nächst dem Dorfe Sdar in Mähren aufgefunden wurde, und © 2. Ueber gediegenen Schwefel von Marienbad, zugemittelt von Herrn Dr. prr%

"Durch einen Antrag des Hrn. P. M. Opiz veranlasst, richtet der Verein folgende Aufforderung in Betreff von nee hi und Abbildungen nach lebenden Exemplaren an jene seiner Mitglieder, die sich mit der Botanik befassen.

7 In der Berücksichtigung , dass die, von lebenden Pflanzen entnommenen,

nauen Beschreibungen und Abbildungen am genauesten und richtigsten aus- allen müssen, da man an den Gewächsen nar im lebenden Zustande alle, auch ‚die allerfeinsten, selbst dem freien Auge nicht sichtbaren Theile, mit Hülfe eines - Microscopes beobachten kann, wie sie noch unverändert erscheinen, weil dies . bei gepressten und getrockneten Pflanzen der Fall nicht immer ist, ferner dass bis jetzt die meisten Gewächse nur nach getrockneten Pflanzen beschrieben und abgebildet wurden, wodurch mancher Irrthum sich in die botanischen Werke eingeschlichen hat, ferner weil man auf dem beschreibenden Wege immer tiefer in das Studium eindringen und sich immer mehr ausbilden kann, Önders wenn die eigenen Arbeiten noch einer fremden Revision unterzogen rin findet‘ sich der Verein veranlasst, um den beschreibenden Theil der tanik nach Möglichkeit zu erweitern, auch angehende Freunde dieses Wis- zur Selbstthätigkeit in dieser Beziehung zu wecken, alle eifrigen Freunde % der Botanik , sowohl die ausgebildeten als angehenden einzuladen, womit sie, 0 lange es die Jahreszeit und ihre individuellen Verhältnisse gestatten, anzen auf die allergenaueste Art von der Wurzel bis zum vollendeten men, wo möglich mit den erforderlichen mieroscopischen Untersuchungen hen beschreiben und abbilden möchten. Die Beschreibung werde auf einen Bogen halbspaltig geschrieben, von m Hrn. Beschreiber geferliget, mit der getrockneten Pflanze, und wenn sie

| ‚auch abgebildet wurde, mit dieser Abbildung versehen, gelegenheitlich Porto- Tr

76

frei an den Verein abgesendet, welcher solche an die nächsten, daran theil- nehmenden Hrn, Pflanzenforscher Prags- in der Art in Umlauf setzen wird, dass diese die. Pflanzen sammt Beschreibungen und Abbildungen vom Vereine zu- getheilt erhalten, und an den selben wieder zurückzustellen hätten, was am besten an. jedem Freitage-vor der Sitzung geschehen könnte.

Nach vorgenommener Censur. derselben, von sämmtlichen sich an dieser Censur zu betheiligenden Hrn. Botaniker Prags wird diese Beschreibung und Ab- bildung, wenn eine solche eingesendet wurde, in Original, nebst der instruetiv. getrockneten Pflanze, einem eigenen Herbare des Vereines einverleibt, und zur Einsichtnahme eines jeden Botanikers aufbewahrt werden. Auf jeden Fall wird jedoch den Herrn: Verfassern das Recht verwahret, dass sie von ihren eigenen Beschreibungen jeden beliebigen wissenschaftlichen Gebrauch machen können und ihnen ebenso die Zusicherung gegeben, dass falls der Verein von diesen Beschreibungen einen Öffentlichen Gebrauch machen wollte, er diese Beschreibungen und Abbildungen selbst, nur mit Beisetzung des Namens ihrer Verfasser und: Darsteller liefern würde.

Diese Beschreibungen und Abbildungen können auch von. cultivirten Ge- wächsen, wenn .dieselben in unserem Vaterlande nicht wildwachsend vorkom- men, eninommen werden, doch müsste stets die Bemerkung beigefügt werden, dass die Pflanze cultivirt wurde, und von wem.

Dass den Abbildungen stets auch die microscopischen Analysen beizufügen sind, wenn man in der Lage ist ein solches ihun zu können , verstehet sich von selbst,

Auf diese Art kann durch das Zusammenwirken Vieler nicht nur in der kürzesten Zeit, eine, auf die genaueste und richtigste Naturbeobachtung gestüzte Flora unseres geliebten Vaterlandes zusammengestellt werden, son- dern es könnten sich auch, wenn sich noch entferntere Botaniker hieran ge- fälligst betheiligen wollten, Materialien zu den Species plantarum selbst aufsam- meln, besonders wenn mehrere dieser Herren bei ihren Reisen ins Ausland diesen Plan verfolgen, endlich wenn sich mit den Hrn. Beschreib ern mehrere - "Hrn. Pflanzenzeichner in Verbindung setzen würden, welche das, was Erstere beschrieben, zugleich durch getreue Zeichnungen bildlich darstellen und ihre Originalzeichnungen dem diesfälligen Herbare des Vereines unter gleichen Be-

dingnissen einverleiben wollten. j

Schlüsslich wird nur noch bemerkt, da man oft eine seltene Pflanze bei ihrer. Auffindung nicht sogleich Be ae kann, es aber immer besser ist, eine Pflanze so lange unbestimmt zu lassen, als man nicht volle Gewissheit ihrer Bestimmung erlangt, dass es eben nicht nothwendig ist, dass die beschriebene" Pflanze von dem Hrn. Beschreiber gleich bestimmt werde, da demselben für den Fall, wenn sie sich als Gattung, Art oder Varietät als neu darstellen sollte, das Recht der Namengebung immer vorbehalten bleiben wird. bi

Ueber die einlangenden Beschreibungen und Abbildungen, welche Steig‘

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77

zu datiren sind, wird von dem Vereine ein gewissenhaftes Verzeichniss ge- führt werden, wodurch jedem die Priorität seiner Arbeit gesichert bleibt. Von Zeit zu Zeit werden nach vorangegangerer Revision dieser Beschreibungen _ und Abbildungen die Verzeichnisse derselben in der Vereinsschrift bekannt gemacht werden, damit nicht ein und dieselbe Pflanze mehrmal beschrieben werde. N Möge diese Einladung eine rege Theilnahme finden, und manche schlum- ‚mernde Kraft zum Nutzen der Wissenschaft wecken; manche Erstarkte dahin bestimmen, andern als rathender leitender Freund zur Seite zu stehen, zum "Vorbilde zu dienen.

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Wissenschaftliche Mittheilungen.

Das natürliche Pflanzensystem als Stuffen- und Kreissystem nach Lin- neischer Methode dargestellt. (Schluss.)

wo.

Zur e £

Class VI. Die Calycobaseostemones haben ihre Staubgefässe n Grunde des Kelches, oder in der Röhre derselben unterhalb der Mündung einer mehrblältrigen Blumenkrone, die auch - oft fehlt, angeheftet. Die fucht derselben ist sehr verschieden, und sie zerfallen darnach in 4 Unter- 1 ssen, als N

Sp: 1. Monospermi. Die Frucht ist 1samig, sehr oft bloss mit dem Kelche, ‘oder auch mit einem Fruchtgehäuse bedeckt, sehr selten (nur als Ueber- gang zu den folgenden) mehrsamig. Der Kelch ist öfters gefärbt, und mei- stens blumenblattlos. Hieher Lauri, Chenopodeae, Polygoneae, Illecobreae 7 re Amaranthaceae,

2. Axipolyspermi. Die Frucht ist mit centralen, oder axenslän- ‚digen. Saamenträgern versehen, 1 oder vielfächerig, einfach oder selten ch, vielsaamig, und nur durch Verkümmerung 1-saamig, und in der An- ıge mehreiig. Hieher Polycarpeae (Telephieae, Minuartieae, Querieae) Bego- niaceae, Portulaceae, Saxifrageae, Lythrarieae, Vochisieae, Euphorbiaceae, Me- ni permaceae, Celastrineae, Rhamneae, Terebinthinaceae. | 3. Monoteichocarpi. Die Frucht ist vielsamig, und mit einem andsaamenträger vorsehen, welcher zwar doppelt, aber doch nur in Linie dargestellt , und der sogenannnten Hülsenfrucht eingenthüm- ii ‚ist, Hieher Mimosaceae, Papilionaceae, Cassiaceae. ?

4. Polyteichocarpi. Die Frucht einfach, selten mehrfach vielsaa-

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} ae, Aquilarineae, Samydeae, (Flacourtianeae) Tamariscineae, Fouquiraceae, Crassulaceae, Ficoideae, Passifloreae, Turneraceae. " w ‚Die Calycobaseostemon®s schliessen sich zunächst an die Caly-

Be s >

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costomatostemones an, denn die Staubfäden brauchen sich nur von dem Kelchsaume auf den Kelch selbst herabzulassen. Sie wiederhohlen in ihrer ersten Unterklasse noch niedrige Formen, was die einsaamige Frucht der- selben beweiset, die sich schon bei den vorhergegangenen Klassen als Cha- rackter der niedrigsten Formen dargethan hat, und man kann z.B, in den Polygoneen sehr gut die Gramineae erkennen. Obwohl Herr Decan- dolle behauptet, dass mehrere Leguminosae hypogynae wären, also ihre Staubgefässe am Fruchtboden eingefügt hätten, so lässt sich diess nicht annehmen, da beiden Leguminosen der Fruchtknoten immer mehr oder weniger gestielt ist, und dieser Stiel, der besonders bei Swartzia sehr ausgezeichnet ist, ei- gentlich für den Fruchtboden gelten muss. Diese Klasse stellt in ihren entwickeltsten Formen die Voegel des Thierreichs dar, und zwar hat die schmetterlingsför- mige Blume der Papilionaceae weit mehr Aehnlichkeit mit einem Vogel, als mit einem Schmetterling, und sollte eigenliich corolla ornithoidea heissen, bei der sich auch meistens die Staubgefässe in 2 Cylinder abgetheilt fin- den, die gleichsam die 2 Füsse des Vogels andeuten können, der aber im Fluge begriffen selbe zurückgezogen hat. Die ausgebildetsten Blätter der Leguminosen zeigen die Bildung der Federn des Vogels und dadurch, dass sich bei ihnen auch scheinbar unvollständige Formen z. B. ohne Blumen- krone, ohne gefiederte Blätter wie der Phyllodialacacien finden, da- mit scheint die Natur den jugendlichen federlosen Zustand des Vogels an- gedeutet zu haben. So wie im Thierreiche überhaupt bei dem Vogel die Reizbarkeit am: höchsten gesteigert ist, ist es auch bei ‘diesen Pflanzen, denn in welcher anderen Familie findet man die gesteigerte Reizbarkeit der Blätter einer Mimosa pudica, und Hedysarum gyrans? So wie je- der Vogel nur Eier legt, bringen die Leguminosae auch nur einerlei Frucht ; die Hülse und die harte glalte Decke des Saamens zeigt schon Aehnlichkeit mit dem Eie des Vogels. Die übrigen hieher gehörigen Familien haben selten zusammengesetzte Blätter, öfters auch unvollständige Blumen ohne. Blumen- krone und scheinen nur den jugendlichen Zustand des Vogels anzudeuten, aber merkwürdig ist, dass selbst im Saamen der niedersten Formen z. B; Polygoneae der Keim eine gekrümmte Richtung hat, die der Beugung des Vogelkörpers älınelt.

Class. VII. Die Thalamostemones haben ihre Staubgefässe, die der Anzahl, Länge und verschiedenen Verwachsung nach, sehr verschieden sind, mit einer mehrblättrigen Blumenkrone, die manchmal auch fehlt, auf dem Frucht- boden eingefügt. Die Blumenblätter sind manchmal: am Grunde mehr oder weniger verbunden, und zusammenhängend, sehr selten zu einer 1-blättrigen lappenförmigen Krone umgestaltet. Der Fruchtknoten ist stets ein freier ‚oder‘ oberer, einfach unzertheilt, oder gelappt, oder mehrfach, wovon jeder mit einem x eigenen Griffel oder Narbe versehen ist, und bildet sich immer zu einem mehr-

IM, fe

79

‘oder vielsaamigen Fruchtgehäuse aus, oder zu einer mehrfachen Frucht, nach - welcher sie in 4 Unterklassen zerfallen, als: 1. Syncarpi. Die Frucht ist aus mehreren zusammengesetzt, die um eine Mittelachse befestiget sind, sich aber trennen lassen. Hieher: Lineae, saiscsae (Tropaeoleae), Malvaceae, Sterculiaceae, Bytt- x neraceae, Acera, Sapindi (Rhizoboleae), Simarubeae (Zan- thoxyleae, Ochnaceae, Coriarieae), Banisteriaceae.

2. Monocarpiaxispermi. Die Frucht ist einfach, und mit centralen - oder axenständigen Samenträgern versehen. Hieher: Hypericeae, Gutti- & ferae, Ternstroemiaceae (Camellieae), Tiliacenae (Eleocar- _ peae), Bombaceae (Hibisceae), Aurantiaceae, Meliaceae, Am- - pelideae, Hippocastaneae, Rutaceae,Zygophylleae,Oxalideae, Balsamineae, Malpighiaceae (Erythroxyleae), Caryophylleae, 0 8. Monocarpi teichospermi. Die Frucht ist einfach und mit Wand- 1 samenträgern versehen. Hieher: Frankeniaceae, Cisti, Bixineae, Re- sedacene, Violaceae, Droseraceae, Pittosporeae (Erythro- | spermeae), Tremandreae, Polygaleae (Olacineae?), Fumari- -aceae, Cruciferae, Capparideae, Marcgraviaccae, Berberi- _deae, Papaveraceae, Nymbaeaceae. 4. Polyearpi. Die Frucht besteht aus mehreren 1- oder vielsamigen Fruchtgehäusen. Hieher: Ranunculaceae, Dilleniaceae, Magnolia- veae-(Anonaceae), Nelumboneae. | £ > Die Thalamostemones gränzen einerseits zunächst an die Calyco- | ee Memo 63, denn die BRUNR SEN. ERDE ie nur von sr Kelche

u bu %

ator bemerkte, zunächst an die Corollostemones gränzen, da die Staubgefässe von der Blumenkrone, wenn sie sich herabsenken, auch auf den Fruchtboden zu stehen kommen. Sie sind die vollkommensten Pflanzen, weil ihre Früchte durch die ganze Klasse gleich vollkommen ausgebildet Y si id, was bei keiner der früheren Klassen der Fall ist, und das ganz getrennte Geschlecht der Blumen dulden sie nur ausnahmsweise, weil die Natur oft gleich- Im nur» im Anheben im Einzelnen niedere Formen wiederholt, wo es aber llgemein ist , zum Gesetze wird , und etwas ganz anderes bedeutet, und es ist zu verwundern, dass Jussieu, der so viele Ordnungen wegen dem ge- trennten ‚Geschlechte ven den übrigen, eigens abgesondert hat, die Menisper- mMaceas unter seine vollkommensten Polypetalos setzte, da man doch ei diesen Pflanzen eben so wenig sagen kann, dass ihre Sfaubgefässe am uchtboden angeheftet sind, wie bei Begonia, obgleich der letzteren Staub- fadensäule aus dem Mittelpunkte, ober des & Kelches hervorkömmt. Die "halamostemones lassen sich als die vollkommensten Pflanzen einiger- massen mit den Säugethieren vergleichen, denn so wie bei letzteren der Uterus

80

- sehr ausgebildet ist, ist auch bei diesen der Fruchtknoten sehr ausgebildet, und stets ein freier und oberer, der hier als höchst vollendet vielen Samen oder Früchte hervorbringt; so wie bei den Säugethieren die grösste Mannig- faltigkeit der Formen überhaupt, und der Gliedmassen insbesonders herrscht, ist es auch bei diesen Pflanzen hinsichtlich ihrer Blumen und Staubgefässe, und man kann sogar nicht gänzlich die Geburt ihrer Samen bezweifeln, wenn man dieselben auf langen Nabelschnüren: aus den Kapseln der Mognolia heraushängen sieht. Von den hieher gehörigen Pflanzen halte ich Nelum- bium für die vollkommenste, wahrscheinlich einzig als Gattung, wie als Fa- milie, sie hat. vollkommen den Blüthenbau von Magnolia, und ist bisher fälschlich mit den Nymphaeaceen vereiniget worden, und ich kann mich nicht enthalten, die Ideen, die sich mir bei ‘der ersien Ansicht einer frisch blühenden Pflanze aufdrangen, hier mitzutheilen. Das Nelumbium kann schon deswegen für die vollkommenste Pflanze erklärt werden, weil sie: gleichsam das Symbol des. Menschen am besten darstellt.: So wie dieser ist sie beweg- lich und unstet, und daher von der Natur mit einer weit kriechenden Wurzel versehen, und obgleich an das Wasser gebunden, erhebt sie sich frei über dasselbe. Blut, obgleich nur weisses, und Luft durchströmen: ihr Inneres, ihre Stiele sind nackt, und doch schwach bewaffnet, und das schönste Ebenmaass herrscht in allen ihren Theilen. Strahlend laufen Fasern, (Gefässe) aus einem gemeinschaftlichen Punkte aus, um ein kreisförmiges horizontal gestelltes Blatt zu bilden, welches den Blumen Schutz und Zierde gewährt, so wie aus dem Scheitel des menschlichen Hauptes die Haare strahlend auslaufen, um eine Decke zum S:hutz und Zierde ‘desselben zu bilden. Ihre zarten rosigen Blumen daften kräftig, und ihr stärker gerötheter Mund ist ziemlich geschlossen und verralhet Schamhaftigkeit. Ein markiges Haupt einziger Art, den Fruchtboden, erhebt sie auf einem dünnen Halse frei zum Himmel, wie der Mensch, und da Zeugung die höchste Funktion der Pflanze ist, trägt sie statt dem Geiste ihre Früchte darin, aber auch zum Theil frei und offen. Ihre goldenen, an der Spitze (Narbe) dunkler gefärbten Fruchtknoten stehen auf einem goldenen, einem umgekehrten Kegel ähnlichen Tische, dem Fruchtboden, und zwar abgesondert und symmetrisch, wie die Brüste bei dem Menschen , denen sie auch ähnlich sehen, und dienen zugleich zur höchsten Zierde, indem sie auch brennenden Lampen ähneln, und das Ganze dadurch zu einem Opferherd er- heben, auf welchem sie gleichsam Licht ausstrahlen zu lassen scheinen.

Stellt man die nun aufgeführten Klassen nach ihrer nächsten Verwandt- schaft zusammen, so ergibt sich von selbst, dass sie die Natur in einen Kreis gestellt hat, indem sie einerseits mit den niedersten anfängt, nach und nach fortschreitend sich bis zu den höchsten entwickelt, von dort aber wieder rück- schreitend bis an das niederste zurückkehrt. Legt man die niederste Form, die Amphisbetostemones zum Grunde, so schliessen sich zunächst daran

En 81

Ute 'Calycolepidostemones, weil sie, wie ich schon dargethan habe, rein nur _ Wiederhohlung der vollkommeneren Amphisbetostemones, der A. cap- ‚suliferi sind. An die Calycolepidostemones schliessen sich zu- nächst die Calycostomatostemones, der erste Uibergang der Staub- gefässe von dem Schuppenkelche auf den Kelchsaum, darauf folgen die Caly- eobaseostemones, die Staubgefässe steigen nur tiefer in den Kelch, und k ‚steigen sie vollends bis’ auf den letzten Grund, den Fruchtboden, so bilden sie die Thalamostemones. Von hieraus verändern die Staubgefässe - bloswieder. ihre Lage, und steigen in entgegengesetzter Richtung aufwärts, und gelangen auf die 1-blättrige Blumenkrone Corollostemones, an diese schliessen sich die Hypotactostemones höchst natürlich, weil sie h gleichsam nur eine Wiederholung der Corollostemones sind, und _ machen den Schluss, und die niedersten, oder letzten derselben, die Naja- Eee gränzen an die niedersten, oder ersten Formen der Amphisbetoste- mones, an die Confervas, und wie wenig braucht die Natur einer Con- E ferve beizusetzen, um eine Najade daraus zu bilden? Es bilden demnach i die Amphisbetostemones den Anfang, die Hypotactostemones . den Schluss, die Idiostemones treten due und werden fortschrei- tend entwickelt, bis sie die höchste Vollendung erhalten, in den Thalamo- E stemonib us polycarpis, die gerade in den Mittelpunkt der Eustemones fallen, von da schreitet die Natur wieder schrittweise zurück, bis sie sich mit den niedersten Hypotactostemonibus an die Amphisbetostemones anschliesst, Und gerade so ist es auch im Thierreiche , dessen Klassen sich £ mit denen der. Pflanzen parallelisiren lassen. Legt man die niedersten Euste- _ mones, die Hypotactostemones zum Grunde, so müssen sich die C o- rollostemones zunächst daran schliessen, weil sie nur gleichsam eine Wiederholung der ersteren sind, und aus oben angeführten Gründen folgen die Thalamostemones, Calycobaseostemones, Calycostomatoste- mones, Calyeolepidostemones und Amphibetostemones, und bilden denselben Kreis, nur in umgekehrter Ordnung. > Das Kreissystem ist demnach das naturgemässeste, weil es einerseils von der Natur selbst diktirt wird, und andererseits die vielfachsten Berührungs- - pünkte darbiethet, woraus sich die vielfachen Verwandtschaften der Familien \ ‚erkennen und erklären lassen. 5 © Hat man nun die Klassen mit ihren Unterklassen einmal festgesetzt, so en Haig die Familien ode hc in ai ae kurz und Na:

R Eiver ER wie es bisher das Linneische allein ist. F * 2 Weber und Mohr arten in ihren Beiträgen zur Naturgeschichte 1. -B., S. 84 und 85; ‚‚In dieser Hinsicht glauben wir, dass jede bildliche Vor-

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stellung des Zusammenhanges der Naturkörper , deren Symbol nur von einer Dimension hergenommen ist, wie die Vorstellung von Leiter, Kette etc. nicht anders als höchst unvollkommen sein kann. Die Verwandtschaft der Naturalien folgt vielmehr den drei Dimensionen, und lässt sich daher unter dem Bilde einer Kugel, deren Atome nach allen Seiten zusammen grenzen, vielleicht am bestimmtesten auffassen. Das Minimum der Organisation befindet sich im Mittelpunkte dieser Kugel, das Maximum auf der Oberfläche derselben, In jenes convergirt von allen Seiten alles zur Einheit, zu diesem diver- girt alles ins Unendliche, das mithin erst auf der Aussenfläche der Sphäroide seine Begrenzung oder Vernichtung findet. Umgekehrt kann es hier auch nicht sein, weil nicht in der Ausbreitung, sondern in der Zusammenziehung die Einheit erfolgen muss. Deshalb spricht die Blume die Einheit der Pflanze . vollkommener aus, als das Kraut; deshalb vielleicht dienen auch die Ernäh- rungsorgane, für welche wir die Mundtheile substituiren, auf ähnliche Art, wie wir für den Samen (spora), Einen Schritt zurück tretend, die Blume -substi- tuiren, am besten zu Repräsentanten des Thieres. Das Bild von Netz (Cir- kel- oder Kugelnetz) ist daher vollkommener, als das von Kette, aber es ist nur ein minder unvollkommenes Unvollkommene, weil es nur zwei Di- mensionen zulässt. Auch ich habe mir einst, ohne diese Ansicht gekannt zu haben, das Pflanzenreich als ein Netz vorgestellt, und dies in der Flora oder botanischen Zeitung ausgesprochen, in dessen Mittelpunkt ich mir die einfache Zelle (als Alge, Pilz, Moos) denke, durch deren stete Zusammensetzung sich nach den Radien zu, die stets vollkommeneren Gebilde ausbreiten, während‘

der Mittelpunkt beinahe ganz Analoge zeiget. P. M. Opiz.

Beobachtungen über Ajuga pyramidalis, genevensis, reptans und eine Hybridität von A. pyramidalis und genevensis.

Von Dr, Knaf,

Ajuga pyramidalis L. gehört bekanntlich zu den seltenen Pflanzen. Nach den Angaben unsers gefeierten Prof. Presl*) soll sie in Böhmen bei Habichtstein berühmt als Standort der Ligularia sibirica Cass, vorkommen. Koch und Reichenbach geben, indem sie Presl’s Zeug- niss unberücksichtigt lassen, nur die Alpen und einzelne Standorte Norddeutsch- lands als Heimath dieser ausgezeichneten Pflanze an.

Vor 6 Jahren entdeckte ich dieselbe in Eichgebüsche bei Tackernwiie nächst Kommotau am Fusse des Erzgebirges, wo sie, wiewohl nicht sehr zahl- reich, in Gesellschaft von A. genevensis und reptans oderin deren un- mittelbaren Nähe auftritt, und ich Gelegenheit nahm , sie so wie ihre Gesell- schafter genauer zu beobachten und zu vergleichen. Bei diesen Untersu- chungen im lebenden Zustande und den Vergleichen mit getrockneten Exem- plaren von verschiedenen Standorten Böhmens und anderer Provinzen stellte

1) Flor. tech. p. 117.

4 83

| sich manches Interessante heraus, was ich in den mir zu Gebote stehenden Werken theils vermisste theils anders fand. Darum sei es mir gestattet, das bisher Beobachtete dem bot. Publicum zur Beurtheilung zu übergeben. 4. l, A. pyramidalis L. Ihr eigenthümlicher Typus gibt sich durch | folgende Merkmale zu erkennen: 4. Ist sie durchschnittlich niedriger, selten ’/; Schuh erreichend, aber stämmiger, robuster und gedrängter als A. genevensis und reptans. i 2. Hat sie eine blässere, jedoch völlig glanzlose Farbe, die in’s Gelb- lichgrüne zieht, 8. Ist sie in der Regel zottiger, aber dabei im lebenden Zustande wei- ‚cher und zarter, als ihre Verwandten, fast sammtartig anzufühlen. 4. Sind ihre gleichzeitigen Wurzelblätter sehr zahlreich, 8 12, die 3—6 äussersten steis viel grösser, als die Stengelblätter, was schon Schultes, Presl, Reichenbach u. A. bemerkten; meist länger als Fi die Hälfte des Stengels, bisweilen selbst so lang als der ganze Stengel, breit _ länglich, in einen kürzern oder längern, ziemlich breiten Blattstiel verlaufend und, was sehr charakteristisch ist, stark an.die Erde angedrückt; die janern sind viel kleiner, mit einem sehr kurzen, breiten Blattstiele versehen, meist aufrecht, alle gekerbt oder yenpas ausgeschweift und sämmtlich an Spitze zugerundet, 5. Sind alle Paare der Stengelblätter besonders der Bracteen, im Ver- hältnisse zu denen der beiden verwandten Arten, einander sehr genä- hert und zusammengedrängt, dass auf dieselbe Stengellänge, welche bei den verwandten Arten zwei Blätterpaare begrenzen, bei A. pyramidalis 3—- 6 Blätterpaare kommen, und dies einzige Zeichen hinreichend ist, die Bilanze aus der Ferne zu erkennen. Meist tragen selbst die untersten Blät- - terpaare in ihren Achseln Blumen , wie Reichenbach bereits angegeben. 6. Sämmtliche Bracteen überreichen, wie Koch treffend bezeichnet, stels die Blumen ; die untersten Deckblätter sowie die vorhandenen Sten- gelblätter sind länglich oder verkehrt-eiförmig nnd gegen die Spitze gekerbt, die oberen Bracteen länglich-lanzettlich, gezähnt oder fast gekerbt-gezähnt und auf einmal in eine kurze stumpfliche Spitze übergehend, alle aber gegen ie Basis mehr weniger verschmälert und daselbst ganzrandig; sehr selten ist il s oder das andere der obern Deckblätter gegen die Spitze etwas 3lappig zähnt, I 7. Besitzt sie bekanntlich, wie A. genevensis, keine Stolonen, t Be 8. Sind die Blumen kleiner und blässerblau, als bei den zwei ver- wändten Arten, sehr selten weisslich. Ei 9, Hinsichtlich der Blüthenzeit sind die Angaben der meisten Aucto- ren unrichtig; denn sie blüht hier im Norden von Böhmen schon in der ersten Hi fte Mai, eben so zeitlich als A, reptans und beiläufig 14 Tage früher Is A. genevensis, versteht sich an gleichen Standorten.

84 Die Pflanze, von oben betrachtet, hat. allerdings ein pyramidenför-

miges Ansehen; allein dies haben auch mehr oder weniger die beiden

verwandten Arten. !

Ganz purpurroth, wie sie Reichenbach angibt, sah ich sie nie; nur die obern Deckblätter fand ich bläulich, aber auch fast eben so häufig die ganze Pflanze grün; bisweilen sind die Wurzelblätter, besonders die äusser- sten, an ihrer Unterseite oder mitunter auf beiden Seiten purpurroth, sehr # selten eins oder das andere der untern Stengelblätter.

I. A. genevensisL. ist:

1. In der Regel schlanker und zarter, als die vorige, 1—1'/z Schuh hoch, in der Varietät A. foliosa Tratt. mitunter noch höher, auf dürrem Lehmboden auch zwergartig, 2 Zoll, klein,

2. Ist sie in der Regel freudig grün, weniger in’s Gelblichgrüne zie- hend, glanzlos, nur bei den wenig behaarten Formen sind die untern Blätter etwas glänzend.

3. Ist sie durchschnittlich weniger zottig, als die vorige, mit Ausnahme einzelner Varietäten, z. B. der A. rugosa Host, dabei lebend rauher an- zufühlen, mit Ausnahme der Formen mit fast haarlosen untern Blättern.

4. Sind ihre gleichzeitigen Wurzelblätter in geringer Zahl, meist 2—6, selten 7—8, oft gar keins vorhanden, häufig sind sie während der Blüthezeit bereits vertrocknet und abgefallen, dabei stets sehr klein, viel kleiner als die Stengelblätter und untern Bracteen, wie Schultes und Presl richtig angegeben,?) und, was im Verhältnisse zu de- nen der vorigen Art sehr charakteristich ist, alle stets aufrecht oder schief aufrecht, nie an die Erde angedrückt; sie sind länglich, gezähnt oder gekerbt-gezähnt, selten bloss gekerbt, an der Spitze stumpf und nicht so zugerundet, wie die der vorigen, an der Basis in einen kurzen schmalen Blattstiel verlaufend; bisweilen sind sie so wie die untern Stengel- blätter fast haarlos oder nur an den Rippen schwach mit Haaren besetzt.

2) Der hocherfahrene und sehr gelehrte Ko ch gibt zwar in seiner Syn, fl. g. et h. II. p. 661, an, dass die A. genevensis auch mit sehr grossen Wurzelblättern vorkomme. Ich fand dergleichen nie auf den verschiedensten Standorten; auch andere Botaniker geben, meines Wis- sens, keine Notiz davon. Es ist möglich, dass Koch im einem sol- chen Falle entweder eine nahe verwandte Art oder, was wahrschein- licher sein dürfte, vielleicht eine Hybridität vor sich hatte, Und selbst angenommen, dass die Pflanze, die Koch vor sich hatte, wirk- lich A. genevensis war, so gehört sie sicher zu den höchst selte- nen Ausnahmen und dürfte als sehr gute und seltene Varietät angesehen werden können, kann daher auf die Diagnostik der normalen Haupt- form nicht massgebend zurückwirken. Did, Ve

re TT

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Nur die rosettenartigen, nicht Stengel treibenden Wurzel- blätter der Pflanze im ersten Jahre sind an die Erde ange- drückt und deren sind höchstens 5—8 und nicht viel grösser als die Stengelblätter oder untern Bracteen derselben Pflanze im folgenden Jahre, wo die rosettenartigen Wurzelblätter des vorigen Jahres bereits abgestorben sind.

- 5, ‚Sind die Stengelblätterpaare so wie die der untern RE: von einander regelmässig sehr entfernt , besonders ist dies in bedeutendem Grade stets der Fall bei den schlankeren Formen dieser Pflanze.?) Selbst die obern Deckblätterpaare sind meistens entfernter stehend, als bei der vorigen Art, In der Regel tragen die untersten, 1—3—5 Paare der Stengelblätter keine Blumen.

6. Die Stengelblätter sind kürzer oder länger , bisweilen sehr lang ge- stielt,2) (der Blattstiel gewöhnlich sehr schmal), länglich , gezähnt , seltener gekerbt-gezähnt oder gekerbt; die untern Bracteen sind länglich, gegen die Spitze gezähnt, an der Basis keilförmig-verschmälert und daselbst ganz- randig und: überragen stets sehr viel die Blumen; die mittlern und obern sind meist eiförmig-lanzettlich, an der Basis zugerundet, die mittlern ge- "wöhnlich gegen die Spitze mit zwei grossen seitlichen Zähnen versehen, wo- durch mit Einschluss der Blattspitze das Blatt 3lappig wird; bisweilen haben diese mittlern Deckblätter im Umfange eine rundliche Form mit zurückge- drängter abgekürzter Spitze und 4 6 grossen Zähnen, wodurch sie ein kammartiges Aussehen erhalten; mitunter fehlt aber auch diese starke Zah- nung gänzlich; die obern Deckblätter gehen allmählig in eine

‚schmälere, gezähnte oder ganzrandige Spitze aus, sind aber etwas kür- er, als die Blumen; übrigens sind sie bläulich, oder grün wie die Sten-

lätter.

7. Die Blumen sind grösser und etwas dunkler blau, als bei der vori- gen Art, übrigens auch röthlich und weisslich. MM. A. genevensi-pyramidalis Knat. Unter beiden vorigen gesellig fand ich schon vor 6 Jahren so wie im en eine Form, die ich weder zu der einen noch zur andern zu unter- gen vermochte, indem sie von beiden charakteristische Merkmale an sich wesshalb ich sie als Hybride Form, von beiden erzeugt, proponire. Die lichkeit, ja selbst die Wahrscheinlichkeit von Hybriditäten unter den Aju- Arten lässt sich da, wo sie gesellig unter einander wachsen, um so we- in Zweifel ziehen, als ihre Antheren und Narben den Insekten offen zu-

- #) Bei meinen Exemplaren der A. foliosa Tratt. sind die Stengelblätter- _ paare 3—4 Zoll und darüber von einander entfernt, A." V.

- #4) Bei meiner A. foliosa Tratt. sind die Stiele der Stengelblätter 27, Zoll lang und eben so lang, als das Blatt selbst, A. d,.

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gängig sind und diese Pflanzengattung zu den vorzüglichsten Bienenpflanzen gehört.?) 3

Diese Hybridität hat mit A. pyramidalis gemeinschaftlich.

1. Den niedrigen, ziemlich robusten und etwas gedrängten Stengel.

2. Ist sie durchgehends eben so zottig,

3. Ihre gleichzeitigen Wurzelblätter sind alle, so wie einzelne der un- tern Stengelblätter gekerbt, an der Spitze meist zugerundet und gehen in einen kurzen, meist etwas breiten Blattstiel über. ;

4. Die Deckblätter gehen meistens auf einmal in eine stumpfliche Spitze ß über, die obern überragen immer die Blumen, wie bei A, pyra- ? midalis, werden wenigstens, so viel ich bis jetzt beobachtet, von denselben niemals übertroffen. --

Mit A. genevensis hat dieselbe gemein:

1. Die Kleinheit der gleichzeitigen und aufrecht oder schief aufrecht stehenden Wurzelblätter, obwohl sie durchschnittlich doch noch grösser und zahlreicher sind, als bei A. genevensis. Nur selten ist eins oder das andere an die Erde angedrückt.

2. Die rosettenartigen, an die Erde angedrückten, nicht Stengel tragen“ i den Wurzelblätter der Pflanze im ersten Jahre, die grösser sind als die Sten- gelblätter und untern Bracteen der blühenden Pflanze im folgenden Jahre, aber nie die Grösse haben, als die gleichzeitigen Wurzelblätter der A. py- ramidalis.

3. Sind die Stengelblätter- und untern Deckblätter-Paare weit von ein- ander entfernt, wenn auch nicht in dem Grade, wie bei A. genevensis.

4. Sind die obern Bracteen eiförmig-lanzettlich an der Basis zugerun- _ det und nicht verschmälert; mitunter haben manche gegen die Spitze einige grössere Zähne, die jedoch stets kleiner sind, als bei A. genevensis, so dass diese Deckblätter nicht 3lappig erscheinen.

Nach diesen gemachten Beobachtungen lassen sich die Diagnosen der 5- Pflanzen auf folgende Weise stellen:

A. pyramidalis L. humilis, robusta, compacta, villosa, opaca, stoloni- bus nullis, foliis radicalibus, co&taneis copiosis, caulina magnitudine multo superantibus, oblongis, crenatis, apice rotundatis, basi breviter et sub- lato petiolatis, exterioribus terrae semper adpressis, interioribus erectis patulisve, caulinis subnullis, aut 1—2 paribus bracteisque sibi approximatis,

Fe;

basi cuneato attenualis integerrimisque, apicem versus crenatis dentatisve, braeteis inferioribus oblongis obovatisve, superioribus oblongo-lan-" ceolatis, subito et obtusiusculo acutis, flores multo superantibus, u

A. genevensis L. procerior, gracilior, minus villosa, opaca, stolonibus

5) Schrank Baier’sche Fl. I. $. 116: Ä

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nullis, foliis radicalibus co@ötaneis paueis, caulina magnitudine non attingentibus, oblongis, dentatis, aut crenato-dentalis, apice obtusis, basi bre- viter angusteque petiolatis, omnibus semper erectis patulisve, caulinis, 41—5 paribus, valde remotis, oblongis, dentatis , brevius longiusve anguste petiolatis, bracteis inferioribus remotis oblongis, basi cuneato-attenua- tis integerrimisque, apicem versus dentatis, mediis apice subtrilobis supe- rioribusque ovato-lanceolatis, basi rotundatis, sensim in apicem angustio- orem prolongatis, verticillo brevioribus. A, genevensi-pyramidalis Knaf. Humilis, robusta, villosa, opa- ‚ca, stolonibus nullis, foliis radicalibus co&taneis erectis patulisve, (raro uno alterove terrae adpresso) caulina non attingentibus , oblongis, ere- matis, apice rotundatis, basi breviter et sublato petiolatis, caulinis, 1—2 paribus, bracteisqueinferioribus remotis, bracteis superio- bus ovato-lanceolatis, basi rotundatis, apice subito et obtusiusculo acutis, Nlores superantibus.

Ueber zwei andere Hybriditäten werde ich mir die Ehre geben, ein ander Mal zu berichten. Kommotau im März 1852.

Beobachtungen über Elatine Alsinastrum L. Von Med. Dr. Knaf.

Diese Pflanze wurde schon im Septembar 1830 von mir zuerst in Böh- ‚men u. z. in theilweise mit Wasser bedeckten Lehmgruben am grossen Teiche e Udwitz nächst Kommotau aufgefunden . und sofort an die bot. Tauschan- It des Hrn. P. M. Opiz in Prag eingesendet. Als später diese Gruben theils ganz vertrocknet, theils mit Erde überschüttet wurden, konnte ich diese Pflanze selbst nicht wieder finden. Gegen Ende des Sommers 1847 gelang es mir, .e ae Forma terrestris derselben, jedoch sehr sparsam, an etwas feuchten, aber nicht unter Wasser stehenden Stellen des obern Steinteiches bei Kommotau zu ı entdecken. In der ersten Hälfte Juni 1850 überraschte mich dieser neue d Juwachs der böhmischen Flora in ziemlich grosser Menge -an den feuchten und ne vom Wasser bespülten Ufern des Teiches oberhalb Sporitz nächst 2 A ; aber auch da ist es eine Forma terrestris wie am Steinteiche, Zu ‚Ende "re 1850 begegnete ich dieser Form, bereits ganz vertrocknet, h häufig an ausgetrockneten Stellen des Ufers des grossen Teiches bei dwitz. Die eigentliche Wasserform, wie ich sie im Jahre 1830 fand und yon noch 2 Exemplare in meinem Herbar besitze, kam mir seitdem nicht | wieder zu Gesichte. Der Umstand, dass in allen Floren, die ich hinsicht-

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lich dieser Pflanze benützen konnte, selbst in denen von Süddeutschland die Monate Juli’ und August als Blüthezeit angegeben werden, die am Sporitzer Teiche den 10. Juni gefundene aber schon die untern Fruchtkapseln. vollkom- men ausgebildet zeigte, was auf die Wahrscheinlichkeit, dass sie schon zu Ende Mai zu blühen anfange, hindeutete, um so mehr, da der-kalte Frühling von 1850 und seine häufigen Fröste die Entwicklung der Vegetation merk- lich zurückhielten, ferner die Kleinheit der Form, die grössere Gleichförmig- keit der Blätter weckten in mir ein besonderes Interesse für die nähere Un- tersuchung dieser Form und ich stattete desshalb diesem Kinde Florens 4 Besuche, u. z am 10., 18., 26. Juni und 20. Juli: ab, sammelte jedesmal ‚eine ° grössere Anzahl und untersuchte sie im lebenden Zustande. Im Interesse der bot. Wissenschaft: überhaupt halte ich es; nicht für ganz überflüssig, das Beobachtete, wenn es auch unvollkommen: ist, hier wiederzugeben, , Diese Uferform ist 1—4 höchstens 5 Zoll hoch, ‘während. die. Wasserform 1—1:/,| Schuh erreicht; Wurzel kurz kriechend mit 3—5 Gliederungen, die gegen das Ende der Wurzel zu an- Stärke bedeutend abnehmen und. an den Gelen- E ken mit zahlreichen weissen Fasern besetzt sind. Herr Hofrath Koch stellt die ° Einjährigkeit der Wurzel in Frage; ich. fand nie Stengelreste vom vorigen 3 Jahre. Der Stengel an der Basis etwas kriechend, dann aufsteigend, viel - und eingedrückt gestreift; die Blätter vielnervig, 3—5 Hauptnerven mit > noch mehreren zarten, zwischenliegenden Nebennerven; die untern lanzet- 4 förmig oder linien lanzettförmig, eben so lang als die obern oder kürzer, x schmäler und zarter, von gleicher Länge als die Internodien oder kürzer, die obern eiförmig lanzettlich, breiter und fester, alle an der Spitze etwas stumpf, die obersten Blattquirle sehr zusammengedrängt; von den Blüthen steht in den einzelnen untersten Quirlen immer nur eine, nicht selten sind sie hier gestielt, (der Blüthenstiel bald länger, bald gleich M hoch, bald kürzer, als die Frucht) in den obern Quirlen’ sind 2-3. sitzende Blüthen in je einem Blattquirl; die 4 Kelchlappen sind an der Basis breit eiförmig, hautartig, dünn, durchsichtig, blass, nach oben auf ein- mal in eine stumpfe, grüne, undurchsichtige Spitze endigend; jeder Kelchlap- pen liegt dort vor den Blumenblättern, wo deren zwei an einander grenzen, deckt aber nach unten durch seine breite Basis, mit der er an die zwei nächsten Kelchlappen anstösst, die entsprechenden Hälften der hinter ilm lie- genden zwei Blumenblätter vollkommen; die Blumenblätter sind breit eiförmig, rundlich, an der Spitze zugerundet und durchaus weiss, nicht grün- lich, wie es in den Floren angegeben wird. Merkwürdig ist das Verhalten der Staubgefässe. Diejenigen 4 Staubfäden, von denen je einer da, wo zwei Blumenblätter an einander grenzen, dieser Angrenzung und der Mitte des” nach Aussen liegenden Kelchlappens gegenübersteht, sind gänzlich bis zu den“ Narben herübergebogen, so, dass von den 4 entsprechenden Staubbeitela®

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jeder eine Narbe unmittelbar bedeckt; die 4